körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/ktb2022.art21d
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Fachbeitrag: Körperpsychotherapie und Entfremdung
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Manfred Thielen
Die Bedeutung der gesellschaftlichen und individuellen Entfremdung für die körperpsychotherapeutische Praxis wird analysiert. Ausgehend von der Marx’schen Analyse von vier Arten der Entfremdung gesellschaftlicher und individueller Art beschreibe ich drei weitere Formen: 1. Missachtung und Exklusion, 2. Selbstoptimierung und 3. Entfremdung von den Gefühlen. Unter Einbezug der Geschichte der Körperpsychotherapie, vor allem der Arbeit von W. Reich sowie der neuen wissenschaftlichen Entwicklungen der prä-, peri- und postnatalen Psychologie/Psychotherapie, der Säuglingsforschung und der körperpsychotherapeutischen Baby-Eltern-Therapie, beschreibe ich meine körperpsychotherapeutische Vorgehensweise zur Bearbeitung der individuellen Entfremdung von abgespaltenen, verdrängten und vermiedenen Gefühlen mit dem Ziel einer angemessen Affekt- und Gefühlsregulation der PatientInnen.
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Fachbeitrag 130 körper-- tanz-- bewegung 10. Jg., S. 130-144 (2022) DOI 10.2378/ ktb2022.art21d © Ernst Reinhardt Verlag Körperpsychotherapie und Entfremdung Über die Zunahme psychischer Erkrankung vor allem durch den Arbeitsalltag Manfred Thielen Die Bedeutung der gesellschaftlichen und individuellen Entfremdung für die körperpsychotherapeutische Praxis wird analysiert. Ausgehend von der Marx’schen Analyse von vier Arten der Entfremdung gesellschaftlicher und individueller Art beschreibe ich drei weitere Formen: 1. Missachtung und Exklusion, 2. Selbstoptimierung und 3. Entfremdung von den Gefühlen. Unter Einbezug der Geschichte der Körperpsychotherapie, vor allem der Arbeit von W. Reich sowie der neuen wissenschaftlichen Entwicklungen der prä-, peri- und postnatalen Psychologie / Psychotherapie, der Säuglingsforschung und der körperpsychotherapeutischen Baby-Eltern-Therapie, beschreibe ich meine körperpsychotherapeutische Vorgehensweise zur Bearbeitung der individuellen Entfremdung von abgespaltenen, verdrängten und vermiedenen Gefühlen mit dem Ziel einer angemessen Affekt- und Gefühlsregulation der PatientInnen. Schlüsselbegriffe Entfremdung, Selbstoptimierung, Säuglingsforschung, Körperpsychotherapie, Affekt- und Gefühlsregulation Body Psychotherapy and Alienation. About the Increase in Mental Illness, in particular through everyday work The significance of societal and individual alienation for body psychotherapeutic practice is analyzed. On the basis of Marx’s analysis of four types of social and individual alienation, I describe three further types: 1. disregard and exclusion, 2. self-optimization and 3. alienation from feelings. Taking into account the history of body psychotherapy, especially the work of W.-Reich and the new scientific developments in pre-, periand postnatal psychology / psychotherapy, infant research and body psychotherapeutic baby-parent therapy, I describe my body psychotherapeutic approach to processing the individual alienation of split off, repressed and avoided feelings with the aim of an appropriate affect and emotional regulation of the patients. Key words alienation, self-optimization, infant research, body psychotherapy, affect and emotion regulation Körperpsychotherapie und Entfremdung 4 | 2022 131 D urch die Corona-Pandemie hat der Bedarf an Psychotherapie in Deutschland deutlich zugenommen. Insbesondere im Kinder- und Jugendlichenbereich ist der Bedarf weiter gestiegen. Auch im Erwachsenenbereich sieht es ähnlich aus, und die PsychotherapeutInnen haben eine Wartezeit von 3 bis 9 Monaten (BPtK 2021). Der Angriffskrieg von Putins Truppen auf die Ukraine hat den Bedarf noch weiter anwachsen lassen, weil viele Menschen Angst haben, dass der Krieg in indirekter und direkter Form sich auch auf die deutsche Lebenssituation auswirken könnte. Pandemie und Ukraine-Krieg haben den Bedarf an Psychotherapie zusätzlich erhöht, doch eine entscheidende Rolle spielen die Arbeitsverhältnisse und -bedingungen, wie auch die stetige Zunahme von Arbeitsausfalltagen mit psychischen Begründungen deutlich macht. Die Arbeitsausfalltage mit psychischer Begründung sind in den letzten Jahren deutlich und z. T. sprunghaft gestiegen. Im TK-Report von 2021 heißt es hierzu (TK 2021, 13): „Den Diagnosen aus dem Kapitel ‚Psychische und Verhaltensstörungen‘ ließen sich nach Auswertungen von TK-Daten im Jahr 2020 mit einem Anteil von 19,77 Prozent am diagnoseübergreifend ermittelten Krankenstand wie schon 2019 anteilig die meisten Fehlzeiten zuordnen. Für den Krankenstand relevant sind aus diesem Kapitel insbesondere Diagnosen von Depressionen (ICD-10: F32, F33) sowie Reaktionen auf schwere Belastungen (ICD-10: F43). Frauen waren erheblich häufiger als Männer betroffen. Auffällig erscheinen die bereits Anfang des Jahres 2020 merklich höheren Krankenstände im Vergleich zu den beiden Vorjahren. Innerhalb der ersten bis achten KW lagen die Krankenstände 2020 um durchschnittlich 8,0 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.