körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Aus der Praxis: Kooperationsverhandlungen mit dem ‚inneren Schweinehund‘
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Ulrike Brandl
Als Körperpsychotherapeutin und Coach verbindet die Autorin in ihrer Arbeit biodynamische Haltung, körperorientierte Selbsterfahrung, systemisches Coaching und das Zürcher Ressourcen Modell. Dieser Artikel beschreibt einen Workshop, in dem mit körperorientierten und systemischen Methoden an der Überwindung innerer Widerstände gearbeitet wird, und beschäftigt sich mit der Abgrenzung und Vereinbarkeit dieser unterschiedlichen Methoden.
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111 körper-- tanz-- bewegung 3. Jg., S. 111-117 (2015) DOI 10.2378 / ktb2015.art18d © Ernst Reinhardt Verlag Kooperationsverhandlungen mit dem „inneren Schweinehund“ Ein Methodenmix aus Körperpsychotherapie und Coaching Ulrike Brandl Als Körperpsychotherapeutin und Coach verbindet die Autorin in ihrer Arbeit biodynamische Haltung, körperorientierte Selbsterfahrung, systemisches Coaching und das Zürcher Ressourcen Modell. Dieser Artikel beschreibt einen Workshop, in dem mit körperorientierten und systemischen Methoden an der Überwindung innerer Widerstände gearbeitet wird, und beschäftigt sich mit der Abgrenzung und Vereinbarkeit dieser unterschiedlichen Methoden. Schlüsselbegriffe Biodynamische Körperpsychotherapie, Coaching, ZRM Zürcher Ressourcen Modell, Somatische Marker, Coachingprozess Negotiations with Your Weaker Self: Mixing Body-Psychotherapeutic and Coaching Methods As a body-psychotherapist and coach the author integrates a biodynamic attitude, body-orientated self-awareness, systemic orientated coaching and the Zurich Resource Model. This article describes a workshop in which people work on overcoming inner resistance with body-oriented and systemic methods and discusses the differentiation between and the compatibility of the different methods. Key words biodynamic body-psychotherapy, coaching, ZRM Zurich Resource Model, somatic marker, coaching-process Forum: Aus der Praxis „Also, mein Schweinehund sieht echt spannend aus: vorne ein zu kurz gewachsener schwarzweißer Boxer, hinten samtrot mit einem neugierigen Quastenschwanz, der ab und zu wedelt. Und er ist müde. Und bockig. Deshalb verbeißt er sich in meiner Wade und hält mich ab von dem, was ich tun müsste, sollte, wollte …“ Metaphorische Begriffe machen mich neugierig, ich habe Spaß, sie zu erforschen und mit ihnen zu spielen. So auch der „innere Schweinehund“, von dem viele Menschen sprechen, den sie dressieren, an die Leine nehmen, überwinden wollen. Mir stellte sich die Frage, wer oder was dieser „innere Schweinehund“ ist, dem zugeschrieben wird, Abläufe zu verändern, „Aufschieberitis“ zu produzieren, Selbstbezichtigungen zu initiieren. Ist er ein Pendant des „Schützenden Widerstands“, von dem wir in der Biodynamik sprechen, der immer für das Individuum Sinn macht, der Ausdruck unterschiedlicher Bedürfnisebenen oder ein Teil des Inneren Teams? Jedenfalls hört es sich für mich oft nach Selbstabwertung, dem Gefühl von Resignation und Hilflo- Innerer Schweinehund 112 3 | 2015 Ulrike Brandl sigkeit an, wenn Menschen über ihren Schweinehund sprechen. Vielleicht ist es auch ein Versuch, innerlich ein bisschen die Verantwortung für die empfundene Unzulänglichkeit an jemand scheinbar anderen, den Schweinehund, abzugeben. Alles in allem ist dies ein ressourcenferner Zustand, der nach Veränderung ruft. Anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft für Biodynamische Psychologie und Psychotherapie e. V. (GBP) habe ich einen Workshop zu diesem Thema entwickelt. Da der Begriff „innerer Schweinehund“ oft benutzt wird, habe ich diesen wegen seines Wiedererkennungswertes