körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/ktb2025.art03d
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2025
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Fachbeitrag: Wirksamkeit und Wirkmechanismus von heilsamer Berührung bei depressiven Erkrankungen
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2025
Bruno Müller-Oerlinghausen
Michael Eggart
Klinische Studien belegen, dass professionelle Berührungstechniken, die auf dem Konzept des „affective touch“ basieren, wie beispielsweise die psychoaktive Massage, eine antidepressive Wirkung haben, insbesondere hinsichtlich somatischer Kernsymptome der Depression, die von uns primär als Leibkrankheit konzipiert wird. Adäquate Berührungstechniken überwinden die anhedonische Grundstörung und reduzieren die „Verkörperlichung“ des depressiven Menschen. Die neurobiologischen Wirkmechanismen heilsamer Berührung wurden in den letzten drei Dekaden intensiv erforscht, insbesondere vor dem Hintergrund des Konzepts der Interozeption. In diesem Kontext spielen die sogenannten CT-Afferenzen und ihre Projektionen in den Inselbereich sowie oxytocinerge Mechanismen eine wichtige Rolle. Die vielfältigen Indikationen für heilsame Berührung von der Neonatologie bis zur Palliativmedizin legen die Etablierung einer eigenen medizinischen Fachdisziplin, der Berührungsmedizin, nahe.
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Fachbeitrag 16 körper-- tanz-- bewegung 13. Jg., S. 16-25 (2025) DOI 10.2378/ ktb2025.art03d © Ernst Reinhardt Verlag Wirksamkeit und Wirkmechanismus von heilsamer Berührung bei depressiven Erkrankungen Bruno Müller-Oerlinghausen und Michael Eggart Klinische Studien belegen, dass professionelle Berührungstechniken, die auf dem Konzept des „affective touch“ basieren, wie beispielsweise die psychoaktive Massage, eine antidepressive Wirkung haben, insbesondere hinsichtlich somatischer Kernsymptome der Depression, die von uns primär als Leibkrankheit konzipiert wird. Adäquate Berührungstechniken überwinden die anhedonische Grundstörung und reduzieren die „Verkörperlichung“ des depressiven Menschen. Die neurobiologischen Wirkmechanismen heilsamer Berührung wurden in den letzten drei Dekaden intensiv erforscht, insbesondere vor dem Hintergrund des Konzepts der Interozeption. In diesem Kontext spielen die sogenannten CT-Afferenzen und ihre Projektionen in den Inselbereich sowie oxytocinerge Mechanismen eine wichtige Rolle. Die vielfältigen Indikationen für heilsame Berührung von der Neonatologie bis zur Palliativmedizin legen die Etablierung einer eigenen medizinischen Fachdisziplin, der Berührungsmedizin, nahe. Schlüsselbegriffe Depression, Berührung, Massage, affective touch, Interozeption, Oxytocin Effectiveness and Mechanism of Action of Salutary Touch in Depressive Disorders Clinical studies show that professional touch techniques based on the concept of „affective touch“, such as psychoactive massage, have an antidepressant effect, particularly with regard to core somatic symptoms of depression, which we conceptualize primarily as a physical illness. Adequate touch techniques overcome the basic anhedonic disorder and reduce the „corporealization“ of the depressed person. The neurobiological mechanisms of healing touch have been intensively researched over the last three decades, particularly against the background of the concept of interoception. In this context, the so-called CT afferents and their projections into the insular area, as well as oxytocinergic mechanisms, play an important role. The diverse indications for healing touch from neonatology to palliative care suggest the establishment of a separate medical discipline, touch medicine. Key words Depression, touch, massage, affective touch, interoception, oxytocin 17 1 | 2025 Wirksamkeit von heilsamer Berührung bei depressiven Erkrankungen „Ich trug schwer am Leben: freudloser Körper, freudloses Gemüt.