“ Diese Entwicklung ist nicht nur auf das hochindustrialisierte Deutschland beschränkt. Nach der umfassendsten Studie zu psychischen Störungen in der EU (Wittchen et. al. 2011) haben ca. 40 % der EU-Bevölkerung jährlich mindestens eine psychische Störung. Die Arbeit und die Arbeitsbedingungen in der hochentwickelten kapitalistischen Gesellschaft spielen offensichtlich eine wichtige Rolle bei der Entwicklung psychischer Störungen. Durch die immer weitergehende technische Entwicklung und die Verdichtung des Arbeitsprozesses, die immer weiter zunehmende Arbeitsteilung und den dadurch potenzierten Stress, der auch mit der Angst um den Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes verbunden sein kann, melden sich offensichtlich immer mehr Menschen krank. Warum das so ist, ist natürlich die entscheidende Frage. Bei ihrer Beantwortung spielt die erlebte Entfremdung eine entscheidende Rolle. Dabei muss zwischen gesellschaftlichen und individuellen Entfremdungsarten differenziert werden. Auch wenn vom Erscheinungsbild die postmoderne, neoliberale Gesellschaft mit der von vor über 150 Jahren, zu Lebzeiten von Karl Marx, kaum Gemeinsamkeiten aufzuweisen scheint, gibt es doch eine grundlegende Gemeinsamkeit: Es handelt sich heute wie damals um eine kapitalistische Gesellschaft, die auf dem Privateigentum von Produktionsmitteln aufbaut. Bereits der Begründer der Körperpsychotherapie Wilhelm Reich (1897-1957) hat in den 1920er und 1930er Jahren Marxismus und Psychoanalyse und später seine Vegetotherapie miteinander verbunden. Er war bis 1934 sowohl Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) als auch der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Aus der KPD wurde er wegen seiner undogmatischen und psychodynamischen „Massenpsychologie des Faschismus“ (2000, Original von 1933) ausgeschlossen und 1934 faktisch aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Ein entscheidender Punkt dabei war, dass Reich einer der ganz wenigen Psychoanalytiker war, der den Faschismus offensiv und öffentlich attackiert hatte. Reich hat bereits damals zwischen der ge- 132 4 | 2022 Manfred Thielen sellschaftlichen und der individuellen Entfremdung unterschieden und wollte sie zunächst in der sozialistischen / kommunistischen Gesellschaft und später in der Arbeitsdemokratie aufheben. An diese reichianische Tradition knüpfe ich bewusst an und bin der Überzeugung, dass die Überwindung der gesellschaftlichen Entfremdung mit gesellschaftlichen und politischen Mitteln erfolgen muss, während die individuelle Entfremdung mit Hilfe der Körperpsychotherapie überwunden werden kann. Diese wesentliche Unterscheidung zeigt auch die Grenzen individueller Psychotherapie und natürlich auch der Körperpsychotherapie auf, da sie nicht in der Lage sein können, die gesellschaftliche Entfremdung, die aber eine wichtige Quelle des psychischen Leids ist, aufzuheben. Bereits in meiner Dissertation „Sowjetische Psychologie und Marxismus. Geschichte und Kritik“ (Thielen 1984) habe ich mich aus marxistischer Sicht kritisch mit den wichtigsten Vertretern der sowjetischen Psychologie, Wygotski, Rubinstein und Leontjew, beschäftigt. Sie bildeten gleichzeitig eine wesentliche Grundlage der „Kritischen Psychologie“ von Klaus Holzkamp (1972), die er als marxistische Psychologie konzipiert hat und bei dem ich in den 1970er Jahren studiert habe. Damals wie heute vertrete ich erkenntnistheoretisch eine moderne Form des dialektisch-historischen Materialismus (Thielen 1984). Entfremdung Obwohl Marx und der Marxismus für manche als veraltet gelten, ist Marx’ Analyse nach wie vor grundlegend. Er unterschied vier Arten der Entfremdung (1974, 595 f ): 1. Entfremdung vom Produkt der Arbeit 2. Entfremdung von der Tätigkeit des Arbeitsprozesses 3. Entfremdung vom menschlichen Gattungswesen 4. Entfremdung von den anderen Menschen Entfremdung vom Produkt der Arbeit Den Produzenten gehören nicht die Produktionsmittel (Pm), sondern einem Fremden, dem Unternehmer / Kapitalisten. Das Produkt, das sie produzieren, gehört von daher ebenfalls nicht ihnen, sondern dem Eigner der Pm. Das Arbeitsprodukt tritt dem Arbeiter/ Produzenten als fremdes Wesen und unabhängige Macht gegenüber. Entfremdung von der Tätigkeit des Arbeitsprozesses Die Arbeitstätigkeit ist eine fremde, dem Arbeiter / Produzenten nicht angehörige Tätigkeit. Die Arbeitstätigkeit führt nicht zur direkten Bedürfnisbefriedigung des Arbeiters / Produzenten, sondern dient als Mittel, um Bedürfnisse außerhalb von ihr zu befriedigen. Z. B. arbeitet eine Person in der Autoproduktion und kann ihre Bedürfnisse (Essen, Trinken, Bedürfnisse sexueller, kultureller Art u. a.) nicht mit dem produzierten Produkt, dem Auto, befriedigen, sondern muss sie über den Lohn, das dabei verdiente Geld, befriedigen. Zudem analysierte Karl Marx schon im 19. Jahrhundert eine „zunehmende Verdichtung“ der Arbeit. Die ArbeiterInnen in der industriellen Produktion wurden historisch gesehen immer mehr zu einem Teil der Maschine. Der moderne Arbeitsprozess ist zunehmend verdichtet und rationalisiert worden. Die ArbeiterInnen / Angestellten können ihren Arbeitsprozess nicht selbst und frei bestimmen. Entfremdung vom menschlichen Gattungswesen Was ist der menschliche Gattungscharakter? „Die freie, bewusste Tätigkeit ist der Gattungscharakter des Menschen.