in den Titel des Workshops aufgenommen. Das Wort „Kooperationsverhandlungen“ soll zu aktiver, positiver Haltung einladen und damit den Zugang zu inneren Ressourcen öffnen. In meiner Praxis biete ich Biodynamische Körperpsychotherapie und Systemisches Coaching an. Im Coaching nach der Karlsruher Schule geht es immer auch um individuelle Persönlichkeitsaspekte und -entwicklung, Achtung vor der Einzigartigkeit des Klienten und das Aufdecken von dessen Bedürfnissen, bevor Ziele und Lösungswege erarbeitet werden (Berninger-Schäfer 2011). Auch das Zürcher Ressourcen Modell- - kurz: ZRM, entwickelt von Maja Storch und Frank Krause in den 1990er Jahren für die Universität Zürich- - ist eine Methode, die sehr strukturiert ist und bildhaft, körperorientiert und spielerisch mit Bedürfnisfindung, Motivation und Zielerreichung arbeitet. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Methoden hat meinen Blick und meine Arbeitsausrichtung in mancher Hinsicht verändert. Wohlwissend, wie wesentlich und hilfreich es ist, alte Verletzungen aufzudecken und damit therapeutisch zu arbeiten (z. B. mit biodynamischer Massage, Arbeit mit dem Inneren Kind), wird mir wichtig, nicht zu oft und zu lange in schmerzhaft Erlebtem zu verweilen. Um dem Gehirn die Chance zu geben, neue, förderliche neuronale Vernetzungen anzulegen, braucht es positive Bilder, Selbstliebe, Selbst-Bewusstsein und Zukunftsausrichtung (Storch / Krause 2007, 39 ff ). Das Systemische Coaching und das ZRM lassen sich fließend mit der biodynamischen Haltung verbinden. Ich schätze die klare Struktur, an der sich eine Coachingsitzung entlangbewegt. Das Setting im Coaching ist bedarfs- und lösungsorientiert: Man vereinbart eine begrenzte Zahl von Sitzungen zu einem Thema, die zwischen eineinhalb und drei Stunden dauern und in größeren Zeitabständen stattfinden. In jeder Sitzung wird angestrebt, eine Lösung und erste Handlungsschritte herauszuarbeiten (Berninger-Schäfer 2011). Man vertraut darauf, dass der Coachee im Anschluss an die Sitzung innerlich weiter mit dem Thema beschäftigt ist und seinen Weg damit macht-- also auch wieder ganz „biodynamisch“. Mein Eindruck ist, dass diese Arbeitsweise den individuellen Prozess begünstigt und verkürzt. Ablauf des Workshops Der Ablauf des Workshops folgt dem Rahmen eines klassischen Coachings. Ausgehend von der Metapher des „inneren Schweinehundes“ werden sowohl kognitiv als auch über die Einbeziehung von Bewegung und kreativem Ausdruck die dahinter liegenden Bedürfnisse aufgedeckt und aus intrinsischer Motivation heraus nachhaltige Ziele entwickelt. Der Ablauf eines Coachings: ● Situationsbeschreibung ● Anliegenklärung ● Anliegenformulierung ● Musterzustandsänderung ● Zielformulierung ● Umsetzung / Lösungsschritte ● Rückbindung zum Anliegen Innerer Schweinehund 3 | 2015 113 Situationsbeschreibung Das aktuelle innere Geschehen wird verbildlicht. Mit Bewegung zu Musik sollen die Teilnehmenden bei sich und ihrem „Schweinehund“-Thema ankommen. Sie erspüren, was sie zu diesem Thema empfinden: ein Vor und Zurück, ein Hin und Her, oder eher ein Gebremstsein …? Die beiden Strebungen werden als Doppeltier „Schwein-und-Hund“ mit Stiften zu Papier gebracht, und das Tier bekommt einen Namen. Damit ist die erste Haltungsveränderung vollzogen: Sonst eher abgewehrt ist der Schweinehund zu einem „Wesen“ geworden, das ansprechbar und mit einem freundlich-interessierten (inneren) Blick betrachtet werden kann. Anliegenklärung Der „Schweinehund“ wird als Ausdruck eines inneren, schützenden Widerstands verstanden, die inneren Strebungen werden aufgedeckt. Ein „Schweinehund“-Thema hat mit mindestens zwei innerlichen Motivationsstrebungen zu tun: eine Seite, die etwas möchte, und eine andere, die aus gutem Grund eben dies vermeiden