eJournals körper tanz bewegung4/3

körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/ktb2016.art15d
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Editorial

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Frank Röhricht
Liebe Leserinnen und Leser, das Verhältnis von Theorie, Forschung und Praxis ist eine zentrale Frage aller Therapien und aufgrund der gesundheitspolitisch relevanten Diskussion zur Anerkennung der Verfahren für die weniger etablierten körperorientierten Psychotherapien besonders wichtig. Der wissenschaftliche Beirat Psychotherapie in Deutschland beschäftigt sich derzeit mit einem Antrag verschiedener Verbände und evaluiert die wissenschaftliche Evidenz der Körperpsychotherapie unter dem Obergriff der humanistischen Psychotherapie. Aus Sicht der Herausgeber ist insbesondere der Schwerpunkt dieser Ausgabe in der Darstellung empirischer Ergebnisse aus klinischen Studien zu begrüßen. [...]
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121 körper-- tanz-- bewegung 4. Jg., S. 121-122 (2016) DOI 10.2378 / ktb2016.art15d © Ernst Reinhardt Verlag Editorial das Verhältnis von Theorie, Forschung und Praxis ist eine zentrale Frage aller Therapien und aufgrund der gesundheitspolitisch relevanten Diskussion zur Anerkennung der Verfahren für die weniger etablierten körperorientierten Psychotherapien besonders wichtig. Der wissenschaftliche Beirat Psychotherapie in Deutschland beschäftigt sich derzeit mit einem Antrag verschiedener Verbände und evaluiert die wissenschaftliche Evidenz der Körperpsychotherapie unter dem Obergriff der humanistischen Psychotherapie. Aus Sicht der Herausgeber ist insbesondere der Schwerpunkt dieser Ausgabe in der Darstellung empirischer Ergebnisse aus klinischen Studien zu begrüßen. Aveline (2006) stellte einen Forschungszyklus vor, in dem sich Theoriearbeit und aus klinischer Beobachtung abgeleitetes Erfahrungswissen sinnvoll mit Erkenntnissen aus Einzelfallstudien verbinden. Auf diese Weise kann man zu gezielten Hypothesen bezüglich der Wirksamkeit psychotherapeutischer Verfahren gelangen. Diese werden dann systematisch in klinischen Studien getestet, wobei die Frage nach den therapeutischen Prozessen zu jedem Zeitpunkt parallel qualitativ beforscht wird. In dieser Ausgabe führt eine Übersicht zu zehn zuvor publizierten Studien (Koemeda- Lutz et al.), in denen auch körperorientierte Verfahren evaluiert wurden, nachhaltig in methodenkritisch relevante Diskussionen der Psychotherapie-Forschung ein. Die vielzitierten randomisiert-kontrollierten Studien sind gut geeignet zu klären, welche Therapie (Interventions-Strategie) unter welchen ideal und optimal beschaffenen Konditionen zu welchem Ergebnis führt. Sie beantworten jedoch nur sehr bedingt die Frage der individuell wirksamen Faktoren. Hierzu ist komplementär eine praxisbezogene (primär qualitative) Evidenz erforderlich. Der Beitrag zu den Theorien von Adler und Reich geht weit über die Darstellung der Kongruenzen und Unterschiede in den jeweiligen Grundannahmen hinaus und bietet den Leser- Innen eine Einführung in die in der aktuellen Theoriediskussion hochaktuelle Frage nach dem Verhältnis von Phänomenologie, Tiefenpsychologie und kognitiver Verhaltensforschung (Stichwort Embodiment). Die Theorie wird insofern selbst zum Forschungsgegenstand, und im Idealfall entwickelt sich im Verbund eine Dialektik aus Forschung und Praxis. Der Praxisbeitrag von Gunia und Murcia rundet den Theorie-Forschung-Praxis-Bogen dieser Ausgabe ab und zeigt, wie von den Symptomen der Patienten (in diesem Fall der Depression) direkt und gezielt ein körperorientiertes therapeutisches Vorgehen abgeleitet wird. Damit sind die Autoren ganz im Trend einer vorwiegend störungsspezifisch Liebe Leserinnen und Leser, 122 3 | 2016 Editorial konzipierten (und zunehmend auch manualisierten) Interventionsstrategie. Literatur Aveline, M. (2006): Psychotherapy research: nature, quality, and relationship to practice. In: Del Loewenthal, D., Winter, D. (Hrsg.): What is Psychotherapeutic Research? Karnac, London / New York Prof. Dr. med. Frank Röhricht Mitherausgeber „körper-- tanz-- bewegung“