“ (Marx 1974, 157) Die entfremdete Arbeit entfremdet dem Menschen die Gattung, indem sie ihm „das Gat- Körperpsychotherapie und Entfremdung 4 | 2022 133 tungsleben zum Mittel des individuellen Lebens“ (Marx 1974, 157) macht, ihn also aufs Überleben reduziert, indem sie ihm die wesensmäßig angelegten Möglichkeiten zu einer bewussten, praktischen und solidarischen Selbstverwirklichung nimmt. Entfremdung von den anderen Menschen Eine unmittelbare Konsequenz aus der Entfremdung von Arbeitsprodukt, Tätigkeit und dem menschlichen Wesen ist die Entfremdung des Menschen von dem Menschen. Die Produktion ist profitorientiert, und dies prägt auch die Beziehungen untereinander. Die Arbeitskraft soll möglichst maximal ausgebeutet werden. Durch Hierarchisierungen, Bonussysteme, Privilegien u. a. wird die Konkurrenz unter den Arbeitenden verursacht und verschärft und ihre Solidarität unterminiert. Weitere Formen der Entfremdung Eine fünfte Form der Entfremdung, die Marx noch nicht benannt hatte, ist die Erfahrung der Missachtung und der Exklusion (Jaeggi 2013, 9 ff ). Menschen, die z. B. arbeitslos sind, erleben häufig einen Verlust an Achtung und Selbstachtung. Für viele ist Arbeit einerseits identitätsstiftend, aber andererseits entfremdet. Auch die kapitalistische Produktion ist dialektisch zu betrachten, denn sie produziert einerseits gesellschaftlich nützliche und notwendige Gebrauchswerte (Lebensmittel, Kleidung, Maschinen, technische Geräte, Fortbewegungsmittel etc.), doch andererseits unter kapitalistischen Eigentums- / Produktionsverhältnissen. Die gesellschaftlich nützliche Seite der Produktion kann für die ProduzentInnen eine sinnstiftende Funktion haben, doch die Eigentumsverhältnisse führen zur Entfremdung. Allerdings kann auch entfremdete Arbeit subjektiv Achtung durch andere vermitteln und die Selbstachtung erhöhen. Viele arbeitslose Menschen fühlen sich sinnentleert, ihnen fehlt Bestätigung und Beachtung durch die Arbeit, besonders aber durch ihre ArbeitskollegInnen. Sie fühlen sich in ihrem Wert und Selbstwert durch die Arbeitslosigkeit gesellschaftlich missachtet und ausgeschlossen. Zudem fühlen sie sich nicht in der Lage, ihr Leben eigenständig durch ihre eigene Arbeit zu finanzieren, sondern sind abhängig von der Unterstützung durch den Staat. Ihnen fehlt auf der interpersonellen Ebene die Kommunikation mit ihren ArbeitskollegInnen. Sie fühlen sich häufig als Menschen zweiter Klasse. Aus meiner Sicht gibt es auch noch weitere Formen der Entfremdung. Im neoliberalen, narzisstischen Zeitalter spielt die „Selbstoptimierung“, insbesondere bei der jüngeren Generation, eine immer größere Rolle. Es herrscht ein Perfektionsstreben im Aussehen („perfekter“ Körper), in der beruflichen Tätigkeit, in der Freizeit und in den Beziehungen vor. Alles muss „optimal“ sein, man muss etwas Besonderes darstellen, sich von den anderen abgrenzen bzw. sich über sie stellen (Thielen 2002, 7 ff, 2006, 749-758). Um die Selbstoptimierung zu erhöhen, gibt es eine ganze Batterie von Techniken: Apps, optimal gesunde Ernährung, Sport, Fitness, Yoga u. a. Die Kehrseite der Selbstoptimierung ist häufig das Burn-out, es ist der andere Pol der Selbstoptimierung. Das Burn-out ist zu einem Modebegriff geworden, der inflationär gebraucht wird. Doch tatsächlich hat das Phänomen des Burn-outs deutlich zugenommen, denn dem permanenten Stress der ständigen Selbstoptimierung können nur die Robustesten standhalten. Es wird nach dem optimalen Imago, nach dem perfekten Bild von sich selbst, gestrebt und Authentizität, die dialektische Anerkennung der eigenen Widersprüchlichkeit, spielt keine Rolle. Auch die „selbstoptimierte“ MitarbeiterIn, z. B. in einem Start-up-Unternehmen, kann sich subjektiv relativ wohlfühlen, doch vermehrt sie objektiv den Gewinn des Besitzers. Subjektiv kann sie sogar das Gefühl haben, zeitweise im „Flow“ zu sein, sich selbst zu „verwirklichen“. Doch auch die beste „Selbstoptimierungsperformance“ am Arbeitsplatz ändert nichts an den 134 4 | 2022 Manfred Thielen Eigentumsverhältnissen. Das heißt, derjenige, der ökonomisch profitiert, ist, wie zu Marxens Zeiten, der Eigentümer. Daher kann die moderne Selbstoptimierung als 6. Form der Entfremdung gekennzeichnet werden. Ist er allerdings selbst der Eigentümer oder Teil einer Eigentümergenossenschaft oder -gemeinschaft, dann hat er das Privileg, nicht der Entfremdung durch die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse zu unterliegen. Andererseits muss er sich aber mit den kapitalistischen Markt- und Konkurrenzgesetzen auseinandersetzen. Psychische Entfremdung-- Entfremdung von den Gefühlen-- 7. Form der Entfremdung Der Übergang von der ökonomisch bedingten Entfremdung zur psychischen Entfremdung zeigt sich im emotionalen Bereich. Psychische Entfremdung im engeren Sinne heißt: Entfremdung von den Gefühlen, Emotionen und Empfindungen und damit vom Körper. In der Geschichte der Psychotherapie ging Wilhelm Reich vom marxistischen Entfremdungsbegriff aus und konkretisierte ihn auf die psychosomatische Ebene. Der Vollständigkeit halber soll auch die Gymnastiklehrerin Elsa Gindler (Weaver 2006, 33 ff ) erwähnt werden, die vor allem die wahrnehmungsbezogenen Richtungen der Körperpsychotherapie beeinflusst hat. Sie hatte allerdings keinen psychotherapeutischen Anspruch. In seinem Hauptwerk „Charakteranalyse“ (Reich 1989), das 1933 zum ersten Mal erschienen ist, hat er die verschiedenen Charakterstrukturen als unterschiedliche Formen der Gefühlsabwehr analysiert. Die charakterliche Schutzschicht hat er auch Charakterpanzer genannt. 1934 machte Reich die geniale Entdeckung vom „Muskelpanzer“, durch den unangenehme Gefühle auch auf der körperlichen Ebene abgespalten, verdrängt und unterdrückt werden können. Zum Beispiel machen sich Kinder, die geschlagen werden, muskulär bretthart und atmen flach, um ihre Gefühle zurückzuhalten. Sie versuchen hiermit, nichts mehr zu spüren, um dem Schlagenden, in der Regel einem Elternteil, nicht ihre Gefühle der Wut, des Schmerzes, der Trauer u. a. zu zeigen. Doch die Abspaltung oder Verdrängung der Gefühle zeigt sich nicht nur auf der psychischen und muskulären, sondern auch auf der vegetativen Ebene, z. B. durch Herzfrequenzveränderungen, Blutdruck, Atmung, Noradrenalinspiegel, Reaktion der Verdauungsorgane, Stoffwechselveränderungen und hormonelle Prozesse. Gerda Boyesen (1922-2005), die Begründerin der Biodynamischen Psychologie / Psychotherapie, hat in besonderer Weise die Psychoperistaltik untersucht