möchte. Deren Differenzierung ist die erste Aufgabe. Metaphorisch gesprochen: Was will das Schwein, was der Hund? Der „Schweinehund“ entwickelt sich zu einem „Schwein-und-Hund“, bei manchen Teilnehmenden auch zu einer Katze oder zu einem körperlich erlebten Zustand, zu dem diese Metapher nicht passt. Diese Teilnehmenden können dem Arbeitsprozess dennoch weiter folgen. Zur Erarbeitung dieser Differenzierung schlage ich vor, spontan die positiven und negativen „somatischen Marker“ zu erspüren und in eine Skala einzutragen, um eine Affektbilanz darzustellen. Als Somatische Marker bezeichnet Antonio Damasio individuelle, im Körper spürbare unterschiedlich starke Empfindungszustände. Nach dem ZRM ist ein Ziel dann attraktiv und erreichbar, wenn die negative Skala nahe Null und die positive Skala mindestens bei 70 liegt (Storch / Krause 2007). In einer Partnerarbeit wird erforscht, welche inneren Bewegungen / Motivationen zu dem Thema wichtig erscheinen und wie sie sich in der Skalierung bemerkbar machen. Ist der Hundeteil der negative, der Schweineteil der positive Teil, oder vermischen sich beide Motivationen und Bedürfnisse? Anliegenformulierung Das Anliegen / Arbeitsziel wird vorformuliert und nach den Kriterien eines Mottoziels (nach dem ZRM) überprüft: ● Ist es ein intrinsisches Anliegen? Folgt es also ureigenen Gründen und Bedürfnissen? ● Ist es ein Annäherungsziel? Geht es darum, dies zu wollen, anstatt etwas anderes zu ver- Abb. 1: Beispiel Somatische Marker 114 3 | 2015 Ulrike Brandl meiden? Dann wäre es ein Vermeidungsziel, das per se weniger „energetisiert“ ist und dessen Erreichung damit unwahrscheinlicher wird. ● Liegt die Erreichung vollständig in eigener Macht und Verantwortung? Denn nur dann kann sich die Person selbst uneingeschränkt und unabhängig für die Umsetzung engagieren. ● Ist es positiv formuliert? Worte mit versteckten Verneinungen lösen unbewusst negative Affekte aus und sollen ersetzt werden (z. B. beschwerdefrei, ungezwungen, schmerzlos). Hilfreich ist weiter die Verwendung einer bildhaften Sprache, die Formulierung im Präsens und die Beschreibung einer inneren Haltung. Die Anliegenformulierung wird in der Gruppe vorgestellt und bei Bedarf bearbeitet: immer in Bezug zur inneren, möglichst wohligen Befindlichkeit, immer mit dem Blick darauf, wie es dem „Schwein-und-Hund“ geht, und immer unter Berücksichtigung der Affektbilanz. Musterzustandsänderung Eine Musterzustandsänderung wird im Coaching nach der Karlsruher Schule dafür genutzt, den Coachee von einem „Problemmusterzustand“ in einen ressourcenfähigen „Lösungsmusterzustand“ zu versetzen (Berninger- Schäfer 2011, 64 f ). Dies führe ich durch eine Fantasiereise herbei, die an einem Ort und in einer Zeit spielt, in der man sich „bestens“ fühlt. Dieser Zustand entsteht ausschließlich aus Bildern und Empfindungen der Teilnehmenden, die anleitende Person behält eigene Vorstellungen für sich. Bilder, Gefühle, Gedanken und Empfindungen aus dieser Fantasiereise decken essentielle Bedürfnisse auf, die aktuelle Wichtigkeit haben (Storch / Krause 2007). Eine weitere Bewegungseinheit, in der dieser positiv erlebte Zustand in körperlich erlebte Bewegung gebracht wird, verstärkt und ankert das positive Empfinden. Der neue Zustand kann mit der eingangs gefundenen Bewegung verglichen werden, der Wechsel in den guten Zustand wird eingeübt. Ein ganz persönliches „Lösungs-Tai-Chi“, wie z. B. Hypnosystemiker Gunther Schmidt vermittelt, kann entwickelt werden. Aus der jetzt erreichten entspannten Haltung heraus entsteht gesunde Distanz und ein selbstfürsorglicher Blick. Es ist Bezug hergestellt zu den aktuell wesentlichen Bedürfnissen. Nun wird noch einmal aussortiert, was beim Anliegen nun wirklich wichtig ist. An dieser Stelle ändert sich das