körper tanz bewegung
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Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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DGIB-Tagung 2018
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Sonja Bumiller
Die Gruppenarbeit wird immer schwieriger. Das beklagen TherapeutInnen unterschiedlicher Provenienzen: verkürzte Aufenthaltszeiten, Zeitdruck, erhöhter Dokumentationsaufwand, hohe Heterogenität, schwere Krankheitsbilder und problematische Motivationslagen bei den PatientInnen. Wie gelingt Gruppenarbeit in solchen Zeiten? Muss sich Gruppenarbeit neu erfinden? Dies sind eine Reihe von Fragen, die die Tagungsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Integrative Leib- und Bewegungstherapie (DGIB) am 1. Dezember 2018 in Düsseldorf mit einem neuen Tagungsformat erörtern wollte: Polyloge in der Bewegungstherapie, eine interaktive Form eines Theorie-Praxis-Symposiums. Ziel war es dabei, die TagungsteilnehmerInnen aktiver in die Komplexität des Themas einzubinden und die Distanz zwischen ReferentenInnen und TeilnehmerInnen zu verringern – ein direkter Wissens- und Meinungsaustausch auf fachlichem Niveau in lebendiger Atmosphäre mit vielen Gelegenheiten für persönliche Gespräche. Der Polylog ist hierbei ein Gespräch zwischen mehreren Beteiligten.
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88 2 | 2019 Kongresse & Tagungen DGIB-Tagung 2018 Polyloge in der Bewegungstherapie: Herausforderungen, Chancen und Probleme der Körper- und Bewegungs(psycho)therapie in der modernen Gruppentherapie D ie Gruppenarbeit wird immer schwieriger. Das beklagen TherapeutInnen unterschiedlicher Provenienzen: verkürzte Aufenthaltszeiten, Zeitdruck, erhöhter Dokumentationsaufwand, hohe Heterogenität, schwere Krankheitsbilder und problematische Motivationslagen bei den PatientInnen. Wie gelingt Gruppenarbeit in solchen Zeiten? Muss sich Gruppenarbeit neu erfinden? Dies sind eine Reihe von Fragen, die die Tagungsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Integrative Leib- und Bewegungstherapie (DGIB) am 1. Dezember 2018 in Düsseldorf mit einem neuen Tagungsformat erörtern wollte: Polyloge in der Bewegungstherapie, eine interaktive Form eines Theorie-Praxis-Symposiums. Ziel war es dabei, die TagungsteilnehmerInnen aktiver in die Komplexität des Themas einzubinden und die Distanz zwischen ReferentenInnen und TeilnehmerInnen zu verringern-- ein direkter Wissens- und Meinungsaustausch auf fachlichem Niveau in lebendiger Atmosphäre mit vielen Gelegenheiten für persönliche Gespräche. Der Polylog ist hierbei ein Gespräch zwischen mehreren Beteiligten. Martin J. Waibel führte in das Tagungsthema ein. Er spannte einen großen evolutionsgeschichtlichen Bogen vom Auftreten der ersten Hominiden bis hin zum Homo sapiens, der vor 40 000 Jahren in den Höhlen der Schwäbischen Alb die ersten figürlichen Plastiken erfand und wie schon seine Artgenossen zuvor in Gruppen rund um das sozialisierte Feuer intensive Formen des gemeinsamen Austausches pflegte. Der erste Teil des polylogen Forums bestand aus drei fragmentarischen Impulsvorträgen zur Problematik von Gruppen und Gruppentherapie aus verschiedenen Perspektiven: Ingrid Braunbarth, IBT-Therapeutin, die seit über 20 Jahren an psychosomatisch-psychotherapeutischen Kliniken arbeitet, stellte die Probleme und Herausforderungen, aber auch Ressourcen betroffener GruppentherapeutInnen vor. Martin J. Waibel befasste sich mit dem Thema der Gruppentherapie aus Leitungs- und institutioneller Sicht. Er stellte Ergebnisse der klinischen Gruppentherapieforschung der letzten fünf Jahre vor. Erstaunlich für die TeilnehmerInnen hierbei war die Erkenntnis, dass viele häufig mit Menschen in Gruppen arbeiten, für die aus wissenschaftlicher Sicht nicht unbedingt gute