und sprach auch von einem Gewebepanzer (Boyesen 1987). Der gepanzerte Mensch nach Reich war der entfremdete Mensch, der aufgrund seiner Sozialisation dazu geworden war, er war geprägt durch die gesellschaftlichen Verhältnisse, die familiäre Erziehung, durch Kindergarten, Schule, Berufsausbildung, Studium, Berufstätigkeit. Nach Reichs 3-Schichten-Modell der Persönlichkeit mit der ersten, der fassadären Schicht, der Mittelschicht der unterdrückten und verdrängten Primärgefühle und der genitalen, dritten Schicht, die durch die Bedürfnisse, insbesondere libidinöser und sexueller Art, gekennzeichnet ist (Boadella 1983, 47), war das Ziel der Therapie, die Verbindung der Patient- Innen zu ihrem genitalen Charakter wiederherzustellen. In einer seiner Spätschriften „Christusmord“ von 1953 (Reich 1997, 82 ff ) führte er als Kern der Persönlichkeit die „gute Natur“ des Menschen ein, d. h. seine Fähigkeit zur Selbst- und zur Fremdliebe. Dieser Kern sollte mit Hilfe der Vegetotherapie und später Orgontherapie freigelegt werden. Für diesen Kern wird häufig auch der Begriff „wahres Selbst“ gebraucht. Dieser Begriff ist nicht unumstritten, passender findet Geuter (2015, 147) den Begriff „stimmiges“ oder „integriertes Selbst“, nach dem körperliche und sprachliche Repräsentationen kongruent sind. Dieser Begrifflichkeit kann ich mich weitgehend anschließen. Körperpsychotherapie und Entfremdung 4 | 2022 135 Reich war auch einer der Begründer des Freudomarxismus, in dem Marxismus und Psychoanalyse dialektisch miteinander verbunden wurden. Ausdruck davon war seine bis heute beeindruckende Schrift „Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse“ (Reich 1970, 137-188), die 1930 zum ersten Mal erschien. Reich hatte 1929 die Sowjetunion bereist und sich aktiv an der Diskussion um die Einschätzung der Psychoanalyse beteiligt, sie wurde von einer Reihe von führenden sowjetischen Psychologen als bürgerlich und deshalb abzulehnen kritisiert (Thielen 1984, 59-62). U. a. kam er zu dem Ergebnis: „Die Psychoanalyse bestätige die Aussage von Marx, dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimme, denn beispielweise sei die Bildung des Über-Ichs Resultat des Widerspruchs zwischen den Triebbedürfnissen und den Anforderungen der gesellschaftlichen Außenwelt, also ein primär gesellschaftliches Produkt.“ (Thielen 1984, 60) Als Gegenpol zur Entfremdung hat er die Begriffe Vitalität, Strömen und ozeanische Gefühle angeführt. Er hat sie folgendermaßen beschrieben: Vitalität: mit sich, seinem Körper, seinen Empfindungen, seinen Affekten und Gefühlen im Kontakt und in der Lage sein, sie auszudrücken. Dialektik von Psyche und Körper. Strömen: Strömen im Körper, Libidofluss- - höchstes Stadium, Strömen im oder nach dem Orgasmusreflex, orgonotisches Strömen. Ozeanische Gefühle: sich eins fühlen mit seinen Empfindungen, seinen Gefühlen, seinem Körper, mit der Natur, mit dem Kosmos, mit dem ganzen Universum. Sie sind die Grundlage religiöser Gefühle (Reich 1984, 87-88). Reich hat viele PatientInnen vor allem mit Hilfe der natürlichen Atmung und weiteren vegetotherapeutischen Techniken zum „Orgasmusreflex“ geführt. Dabei ging es mittels der vertieften Atmung und entsprechender Beckenbewegungen darum, die PatientInnen in einen flowartigen Zustand, zu einem unabhängigen Wohlfühlen zu bringen, natürlich unter Beachtung der Abstinenzregeln. Sein Ziel war es, die Liebes- und Arbeitsfähigkeit und einen ungepanzerten Zustand der PatientInnen herzustellen. Die individuelle Entfremdung sollte-- soweit dies im Rahmen einer kapitalistischen Gesellschaft möglich ist- - aufgehoben werden. In der Zeit seiner Vegetotherapie (1934- 1948) hat er auch weiterhin charakteranalytisch gearbeitet und deshalb die Biografie und die Beziehung zu den Eltern bzw. Introjekten und Übertragung und Gegenübertragung systematisch durchgearbeitet (u. a. Büntig 2006, 41-60). Körperpsychotherapeutische Arbeit an der individuellen Entfremdung Die gesellschaftliche Entfremdung aufgrund des Privateigentums an Produktionsmitteln ist nur durch die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Aufhebung des Privateigentums in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft aufhebbar. Durch Reformprojekte wie die Demokratisierung und Humanisierung der Arbeit, alternative Produktions- und Lebensgemeinschaften u. a. (Welzer 2020) kann die gesellschaftliche Entfremdung für bestimmte Bereiche und Nischenkulturen allerdings abgeschwächt und partiell aufgehoben werden. Die gesellschaftliche Verantwortung von Psychologie und Psychotherapie zeigt sich angesichts der drohenden Klimakatastrophe auch in sehr unterstützungswürdigen Organisationsformen wie „psychologists for future“. Doch die Aufhebung der Entfremdung von den Gefühlen bzw. von bestimmten aversiven Gefühlen, z. B. Wut, Trauer, Schmerz, Ekel, die häufig mit einer Entfremdung vom Körper verbunden sind, ist ein zentrales Anliegen von Psychotherapie und speziell auch der Körperpsychotherapie und durchaus auch in dieser Gesellschaft realisierbar. Die individuellen Entfremdungsformen können mittels Psychothera- 136 4 | 2022 Manfred Thielen pie und besonders Körperpsychotherapie einerseits bewusst gemacht und andererseits auch überwunden werden. Nach meiner klinischen Erfahrung engagieren sich z. B. viele aktuelle und ehemalige PatientInnen gegen die gesellschaftliche Entfremdung und aktuell besonders gegen die Klimakatastrophe, die ja lediglich den Ausdruck des kapitalistischen Umgangs mit der Natur und den Ressourcen mit dem Ziel der Ausbeutung zwecks Gewinnmaximierung widerspiegelt. Reich als Vorläufer der Humanistischen Psychotherapie Seit Reichs Tod sind über 60 Jahre