Anliegen oft grundlegend, das Ziel wird ein anderes. Zielformulierung In einer Partnerarbeit werden die wesentlichen Begriffe aus der Beschreibung der Fantasiereise herausgearbeitet. Daraus wird eine Zielformulierung entwickelt, die aktuelle innere Bedürfnisse und persönliche Ziele or- Abb. 2: Musterzustandsänderung Innerer Schweinehund 3 | 2015 115 ganisch verbindet. Es wird abgeglichen, ob Begrifflichkeiten, Werte, wesentliche Bedürfnisse aus der Fantasiereise zum zuvor formulierten Anliegen passen, und das Ziel wird entsprechend neu formuliert. Ein metaphorischer Seitenblick auf die Zufriedenheit des „Schwein-und-Hunds“ und die Affektbilanz geben leicht Auskunft, ob der vorgeschlagene Weg von allen inneren Anteilen gut mitgetragen werden kann. Die folgende Abwägung von Kosten und Gewinn aus der Zielerreichung ist wichtig, um Motivation und Machbarkeit nochmals zu überprüfen. Folgende Fragen werden gestellt: ● Welche Folgen und langfristigen Auswirkungen hat es, den Schweinehund zu überwinden? ● Wer profitiert davon? ● Was kostet es mich? Was muss ich dafür hergeben? ● Welches Bild von mir muss ich dann aufgeben? Es folgt die erneute Zielformulierung nach den Kriterien des Mottoziels. Diese Formulierung sollte, in biodynamischer Sprache ausgedrückt, libidinöse Empfindungen, also Wohligkeit, Fließen, Lebenslust, Ausgeglichenheit auslösen, sonst muss nochmal nachgearbeitet werden. Umsetzung / Lösungsschritte Für die Transfersicherung sollen unterstützende Maßnahmen und Ressourcen eingeplant werden. Auf ein Arbeitsblatt werden die individuellen Ressourcen notiert: Erinnerungshilfen, zielorientierte Formulierung, hilfreiche Personen, Bewegungsrituale, wie z. B. Lösungs-Tai-Chi, Wenn-Dann-Pläne, bis hin zu vorbeugenden Maßnahmen für (un)erwartete Ehrenrunden im alten Verhalten. Rückbindung zum Anliegen Bevor der Prozess abgerundet wird, bietet sich ein kurzer Blick in den „biografischen Rückspiegel“ an, wofür das frühere Verhalten Sinn machte: ● Wen hätte das neue Verhalten in Druck, Konkurrenz, Schmerz … bringen können? ● Wem hielt ich die Treue, wenn ich so war, wie ich nicht sein möchte? ● Welche Kompetenzen habe ich daraus entwickeln können? Zum Schluss reflektiert die Gruppe den Prozess der vergangenen drei Stunden. Die Prozesse verliefen beim ersten Workshop ganz unterschiedlich, die Anliegen veränderten sich bei vielen in neue Zielformulierungen, und die Affektbilanzen waren positiv. Alle TeilnehmerInnen hatten für sich die Empfindung, einen oder mehrere Schritte weitergekommen zu sein und etwas Wesentliches für sich wieder in den Blick gerückt zu haben. Abb. 3: Hilfen für die Zielumsetzung 116 3 | 2015 Ulrike Brandl Und dem „Schwein-und-Hund“? Dem geht es gut: Es gibt sensible Ferkel, die von ihrem Besitzer künftig in ihrer Zartheit besser geschützt werden, eine Katze, die zufrieden schnurrt, ein Schwein in einem bequemen Stall und treue kluge Hunde. Reflexion Es ist spannend, darüber nachzudenken, wo sich in diesem Gruppenprozess körperpsychotherapeutische, insbesondere biodynamische Aspekte finden, wie diese in eine förderliche Synthese mit dem systemisch-lösungsorientierten Ansatz kommen und für welche Personengruppen sich diese Vorgehensweise eignet. Ein Workshop mit Körperpsychotherapeuten ist natürlich fruchtbarer Boden für alle Interventionen, die auf Haltungs-Bewegungswahrnehmung, Spüren der inneren Gefühle, Körperempfindungen und der Differenzierung von Gedanken basieren. Im Gegensatz zu rein kognitiv orientierten Menschengruppen bedarf es hier keiner Hinführung zur körperorientierten Wahrnehmung und der Berücksichtigung dieser in den Prozess. Auch die Fantasiereise zur Initiierung der Musterzustandsänderung gelingt mit Leichtigkeit, weil sowohl Fantasiereisen, Meditation als auch die