Ergebnisse zu erwarten sind. Er widmete sich ebenso noch einem häufig vermiedenen Thema in der Gruppentherapie: dem Destruktiven in der Gruppe, das „Böse“ in Gruppen, wie es K. Antons nennt. Cornelia Jakob-Krieger sprach über die Besonderheiten einer für GruppentherapeutInnen angemessenen Supervision. Sie ging auf das besonders hohe Anforderungsprofil dieser Berufsgruppe ein und stellte anschaulich und an der klinischen Praxis orientiert eine methodische Herangehensweise der Integrativen Supervision vor. Destruktives und gruppenschädigendes Verhalten von PatientInnen, aber auch Überlastungen und nicht zu bewältigende Arbeitsanforderungen waren dann auch eines der ersten Themen im nachfolgenden „polylogischen Kreis“, in dem die TeilnehmerInnen einen intensiven Austausch pflegten. Dabei erwies sich die Form dieses Austausches als eine hervorragende Kommunikationsplattform für lebendige, kommunikative Begegnung. Die Workshops am Nachmittag befassten sich mit den besonderen Schwierigkeiten und Problemen der Gruppentherapie in den Bereichen „Psychosomatik/ Psychotherapie“, „Psychiatrie“ und „Sucht“. Das neue Tagungsformat war ein Experiment, Kongresse & Tagungen 2 | 2019 89 Forum HKIT 2018 Komm tanz mit mir K omm tanz mit mir-- unter diesem Motto trafen sich an einem sonnigen Wochenende im August 2018 zahlreiche Tanzpädagoginnen und Tanztherapeutinnen HKIT (Heilende Kräfte im Tanz) sowie Interessierte, Freunde und Laien zu einem abwechslungsreichen Programm in der Tanzheimat Inzmühlen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide. Gabriele Fischer, Begründerin der Methode HKIT, Elke Wagner, Institutsleiterin HKIT, und Stefka Weiland, Leitung Tanzheimat, hatten zu Tanzworkshops, Vorträgen, einem bunten Spielenachmittag und einem fröhlichen Tanzfest eingeladen. Das diesjährige Forum drehte sich um das Thema „Spiel und Tanz“ und war von den Organisatorinnen als Fachtagung konzipiert. Auftakt bildete ein tanztherapeutischer Workshop in der Therme Soltau, in dem Techniken und Methoden der Bewegungs- und Tanzarbeit im warmen Thermalwasser vermittelt wurden. Tags darauf starteten die Vorträge, die sich unterschiedlichen Facetten der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an der Schnittstelle von Motorik, Körpergefühl, Tanz, Naturerlebnis, Sprach- und kognitiver Entwicklung beschäftigten. Eingebettet in die Fachtagung fand auch die Präsentation der Abschlussarbeiten statt, die sich ebenfalls dem Spiel und Tanz widmeten, aber auch der Prävention von Essstörungen bei jungen Mädchen. Alle Abschlussarbeiten sind, wie auch die Arbeiten der letzten 15 Jahre, in der Bibliothek der Tanzheimat Inzmühlen öffentlich einsehbar. Der Samstag stand ganz im Zeichen von Spiel, Freude und Tanz und dem 20-jährigen Jubiläum der Tanzheimat Inzmühlen. Neben geladenen Gästen aus der Stadtverwaltung, ehemaligen Absolventinnen und Freundinnen der HKIT kamen auch viele Familien mit ihren Kindern auf das großzügige Anwesen, um an den „Inzmühlener Wasserspielen“ teilzunehmen. Das Oldenburger Spielmobil war auf der großen Wiese zu Gast mit Spielespaß für alle im Alter von 3 bis 100 Jahren. Abends dann sorgte Stefka Weiland mit ihrer Tanz-Party „Komm tanz mit mir“ für ausgelassene Stimmung. Sonntags fand die Mitgliederversammlung des Berufsverbandes DHKIT statt. Großes das die Tagungsgruppe der DGIB hier in Düsseldorf erstmalig ausprobierte. Die positive Resonanz der Beteiligten setzte ein Zeichen dafür, dies neben der großen Tagung der DGIB abwechslungsweise in Zukunft in zweijährigem Rhythmus zu wiederholen. Das nächste Tagungsthema der DGIB wird in 2019 voraussichtlich „Integrative Bewegungstherapie und die therapeutische Arbeit in der Natur“ sein. Sonja Bumiller Abb. 1: Wasser-Tanztherapie-Workshop von C. Benhöfer-Buhr Foto: Bettina Wahl, Ludwigsburg