vergangen, und die Körperpsychotherapie hat sich seitdem qualitativ weiterentwickelt. Reich kann aber bereits als einer der Vorläufer der Humanistischen Psychologie und Psychotherapie gesehen werden (Johach 2009, 159-193; Thielen 2014, 135-147, 2018, 70-72). Ich habe seine diesbezügliche Rolle an vier hauptsächlichen Punkten deutlich gemacht: Reichs Menschenbild in seinen Spätschriften ging in eine humanistische Richtung. Wie bereits erwähnt, ging Reich in „Christusmord“ von der „guten Natur“ des Menschen als Fähigkeit zur „hingebungsvollen Liebe“ (Reich 1997, 82 ff ) aus. Damit ging er deutlich über das triebtheoretisch begründete und pessimistische Menschenbild Freuds hinaus, für den der Widerspruch zwischen Triebstruktur und Gesellschaft nur dadurch lösbar wurde, indem das Ich die Es-Bedürfnisse kontrollieren sollte. „Wo Es war, soll Ich werden“, war Freuds Leitdevise, bei Reich hieß es genau umgekehrt: „Wo Ich war, soll Es werden“. Einer der wichtigsten Begründer der Humanistischen Psychologie, Maslow (2010), ging ebenfalls vom „Guten“ im Menschen aus, vor allem sah er dessen Kerneigenschaft in der Fähigkeit zur Selbstaktualisierung und Selbstverwirklichung angelegt. Auch beim Punkt der therapeutischen Beziehung hatte Reich bereits erstaunliche Erkenntnisse gewonnen. In den Summer Lectures in Orgonon (1948-1950) sprach er 1949 von vier Ebenen der Beziehung. An erster Stelle nennt er die „menschliche Beziehung“ zwischen TherapeutIn und PatientIn, an zweiter Stelle die Übertragung, an dritter Stelle die mystische Erwartung und zuletzt die sexuelle Anziehung. Diese Priorisierung weist ebenfalls in eine humanistische Richtung (Reich 1949, 6). Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Selbstregulation, die innerhalb der Humanistischen Psychotherapie ein zentrales Konzept ist. Bereits 1927 sprach er von „Selbststeuerung“ als Vorläufer von „Selbstregulation“ (Reich 1985). Selbststeuerung bedeutet freier Fluss der Energie, speziell der sexuellen, im Individuum und interaktiver Fluss, der sich in der gemeinsamen Sexualität ausdrückt. Selbststeuerung heißt auch, sich mit dem Außen, mit der Gesellschaft und ihrer Moral auseinanderzusetzen. Der Widerspruch zwischen Moral und natürlichem Bedürfnis, vor allem sexuellem, wurde durch die Selbststeuerung aufgehoben. Wenn Sexualität aus moralischen Gründen (z. B. vor der Ehe) versagt bleibt, dann führt die Selbststeuerung nach Reich dazu, dass ein neues Objekt (PartnerIn) gesucht wird. Die Selbststeuerung (Natur) setzt sich dann gegen die lustfeindliche Moral (Gesellschaft, Über-Ich) durch. Auch 1949 im Rahmen der Summer Lectures in Orgonon wurde ausführlich über Selbstregulation, insbesondere der Kinder, gesprochen. Das Kind reguliert seine biologischen und sexuellen Funktionen selbst. Die Art und Weise, wie das Kind heranwächst, bestimmt seine spätere Charakterstruktur (Cott et al. 1949). Helmut Johach, ein Anhänger der Philosophie und Psychologie Erich Fromms, ist der einzige Autor, den ich bei meinen Recherchen entdeckt habe, der Reich auch zu einem der Vorläufer der Humanistischen Psychologie zählt. In „Von Freud zur Humanistischen Psychologie. Therapeutisch-biographische Profile“ (Johach 2009) betont er neben Reichs Ablehnung des Freud’schen Todestriebs vor allem seine Abgrenzung von der Psychoanalyse bereits in seiner Behand- Körperpsychotherapie und Entfremdung 4 | 2022 137 lungspraxis in der Zeit seiner charakteranalytischen Arbeit. In „Charakteranalyse“ kritisiert Reich das psychoanalytische Vorgehen, wie Johach verdeutlicht: „Damit kritisiert Reich ein seiner Meinung nach allzu vorsichtiges, auf Deutung sprachlicher Inhalte sich beschränkendes Verhalten, bei dem wenig darauf geachtet wird, was sich im ‚Hier und Jetzt‘-- wie es später in der Humanistischen Psychologie heißen wird -, d. h. im aktuellen Kontakt zwischen Analytiker und Analysand abspielt.“ (Johach 2009, 177) Seit den 1960er Jahren hat die Humanistische Psychotherapie auch die Körperpsychotherapie, vor allem behandlungspraktisch, beeinflusst. Auch die neuen Erkenntnisse der prä-, peri- und postnatalen Psychologie / Psychotherapie, vor allem aber der Säuglings-, auch der Bindungs-, Embodiment-, Enactmentforschung und der Neurowissenschaften wurden zunehmend in die Körperpsychotherapie integriert. Sie spielen auch für die Entfremdung und ihre therapeutische Bearbeitung eine wichtige Rolle, deshalb sollen wichtige Aspekte aus diesen Forschungen zusammengefasst werden. Affekt-motorische Schemata und Mikropraktiken In der Körperpsychotherapie hat George Downing (1996) als einer der ersten die Verbindung zur Säuglingsforschung hergestellt. In der Folge haben weitere AutorInnen (Downing 2006; Trautmann-Voigt/ Voigt 1996, 2002; Geißler 1996 / 1997, 2007, 2010; Heisterkamp 2002; Harms 2000, 2008; Thielen 2002, 2006, 2007, 2010, 2013, 2014, 2018; Geuter 2015, 2018, 2019, u. a.) diese Integration vorgenommen. Downing hat den Begriff der „affekt-motorischen Schemata“ in die Körperpsychotherapie eingeführt (Downing 1996, 130 ff ). Ein Beispiel für ein affekt-motorisches Schema ist das Ausgreifen-- motorische Aktivität-- des Babys zu seiner Mutter mit Freude- - Affekt. Wenn die Mutter das Ausgreifen ihres Kindes liebevoll beantwortet, indem sie es auf den Arm nimmt, mit ihm schmust oder spielt, wird die Verbindung von Ausgreifen und Freude verstärkt und interiorisiert. Wenn aber die Mutter, weil sie z. B. eine depressive Stimmung hat, das Ausgreifen ihres Babys nicht oder sogar ablehnend beantwortet, indem sie ihr Kind liegen lässt, nicht hochnimmt, keinen Körperkontakt zu ihm herstellt, dann verändert sich der Affekt, wenn diese Frustration häufiger bzw. über einen