Wahrnehmung von inneren Bildern allen vertraut sind, was bei „therapiefernen“ Personengruppen in aller Regel ausführlicherer und detaillierterer Hinführung bedarf. Dennoch bin ich immer wieder überrascht, wie dies auch z. B. im Firmenkontext gelingt, wenn ich mit Leichtigkeit, Humor und großer Selbstverständlichkeit in die Fantasiewelt einlade. Eher ungewohnt für biodynamische Körperpsychotherapeuten ist die klare und in der Relation zu therapeutischen Prozessen eher eng anmutende Zeitstruktur, die ich aus dem klassischen Coachingablauf übertragen habe. Ebenso neu ist, sich im Verlauf des Prozesses fast ausschließlich in Gegenwart und Zukunft zu bewegen. Biografische Erfahrungen, Verletzungen spielen hier eine nachgeordnete Rolle und werden erst ganz am Ende und bewusst aus der Lösungsposition heraus betrachtet. Sollte im Einzelfall die Vergangenheit sehr belastend erlebt worden sein, würde ich, um das konstruktive Klima und gewonnene Ergebnis vorerst gut zu schützen, eher zu einer Aufarbeitung zu einem anderen Zeitpunkt tendieren. Als biodynamisch verstehe ich in diesem Prozess die grundsätzlich liebevolle Haltung, die zu Selbstannahme und Selbstakzeptanz einlädt. Das Vorgehen mit Metaphern und Bildern erzeugt eine Leichtigkeit, die Lebensenergie weckt und zu Humor einlädt. Die Körperempfindungen explizit in die Prozessgestaltung einzubeziehen, ist für mich ebenfalls ein biodynamischer Aspekt. Unterschiede und Ähnlichkeiten von Coaching und Körperpsychotherapie waren Gegenstand meiner Abschlussarbeit zum Kontaktstudium Coaching (Brandl 2009). Ich verglich Abb. 4: Blick zurück Innerer Schweinehund 3 | 2015 117 den Coachingprozess mit dem Psychoorganischen Kreis nach Paul Boyesen und beschrieb dessen Einsatz als Coaching-Tool. Gerda Boyesens Konzept von aufsteigender und absteigender Energie passt ebenfalls auf einen solchen Prozess: Der Prozess startet in der roten Phase aufsteigend mit der Situationsbeschreibung, mit der Anliegenformulierung gelingt die Entladung durch Benennen aktueller Belastungsgefühle und leitet die absteigende blaue Phase ein. Mit der Musterzustandsänderung wird das Schmelzen vorbereitet. Zielformulierung, Umsetzen und Rückbindung zum Anliegen schließen den Reizreaktionszyklus. Auch im Rubikon-Prozess des ZRM zeigen sich hierzu viele Parallelen. Wenn Coaching als eher mechanistische, effizienzsteigernde Maßnahme eingesetzt wird, hat es aus meiner Sicht nur begrenzt nachhaltige Wirksamkeit. Es trifft wenig die Sinn- und Wertebedürfnisse der Menschen. In dem hier vorgestellten Coachingkonzept geht es jedoch um tiefer greifende Prozesse einer Persönlichkeitsentwicklung, die eine menschliche Komponente in der Arbeitswelt fördert und den Bedürfnissen nach wirtschaftlichem Erfolg kaum entgegensteht. Wo Bewusstheit gefördert wird, wird die Zusammenarbeit von Menschen kooperativer und achtungsvoller gestaltet. Coaching ist damit für mich eine andere, sehr wertvolle und der Biodynamischen Körperspsychotherapie gleichwertige Arbeitsmethode geworden. Literatur Berninger-Schäfer, E. (2011): Orientierung im Coaching, Boorberg, Stuttgart Brandl, U. (2009): Der Psychoorganische Kreis im Coaching. Abschlussarbeit Kontaktstudium Coaching. In: www.coachingindividuell.de/ bildarchiv, 3.2.2015 Storch, M., Krause, F. (2007): Selbstmanagement-- ressourcenorientiert. Grundlagen und Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM). 4. Aufl. Hans Huber, Bern Die Autorin Ulrike Brandl Heilpraktikerin Psychotherapie auf der Basis von Biodynamischer Körperpsychotherapie und systemischer Familientherapie mit Einzelnen und Paaren. Business- und Gesundheitscoach, Referentin und Lehrcoach. ✉ Ulrike Brandl Heilpraktikerin Psychotherapie, Coach Sophienstraße 96c | D-76135 Karlsruhe Tel. (0049)-(0)7 21 384 42 16