“ (Camus 1957) I n einer schon älteren schwedischen Publikation aus dem Pflegebereich heißt es sinngemäß in deutscher Übersetzung: „Die Idee von körperlichem Kontakt und aktiver Berührung ist in der psychiatrischen Therapie und Pflege lange Zeit als gänzlich unangebracht angesehen worden (Risiko der Aggression oder sexuellen Übergriffigkeit). Psychiatrische Therapie wird als vornehmlich verbaler Prozess angesehen. Jedoch hat die neuere Forschung gezeigt, dass professionelle Berührung in der psychiatrischen Therapie eine bedeutende Rolle spielen kann, sofern eine empathische Beziehung hergestellt wird.“ (Salzmann-Erikson / Eriksson 2005, 843) Das gilt insbesondere für die Behandlung der Depression. Depression als Leibkrankheit Die bisherigen Erfolge der Behandlung der immer häufiger diagnostizierten depressiven Erkrankungen, sei es mit Medikamenten, Psychotherapie oder auch den zur Zeit stark propagierten „Mindfulness“-Trainings (van Dam et al. 2018) sind nicht zufriedenstellend (Maß et al. 2023; Munkholm et al. 2019; Jakobsen et al. 2017; Hengartner et al. 2020; Plöder/ Hengartner 2019; Cuijpers et al. 2014). Dies gilt insbesondere für die häufigen chronischen Formen der Depression und mag seinen Grund auch darin haben, dass die Depression innerhalb der etablierten Psychiatrie überwiegend als Gehirnerkrankung verstanden wird (Banner 2013). Hierin spiegelt sich ein problematisches, weil eingeengtes Selbstverständnis der Psychiatrie wider, wie es z. B. von Weinmann (2019) und anderen Autor: innen kritisch dargestellt wurde. In den psychologischen Theorien zur Genese psychischer Erkrankungen und ihrer Therapie haben wiederum somatische Faktoren oder Konzepte wie eine dysfunktionale Interozeption (s.u.) bislang eine nur untergeordnete Rolle gespielt. Wir verstehen Depression primär als Leibkrankheit, als deren Charakteristika u. a. die vitale Hemmung („ich will, aber kann nicht“), die Gefühlsversteinerung, d. h. aus phänomenologischer Sicht die Transformation des lebendigen Leibes (lip hieß im Althochdeutschen Leben! ) in den anatomisch definierten Körper (Fuchs 2018, 2020) im Vordergrund steht. Ins- Objektive Interozeption Subjektive Interozeption ∙ Wahrnehmung des Herzschlags bei moderater Depression (Eggart et al. 2019a) ∙ Herzwahrnehmung als Prädiktor für Entscheidungsprobleme und verminderte pos. Affektintensität (Furman et al. 2013) ∙ Aktivierung der Insula bei interozeptiven Aufgaben (Avery et al. 2014) ∙ Suizidversuche mit interozeptiver „Betäubung“ assoziiert (DeVille et al. 2020) ∙ Maladaptive Körperwahrnehmung (Flasinski et al. 2020) ∙ Leibvertrauen ∙ katastrophisierende Gedanken ∙ Aufmerksamkeitsfokussierung auf Körpersignale ∙ „auf den Körper hören“ ∙ Interozeptive Verbesserung als Prädiktor für Ansprechen auf Therapie (Eggart et al. 2021) ∙ Leibvertrauen als Prädiktor für Residualfatigue (Eggart et al. 2023) und Suizidgedanken (Eggart et al. in prep.) Tab. 1: Depression-- eine Leibkrankheit 18 1 | 2025 Müller-Oerlinghausen, Eggart besondere für die depressionstypische Anhedonie, d. h. die Unfähigkeit, Freude oder Lust zu empfinden, und der damit einhergehenden Affektverflachung konnten Übersichtsarbeiten in Übereinstimmung mit einschlägigen Emotionstheorien (James 1884; Schachter/ Singer 1962) komplexe Zusammenhänge mit interozeptiven Störungen feststellen (Paulus/ Stein 2010; Harshaw 2015) (Tab.1). Unter Interozeption (Craig 2002, 2009) verstehen wir die Summe aller aus den verschiedensten Körperregionen in jeder Sekunde eintreffenden Empfindungen, wozu z. B. Hunger oder die Harnblasenfüllung ebenso gehören wie der von uns selbst wahrgenommene Herzschlag- - ein in der Interozeptionsforschung gerne verwendeter Prüfparameter. In diesem Zusammenhang wird häufig die Fähigkeit zur Wahrnehmung des eigenen Herzschlags im Rahmen eines experimentellen Paradigmas getestet (sogenannte interozeptive Akkuranz) (Eggart et al. 2019a). Neuere Definitionen der Interozeption schließen neben der Wahrnehmung von Körpersignalen („bottom up“) zudem deren Interpretation und Integration („top down“) ein (Khlasa et al. 2018), womit auch allgemeine Leibgefühle umfasst werden, die bei depressiven Patienten von klinischer Relevanz sind (Eggart et al. 2021). Bei Menschen mit mittelschwerer Depression ist z. B. die Eigenwahrnehmung des Herzschlags gestört und damit auch die Aktivität der Inselrinde, einer Hirnstruktur, in der vorzugsweise die