längeren Zeitraum erfolgt. Ebenso passt sich das affekt-motorische Schema an, indem das Ausgreifen mit Enttäuschung bzw. Enttäuschungsärger verbunden wird. Das Baby wiederum reagiert auf diese- - aus seiner Sicht-- Fehlabstimmung (misattunement) und entwickelt Mikropraktiken, d. h. Strategien im Umgang mit den Interaktionen seiner Eltern, die sich natürlich auch auf die gelungenen affect attunements (Stern 1992, 198 ff ) beziehen können. Mikropraktiken sind Kompetenzen eigener Art, verkörperte Fertigkeiten. Sie stehen für das, was gelegentlich als prozedurales oder implizites Wissen bezeichnet wird, ein „Wissen-Wie“ im Unterschied zu einem „Wissen-Dass“. Wenn eine Mutter, z. B. eine schizophrene, permanent die Grenzen des Säuglings verletzt, dann zeigt sich sein Grundmisstrauen auch körperlich, indem er seinen Kopf wegdreht, wenn zunächst die Mutter und später auch andere Personen in sein Gesichtsfeld treten. Denn das Baby hat aufgrund seiner Erfahrungen eine Hab-Acht-Stellung entwickelt und schützt sich vor Grenzverletzung durch eine Schutzreaktion, nämlich z. B. damit, den Kopf wegzudrehen. Sein Grundmisstrauen zeigt sich also auch körperlich als Mikropraktik. Der Säugling verinnerlicht die Interaktionen und das affect attunement mit seinen primären Bezugspersonen mit Hilfe affektmotorischer Schemata und Mikropraktiken. Die Erziehung beginnt also bereits mit dem ersten Tag, an dem das Kind auf der Welt ist, aber auch bereits in der Schwangerschaft finden rudimentäre elterliche und damit auch gesellschaftliche Prägungen statt. 138 4 | 2022 Manfred Thielen Wenn nun die Eltern selbst von bestimmten Gefühlen entfremdet sind und z. B. aversive Gefühle wie Trauer, Ärger, Wut, Zorn oder auch Schmerz nicht zulassen, werden sie diese natürlichen Gefühlsäußerungen auch beim Baby entsprechend unterdrücken, negativ bewerten oder versuchen, sie zu ignorieren bzw. wegzumachen. Das Baby kann seine affektiven Zyklen dann nicht schließen, und es entwickelt u. U. bereits psychosomatische Symptome. Und es eignet sich eine Affekt- und Emotionsregulation an, die entfremdete Anteile enthält. Die konkrete körperpsychotherapeutische Arbeit mit der Entfremdung von den bzw. bestimmten Gefühlen Innerhalb der Körperpsychotherapie gibt es zwei unterschiedliche Hauptrichtungen: eine, die mehr tiefenpsychologisch fundiert ist, und die andere, die mehr humanistisch orientiert ist. Berufspolitisch hat sich der Berufsverband der KörperpsychotherapeutInnen, die Deutsche Gesellschaft für Körperpsychotherapie (DGK), seit 2010 in der Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT), zu der die Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie, Körperpsychotherapie, Psychodrama, Transaktionsanalyse, Existenzanalyse / Logotherapie gehören, verortet (www.aghpt.de). Die humanistische, erlebniszentrierte Orientierung wird vor allem von Eberwein und Thielen (2014, 2019; Thielen 2018) und Geuter (2015, 2019) vertreten, wie eine Reihe von Veröffentlichungen von ihnen zum Ausdruck bringen. Wie arbeite ich mit der Aufhebung der individuellen Entfremdung körperpsychotherapeutisch? Die verschiedenen Schritte und Stufen einer Körperpsychotherapie sollen kurz skizziert werden: ● Kontaktaufnahme: Dabei spielen eine Grundsympathie und emotionale Berührungsfähigkeit eine wichtige Rolle ● Ausführliche schriftliche und mündliche Anamnese: auch zur frühen Kindheit, Schwangerschaft und Geburt ● Therapeutische Beziehung aufbauen: zunächst als positive Übertragungsbeziehung ● Einbeziehung des Körpers, der Atmung, bioenergetischer und anderer Übungen zur Körperselbstwahrnehmung und zur Stimulation oder Regulation von überschießenden Gefühlen, Erdung, Zentrierung u. a. ● Wann und wie hat sich die Problematik entwickelt? Schlüsselszenen der Biografie herausarbeiten und reinszenieren ● Arbeit mit den Anteilen, „inneres Kind“, „erwachsener Anteil“ ● Arbeit mit dem Affektiven Zyklus auf drei Ebenen ● Welche Gefühle, Affekte konnten in der Kindheit nicht ausgedrückt werden bzw. wurden nur impulsiv ausgedrückt? Im geschützten Raum der Therapie können sie ausgedrückt werden, und das in der Dialektik von Körper und Psyche, d. h. auch körperlich ● Emotionales Nachnähren ● Durcharbeiten der Elternbeziehungen und der entsprechenden Introjekte, Übertragung und Gegenübertragung ● Ursachen der Störung / Problematik aufdecken, bearbeiten, emotionale und kognitive Schemata und Muster herausarbeiten und neue entwickeln ● Emotional-korrektive Erfahrungen: der Therapeut als „ideale“, „gute“ Elternfigur ● Integration Unsere Beschreibung der körperpsychotherapeutischen Arbeit zur Entfremdung bezieht sich in erster Linie auf neurotische Probleme und Störungen. Bei traumatisierten PatientInnen sollte körperpsychotherapeutisch nach dem 3-Phasen-Modell Stabilisierungsphase, Konfrontation mit dem Trauma und Integrationsphase (Willach-Holzapfel 2013a, 67 ff, 2013b, 127 ff ) vorgegangen werden. Zunächst erhebe ich eine ausführliche Anam- Körperpsychotherapie und Entfremdung 4 | 2022 139 nese, die vor allem die frühkindliche / kindliche Entwicklung, aber auch Schwangerschaft und Geburt abfragt und viele Fragen zum Körper, Körperwahrnehmung, Körpererleben, Körperhaltung etc. beinhaltet. Bereits in der Probatorik achte ich darauf, dass die Chemie zwischen der PatientIn und mir stimmt, und danach kommt es zum Aufbau einer vertrauensvollen, tragfähigen und produktiven therapeutischen Beziehung. In der Regel entwickelt sich dabei eine positive Übertragungsbeziehung. Bereits in der Anfangsphase nehme ich die Körperhaltung, die Körpersprache, die Atmung, Mimik, Gestik und Stimme genau wahr. In der Supervision oder Intervision ahme ich die