körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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Medien & Materialien: Deimel, H. / Thimme, T. (Hrsg.): Bewegungs- und Sporttherapie bei psychischen Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters Academia Verlag, 2016, Sankt Augustin, 282 Seiten, 24,50
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Thorsten Späker
Die Bewegungs- und Sporttherapie für Kinder und Jugendliche hat im klinischen Setting einen großen Stellenwert. Umso verwunderlicher ist, dass die Veröffentlichungslage zum Themengebiet dieser großen Bedeutung bisher kaum gerecht wird. Daher leistet dieses Buch einige Pionierarbeit. Die gewinnbringende Zusammenführung vielfältigster Perspektiven zur Theorie und Praxis körper- und bewegungsorientierter Angebote im psychiatrischen Kontext eröffnet einen wichtigen Schritt zur Professionalisierung von Sport- und BewegungstherapeutInnen. Den Herausgebern ist es gelungen, eine gut ausgewählte Mischung an Beiträgen zusammenzustellen[…]
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42 1 | 2018 Medien & Materialien Deimel, H./ Thimme, T. (Hrsg.): Bewegungs- und Sporttherapie bei psychischen Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters Academia Verlag, 2016, Sankt Augustin, 282 Seiten, 24,50 € (D) D ie Bewegungs- und Sporttherapie für Kinder und Jugendliche hat im klinischen Setting einen großen Stellenwert. Umso verwunderlicher ist, dass die Veröffentlichungslage zum Themengebiet dieser großen Bedeutung bisher kaum gerecht wird. Daher leistet dieses Buch einige Pionierarbeit. Die gewinnbringende Zusammenführung vielfältigster Perspektiven zur Theorie und Praxis körper- und bewegungsorientierter Angebote im psychiatrischen Kontext eröffnet einen wichtigen Schritt zur Professionalisierung von Sport- und BewegungstherapeutInnen. Den Herausgebern ist es gelungen, eine gut ausgewählte Mischung an Beiträgen zusammenzustellen. Im ersten Teil werden allgemeine Forschungsthemen der klinischen Bewegungstherapie vorgestellt. Besonders hervorzuheben ist hierbei der Grundlagenbeitrag von Hölter/ Cavaleiro, in dem der aktuelle Diskussionsstand und die wichtigsten offenen Forschungsfragen hervorgehoben werden. Im zweiten Teil werden sehr einträglich störungsspezifische Behandlungsansätze der häufigsten klinischen Krankheitsbilder im Kindes- und Jugendalter behandelt (z. B. Angst, ADHS, Störung des Sozialverhaltens, Essstörungen etc.). Der Leser erfährt hier jeweils sowohl etwas über das Krankheitsbild als auch über dessen aktuelle Studienlage und den daraus resultierenden spezifisch körper- und bewegungsorientierten Anwendungen. Einzig der Beitrag zur Depression im Jugendleistungssport passt nicht ganz in die Logik der Anwendung bewegungstherapeutischer Interventionen bei psychischen Erkrankungen, sondern fokussiert die psychische Erkrankung als Resultat intensiver leistungssportlicher Betätigung. Der dritte Teil des Buches beschäftigt sich mit spezifischen bewährten Methoden und Verfahren der klinischen Arbeit: Tanztherapie, Stockkampf, Entspannungsverfahren, Klettern, Bogenschießen und erlebnispädagogische Ansätze. Durch die theoriegeleitete Sichtweise auf diese Verfahren, in einer Mischung aus konzeptionellen Bausteinen und konkreten Fallbeispielen, wird ein sehr lebendiges Bild der funktionierenden Praxis vermittelt. Insgesamt regen die unterschiedlichen Blickwinkel der in diesem Buch vereinigten Beiträge, die auf einem Spektrum von funktional-kompetenzorientiert (z. B. Hochintensives Intervalltraining) bis themenorientiert-interpretierend (z. B. körperpsychotherapeutische Ansätze) reichen, zum Diskurs an. Im großen Feld der Sport- und Bewegungstherapie werden interdisziplinär sowohl die sportmedizinisch-trainingswissenschaftlichen als auch die psychodynamisch-therapeutischen Sichtweisen integriert. Inwieweit hier eine stärkere Differenzierung erfolgen sollte, ist sicher ein spannendes Diskussionsfeld für die Zukunft. Ein Anfang ist gemacht, der gelungene Überblick sowohl über die interdisziplinäre Forschung als auch die wirksame und vielfältige Praxis gebührt hohe Anerkennung. Das Buch gibt Anlass zur Hoffnung, den sport- und bewegungstherapeutischen Interventionen bei psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter die fundierte Anerkennung zukommen zu lassen, die ihnen gebührt. Dr. Thorsten Späker DOI 10.2378 / ktb2018.art05d
