körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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9_005_2017_4/9_005_2017_4.pdf101
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Editorial
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Marianne Eberhard-Kaechele
Liebe Leserinnen und Leser, der Volksmund nennt Sexualität „die schönste Sache der Welt“, doch für viele Menschen ist Sexualität eine Quelle des Leids. Sexuelle Funktionsstörungen gehören zu den häufigen Krankheitsbildern unserer Zeit, Tendenz steigend, bei der zudem eine Unterversorgung besteht. Dieses Themenheft widmet sich daher der Sexualität in praxisorientierten Beiträgen, die verschiedene Settings und direkte sowie indirekte Formen des Herangehens aufzeigen.
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153 körper-- tanz-- bewegung 5. Jg., S. 153 (2017) DOI 10.2378 / ktb2017.art20d © Ernst Reinhardt Verlag Editorial der Volksmund nennt Sexualität „die schönste Sache der Welt“, doch für viele Menschen ist Sexualität eine Quelle des Leids. Sexuelle Funktionsstörungen gehören zu den häufigen Krankheitsbildern unserer Zeit, Tendenz steigend, bei der zudem eine Unterversorgung besteht. Dieses Themenheft widmet sich daher der Sexualität in praxisorientierten Beiträgen, die verschiedene Settings und direkte sowie indirekte Formen des Herangehens aufzeigen. Karoline Bischof stellt die Methode des Sexocorporel vor. Mit Beispielen aus dem Einzelsetting werden hier sexuelle Probleme direkt auf der Ebene sexueller Funktionen angesprochen und körperbezogene Interventionen angebahnt, die die PatientInnen zu Hause weiter vertiefen können. Besonderes Merkmal des Sexocorporel ist das Konzept der Erregungsmodi, die auf diskreten Körper- und Bewegungsphänomenen wie Druck, Reibung, Ondulation und Doppel-Schaukel basiert. Im Beitrag wird zudem das Konzept der Vaginalität, das Potential der Frau, ihren Innenraum erotisch zu erleben, in den Fokus genommen. Beide Konzepte geben Inspirationen für die Praxis, auch im Kontext anderer Methoden. Ein innovatives Gruppenkonzept für Frauen mit sexuellen Problemen wird von Annette Bertschi und Mareen Scholl beschrieben. Sie erläutern Interventionen, die direkt auf genitale Aspekte der Sexualität in einem geschützten Rahmen eingehen. Darin wechseln sich Selbstwahrnehmung, Selbstberührung und Selbstausdruck mit dem Bezeugen, Betrachten, Zuhören oder Berühren eines Gegenübers ab. Ihr Ansatz beruht auf mehrere Quellen und integriert insbesondere die Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und anderen. Schließlich gibt mein eigener Artikel Beispiele aus dem Paarsetting für einen indirekten Bezug zu sexuellen Problemen auf einer funktionalen, abstrakten oder symbolischen Ebene im Rahmen der Tanz- und Ausdruckstherapie. Im Mittelpunkt steht eine entwicklungspsychologische Perspektive auf die Paardynamik. In der frühen Kindheit geprägte Interaktionsmuster können im Kontext der erwachsenen Sexualität zu Problemen führen und werden in der Therapie aufgedeckt und transformiert. Weitere Möglichkeiten der Körperpsychotherapie bei sexuellen Störungen sind in dem neuen Buch von Thomas Harms und Manfred Thielen gesammelt, das in diesem Heft von Marion Reuter rezensiert wird. Eine Auswahl von Methoden der Behandlung sexueller Störungen zu kennen, ermöglicht es, den Zugangsweg zu wählen, mit dem PatientInnen und TherapeutInnen sich wohl fühlen und an diesem sensiblen Thema erfolgreich arbeiten können. Dr. Marianne Eberhard-Kaechele Mitherausgeberin „körper-- tanz-- bewegung“ Liebe Leserinnen und Leser,