Körperhaltung der PatientInnen nach, um mich in sie einzufühlen. Bei der Imitation der Körperhaltung achte ich auf meine körperlichen Impulse, meine körperliche Resonanz auf die PatientInnen. Vielleicht fühle ich mich als Patient im Brustbereich eingezwängt und spüre Angst, als Gegenimpuls will ich eventuell meine Arme kraftvoll öffnen und nach hinten schlagen, um mich von imaginären Fesseln zu befreien. Ich unterscheide diese somatische Resonanz von Gegenübertragungsgefühlen, da sie sich primär auf der körperlichen, energetischen Ebene vollzieht. Ich kann mit den PatientInnen schon relativ früh in der Therapie mit dieser Körperhaltung arbeiten. Dabei explorieren wir, wie es sich anfühlt, eingeengt, eingezwängt, wie gefesselt zu sein. Sie fühlen sich z. B. im Brustbereich sehr eingeengt. Dann frage ich, ob sie einen körperlichen Impuls haben, um diesen Zustand zu verändern. Sie können dann z. B. die Arme öffnen und Richtung Schultern führen und sich etwas erleichterter fühlen. Als Therapeut kann ich meinen Impuls als Angebot anbieten, ich schlage u. U. eine dynamischere Bewegung vor, als wenn ich Fesseln, die um meine Brust geschnürt sind, sprengen möchte. Die PatientInnen können dann auch meinen Impuls ausprobieren und spüren, wie er sich für sie anfühlt. Danach können sie versuchen, einen für sie stimmigen Ausdruck zu finden. Im nächsten Schritt werden die zu den körperlichen Empfindungen und Bewegungen dazugehörenden Gefühle schrittweise gemeinsam herausgearbeitet. Die Enge ist in der Regel mit Angst und einer kontrahierten Muskulatur verbunden, die Befreiung von den Fesseln ist mit Aggression und eventuell mit Ärger oder Wut verbunden. Wenn das Gefühl, z. B. Wut, exploriert wurde, dann stellt sich die Frage, gegen welche Person die Wut sich aktuell und dann auch in der Vergangenheit gerichtet hat. Häufig richtet sie sich aufgrund eines Aktualkonfliktes zunächst gegen den / die PartnerIn. Doch die Stärke der Erregung, die Stärke bzw. Heftigkeit der Wut, hat in der Regel biografische Wurzeln und richtet sich gegen eine der primären Bezugspersonen, einen Elternteil. Und zwar gegen denjenigen Elternteil, der in der frühen bzw. Kindheit mehr Angst gemacht hatte. Da die PatientInnen als Kind ohnmächtig gegenüber z. B. dem Vater waren, da dieser sowohl physisch als auch psychisch überlegen war, kam es häufig zu einer Erstarrung, d. h. sowohl der Kampfals auch der Fluchtreflex wurde gebremst. Wir arbeiten jetzt damit, dass das Gefühl, das unter der Angst liegt, freigesetzt werden darf. Häufig ist es Wut, die damals gegenüber dem übermächtigen Vater unterdrückt werden musste. Ich lade die PatientInnen in ihrem „kindlichen Anteil“ ein, die damals unterdrückte Wut jetzt im geschützten Raum ausdrücken zu können. Wir können dann auch Reinszenierungen von Schlüsselszenen biodramatisch vornehmen. Dabei kann die Vaterfigur von einem Gegenstand, z. B. ein Kissen, symbolisiert werden, ich kann aber auf Wunsch der PatientInnen auch die Vaterfigur spielen, was für sie eine größere Herausforderung darstellt. Nach der Reinszenierung muss aber genau darauf geachtet werden, dass der/ die PatientIn mich auch wieder aus der Vaterrolle entlässt und in der Therapeutenrolle wahrnimmt. 140 4 | 2022 Manfred Thielen Bei diesen Reinszenierungen kann es natürlich potentiell um alle Gefühle gehen, z. B. um Trauer, wenn sie für die PatientInnen verpönt ist und sie als „Heulsuse“ in ihrer Kindheit vorgeführt worden waren. Auch überschießende Gefühle, z. B. von Borderline-PatientInnen, die zu Impulsdurchbrüchen, gerade bezüglich Ärger und Wut, neigen, können körperpsychotherapeutisch herunterreguliert werden. Dabei sind Formen des Containments, Erdung und der Beruhigung der Atmung, insbesondere durch die Betonung der Ausatmung, hilfreich. Wir können auch mit der Entwicklung der affekt-motorischen Schemata und Mikropraktiken arbeiten. In der Regel geht das kognitive Gedächtnis bis 2 ½ Jahre, doch im prozeduralen oder Körpergedächtnis sind auch die frühen Interaktionserfahrungen gespeichert. Sie sind mit verbalen Methoden meiner Erfahrung nach nicht zu erreichen. Doch mit Hilfe spezieller Atemtechniken wie der verbundenen oder holotropen Atmung können meiner Erfahrung nach auch Spuren aus dem Körpergedächtnis bis hin zur Schwangerschaft und Zeugung aktiviert werden. Aus dem Konzept der affekt-motorischen Schemata habe ich zur Aktivierung der frühen Interaktionsformen, zu den Mikropraktiken im ersten Jahr, eine spezielle Übung entwickelt, mit der in meiner Praxis das Körpergedächtnis und die frühen affekt-motorischen Schemata und Mikropraktiken dem Bewusstsein zugänglich gemacht werden können (Thielen 2013, 309-318). Der kompetente Säugling entwickelt seine Affektregulation mit Hilfe der Ko-Regulation durch seine primären Bezugspersonen (Beebe / Lachmann 2004). Wenn diese- - in der Regel die Eltern- - aber selbst von bestimmten Gefühlen entfremdet sind, sich z. B. ihr affektmotorisches Schema für Wut nicht entwickelt bzw. sich zurückentwickelt hat, sind sie natürlich nicht in der Lage, sich empathisch in die Wutgefühle des Babys einzufühlen. Die Mutter interpretiert eventuell das wütende Schreien ihres Säuglings als Angriff auf sich und ihre Mutterrolle und versucht, es zu beschwichtigen bzw. sein Schreien „wegzumachen“. Oder sie schiebt ihr schreiendes Baby im Sinne der „schwarzen Pädagogik“ in seinem Kinderbettchen auf den Balkon nach dem Motto: „Das Schreien stärkt seine Lungen, aber ich will es auf keinen Fall hören.“ Das ist ein exemplarisches Beispiel für ein misattunement, bei dem das Baby lernt, dass sein Schrei nach Zuwendung auf taube Ohren stößt. Wenn diese misattunements häufig passieren, wird es resignieren, sich depressiv zurückziehen und sich von seinen wütenden Gefühlen „entfremden“. Wir arbeiten mit den PatientInnen als emotionale „Ko-RegulatorInnen“, sie können ihre Affekte und Gefühle, die in ihrer Biografie nicht ausgedrückt werden durften oder konnten, im geschützten Raum ausdrücken und objektbezogen richten. Bei dem Objektbezug geht es in erster Linie um die primären Bezugspersonen. Mit Hilfe von biodramatischen Rollenspielen, bei denen in besonderer Weise auf den Körper fokussiert wird, kann der „kindliche Anteil“ der PatientInnen die bisher abgespaltenen und / oder verdrängten Gefühle ausdrücken. Bei der Tendenz zu Impulsdurchbrüchen, z. B. bei Borderline-PatientInnen, werden die überschießenden Gefühle herunterreguliert und vor allem objektbezogen gerichtet. Nach meiner klinischen Erfahrung reguliert sich bei ihnen die Heftigkeit z. B. der Wut, wenn klarer wird, wogegen, gegen welche Person oder Introjekt sie sich in der Kindheit gerichtet hat. Häufig ist die Gefühls- / Affektentfremdung bereits ganz früh verursacht worden, wir finden ihre Spuren in der Entwicklungsphase des 1.-Jahres und eventuell bereits in der Schwangerschaft. Daher hat die gemeinsame Erforschung des / der PatientIn mit dem / der TherapeutIn über die Interaktionen, die affekt-motorischen Schemata und Mikropraktiken, die RIGs, das affect attunement und die misattunements eine große Bedeutung für die körperpsychotherapeutische Prozessarbeit. Körperpsychotherapie und Entfremdung 4 | 2022 141 Nachdem diese Erfahrungen durchgearbeitet wurden, kommt häufig das Konzept der „emotional korrektiven Erfahrungen“ (Alexander / French 1946) zur Anwendung, das von dem Körperpsychotherapeuten Al Pesso vor allem in der Gruppe in einer speziellen Form angewandt wurde (Pesso / Perquin 2007). Als Therapeut übernehme ich dann phasenweise die Rolle der „guten“ oder „idealen Eltern“, und das „innere Kind“ des / der PatientIn bekommt emotional die Zuwendung, Empathie, Aufmerksamkeit, die er / sie sich schon immer gewünscht hat. Diese Arbeit erfolgt häufig auch im Rollenspiel in verkörperter Form: Z. B. fühlt sich die Patientin ganz verlassen, einsam und dumpf aufgrund ihrer Erfahrungen im Brutkasten, und sie hat das Bedürfnis, nach einer neuen emotionalen Erfahrung, um diese alte Wunde zu „heilen“. Dafür wünscht sie sich z. B. meine Hand in ihrer Hand oder an ihren Schultern oder ihrem Rücken. Bei diesen Szenen kommt es häufig zu starken emotionalen Berührungen bei den PatientInnen, sie weinen dann u. U. bitterlich oder freuen sich auch sehr, dass sie heute als Erwachsene nicht mehr einsam sind und eine Wahlfreiheit haben, während sie als Säugling im Brutkasten ohnmächtig ausgeliefert waren. Die Körperpsychotherapie bietet ein reichhaltiges Instrumentarium an Interventionen, aus dem ich in der prozessorientierten Vorgehensweise entsprechend wählen kann (Thielen 2014). Die Interventionen erfolgen gemäß dem Modell des Affektiven Zyklus, der sich auf drei Ebenen, der psychischen, der muskulären und der vegetativen, vollzieht. Es wurde ursprünglich von Clover Southwell (1990, 205), einer engen Mitarbeiterin von Gerda Boyesen und eine meiner Ausbilderinnen, als vasomotorischer Zyklus entwickelt und von Geuter/ Schrauth (2006, 559; Geuter 2015, 200-205) weiterentwickelt. Affekte und Gefühle vollziehen sich auf allen drei Ebenen, z. B. gibt es bei Wut eine muskuläre Spannung (z. B. Faust), auf der vegetativen Ebene kann sich der Herzschlag erhöhen, es wird u. U. im Bauch wärmer, der Blutdruck kann steigen u. a., und auf der psychischen Ebene bin ich wütend. Wenn ich den Konflikt löse, dann kann die Wut auf allen drei Ebenen abklingen. Wenn diese Zyklen aber, vor allem in der Kindheit, nicht geschlossen werden konnten, dann sind die unverdauten Gefühle noch im menschlichen Organismus und können z. B. psychosomatische Beschwerden begünstigen. Mit Hilfe der Reinszenierungen von Schlüsselszenen aus der Biografie, bei denen Affekte, Emotionen und Gefühle aus der frühen Kindheit, Kindheit, Jugend und auch dem erwachsenen Alter, die damals nicht ausgedrückt werden durften, in der Therapie ausgedrückt werden, und in Interventionen aus den fünf Gruppen können sich alte, aber auch aktuelle affektive Zyklen schließen. Und der/ die PatientIn wird zunehmend zu einer angemessenen Affekt- und Emotionsregulation befähigt, in der alle Gefühle zugelassen und objektbezogen gerichtet werden können. Zum Abschluss der Arbeit werden die emotionalen und kognitiven alten Muster/ Schemata, die durch die Biografie geprägt wurden und die in der Therapie erarbeiteten neuen Muster/ Schemata zusammengefasst. Darüber hinaus werden effektive Selbsthilfemaßnahmen, vor allem auch psychosomatischer Art, fokussiert gesammelt, z. B. Erdungs-, Zentrierungs- und Achtsamkeitsübungen, die den PatientInnen helfen, sich wieder affektiv/ emotional zu regulieren, wenn sie z. B. durch eine depressive oder ängstliche Stimmung phasenweise erfasst wurden. Da individuelle und gesellschaftliche Entfremdung dialektisch miteinander verknüpft sind, sind sowohl die marxistische Analyse von den vier Arten der gesellschaftlichen Entfremdung als auch die drei weiteren Formen der Entfremdung grundlegend für die körperpsychotherapeutische Praxis mit der individuellen Entfremdung von abgespaltenen, verdrängten und vermiedenen Gefühlen. 142 4 | 2022 Manfred Thielen Literatur Alexander, F., French, T. M. (1946): Psychoanalytic therapy. Ronald Press, New York Beebe B., Lachmann, F. M. (2004): Säuglingsforschung und die Psychotherapie Erwachsener. Wie interaktive Prozesse entstehen und zu Veränderungen führen. 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