Wahrnehmungen zum sogenannten „Gemeingefühl“ (Craig 2002), wie es die alten Forscher nannten, verarbeitet werden, was wiederum die Basis für unser leibliches Selbst darstellt (Avery et al. 2014; DeVille et al. 2020; Eggart et al. 2019a; Furman et al. 2013). Die gestörte Binnenwahrnehmung reduziert nun auch das Körpervertrauen des depressiven Menschen bzw. die Fähigkeit, auf seinen Körper zu hören (Eggart et al. 2021, 2023; Flasinski et al. 2020). Die Depression ist gemäß unserer Sichtweise nicht, wie es in psychiatrischen Diagnoseschemata gerne subsumiert wird, eine „Gemütskrankheit mit körperlichen Begleitsymptomen“, sondern der Leib des depressiven Menschen ist primär krank, wie es sich an vielen typischen Symptomen wie z. B. der verkrampften Muskulatur, den unterkühlten Gliedmaßen, den oft nicht eindeutig lokalisierbaren Schmerzen, der gestörten Verdauung und Sexualität etc. demonstrieren lässt. Dies zeigt sich bereits im primären Arztkontakt, bei welchem die Mehrheit der Patient: innen ausschließlich von somatischen Symptomen berichtet (eine detaillierte Übersicht zur diagnostischen, therapeutischen und prognostischen Relevanz somatischer Symptome bei der Depression findet sich bei Kapfhammer 2006). Es versteht sich von selbst, dass es eine Wechselbeziehung zwischen kognitiven, emotionalen und somatischen Beschreibungsebenen gibt. Wenn gesunde Versuchspersonen gebeten werden anzugeben, in welcher Körperregion und mit welcher Intensität sie dort Emotionen wie Freude, Trauer, Angst oder Ekel empfinden, so können sie darüber ganz präzise, differenzierte Angaben machen (Lyons et al. 2021). Stellen wir depressiven Menschen die gleichen Fragen, so berichten sie von einer reduzierten Wahrnehmung von Körperempfindungen. Hingegen berichten depressive Patient: innen, die mit Antidepressiva behandelt werden, von Deaktivierungen hinsichtlich ihres Leiberlebens nach emotionaler Stimulation, z. B. erscheinen die Beine wie tot (Lyons et al. 2021). Diese Befunde sind mit den typischen Indifferenzphänomenen durch Antidepressiva sowie einer damit einhergehenden emotionalen Dämpfung, Betäubung und Abflachung kongruent (Price et al. 2009). Wie beschreiben Menschen mit Depression ihre körperliche Verfassung? Während das Körpererleben von z. B. schizophrenen Patient: innen oft untersucht wurde, ist das im Hinblick auf depressive Menschen sehr viel seltener geschehen-- eine Ausnahme stellen die entsprechenden Untersuchungen von Frank Röhricht 19 1 | 2025 Wirksamkeit von heilsamer Berührung bei depressiven Erkrankungen dar (Röhricht et al. 2002, 2013). Wir haben selbst versucht, die Körperwahrnehmung hospitalisierter depressiver Patienten auf der Basis von speziell konstruierten visuellen Analogskalen (Intensitätsgrad 1-10) zu erfassen. Tab. 2 illustriert die eindeutigen Unterschiede zu hinsichtlich Alter und Geschlechtsverteilung vergleichbaren gesunden Versuchspersonen, z. B. für „flacher Atem“, „bleischwere Glieder“ oder „versteinertes Herz“ (Müller-Oerlinghausen et al. 2008). Wirksamkeit der Massagetherapie bei Depressionen Komplementärmedizinische Behandlungen sind bei Menschen mit schweren psychischen Störungen weit verbreitet, insbesondere bei Patient: innen, die sich in konventioneller Behandlung befinden (de Jonge et al. 2018). Angesichts der oben genannten Befunde erscheint der Gedanke, dass eine geeignete Form professioneller Berührung die Gesamtsymptomatik depressiver Patienten positiv beeinflussen könnte, nicht abwegig (Eggart et al. 2019b), und in der Tat existiert die Beobachtung, dass gerade depressive Patient: innen, wenn sie sich nach üblichen, aber oft leider unwirksamen Therapieversuchen alternativen Therapieformen zuwenden, speziell Massagen wählen (Wu et al. 2007). Wir haben deshalb in einer randomisierten, kontrollierten Studie, für die wir zusammen mit Claudia Berg auf dem Hintergrund der Kalifornischen Massage eine spezielle, sehr sanfte Ganzkörpermassage-Technik entwickelt hatten, an stationären depressiven Patient: innen und gesunden Versuchspersonen die Wirksamkeit einer solchen einstündigen Be„hand“lung erstmals in Deutschland untersucht und die Ergebnisse vor 20 Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt. Ohne an dieser Stelle auf Methodik und Ergebnisse näher eingehen zu können, sei gesagt, dass in fast allen abgefragten Dimensionen die berührungsmedizinische Intervention Depressive Patient: innen n = 32 Gesunde Kontrolle n = 30 Befindlichkeitsskala Bf-S 37,8 ± 12,0 12,7 ± 8,6 *** Anspannung 6,9 ± 1,8 5,0 ± 2,1*** Unruhe 6,1 ± 2,0 4,2 ± 2,1*** Müdigkeit 6,5 ± 2,6 4,2 ± 2,4*** Bleischwere Glieder 6,6 ± 1,9 4,8 ± 1,7*** Atem flach 7,5 ± 2,1 3,9 ± 1,9*** Nicht wohlfühlen im Körper 6,5 ± 2,1 3,8 ± 2,1*** Mein Herz ist versteinert 6,8 ± 2,4 2,2 ± 2,0*** Tab. 2: Körpererleben stationärer depressiver Patient: innen und gesunder Kontrollpersonen (in Anlehnung an Müller-Oerlinghausen et al. 2008) Die Tabelle zeigt die Mittelwerte für die Bf-S und für ausgewählte Parameter speziell konstruierter visueller Analogskalen (Skala 1-10). Die Mehrheit der Patient: innen wurde medikamentös behandelt. *** = statistische Signifikanz <0.01 (Müller-Oerlinghausen et al. 2008) 20 1 | 2025 Müller-Oerlinghausen, Eggart einer Kontrollbedingung, in der nicht berührt wurde, hinsichtlich antidepressiver Wirksamkeit überlegen war (Müller-Oerlinghausen et al. 2004). Schon der antike Philosoph Platon soll übrigens der Meinung gewesen sein, dass Massage „Gewissensbisse heilen könne“, worauf Friedrich Nietzsche in einem Brief von 1887 Bezug nimmt (Walser 2004). Berg et al. haben später diese uns selbst überraschenden Erfahrungen über längere Zeit in eine Berliner nervenärztliche Praxis eingebracht mit teilweise erstaunlich guten Ergebnissen (2007), sogar bei zuvor stark traumatisierten Patientinnen mit z. B. Berührungsangst, Burn- Out, chronischem Stress-Syndrom, Zustand nach sexuellem Missbrauch etc. Die Patientinnen litten u. a. unter chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder psychophysischer Angespanntheit. Es wurden im Allgemeinen Serien von acht Behandlungen über 6-8 Wochen angeboten. Die Therapeutin beobachtete bei diesen Patientinnen eine verflachte Atmung, versteifte Gelenke, muskuläre Verspannungen, Unruhe und ein Nicht-Loslassen-Können. Die Mehrheit der Patientinnen berichtete im Laufe der Therapie eine deutliche Besserung der seelischen / körperlichen Symptomatik. Eindrucksvoll war insbesondere, dass auch stark traumatisierte Patientinnen im Laufe der Behandlung Berührung wieder zulassen konnten (Berg et al. 2007). Es sei an dieser Stelle noch auf eine weitere neue deutsche Studie aufmerksam gemacht, die in Verbindung mit der staatlichen Massageschule in Würzburg entstanden ist und ebenfalls sehr interessante Ergebnisse einer etwa einstündigen „affektregulierenden Massage“ bei ambulanten depressiven Patienten ergeben hat (Arnold et al. 2020). Die Ausgangsdaten der Experimental- und Kontrollgruppe waren gut vergleichbar. Dreiviertel der durch Anzeigen rekrutierten Patient: innen waren Frauen mit einer im Schnitt mittelschweren Depression. Das Ausmaß der psychischen Veränderungen in der Massagegruppe wurde mit denen einer Kontrollgruppe verglichen, die an einer vielfach angewandten Entspannungsübung, der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson, teilnahmen. Auch in dieser methodisch einwandfreien Studie zeigte sich eine signifikant stärkere antidepressive Wirksamkeit in der Massagegruppe. Nicht selten sind die spontanen freien Aussagen der untersuchten Patient: innen eindrucksvoller als die nackten statistischen Zahlen. Deshalb wurden alle Patient: innen zum Abschluss dieser Studie in einem freien Interview nach ihren Erfahrungen befragt. Eine 35-jährige kinderlose Bürokauffrau, die der Massagegruppe im Losverfahren zugeteilt worden war, sagte u. a., sie habe „Beine und Füße zum ersten Mal wieder gespürt. Freudentränen. Weil ich durch die Depression Berührung sonst nicht zulassen konnte. Mein Panzer wieder etwas weicher, Herz geöffnet. Hat mir geholfen, wieder zum ganzen Menschen zu werden.“ Hier wird etwas angetönt, was uns Teilnehmer: innen z. B. auch in der Berliner Studie immer wieder erzählt haben: Sie fühlten, wie sich der Riss, der zuvor durch ihren ganzen Körper ging, wieder schloss, sodass sie sich wieder als ganzer, eben heiler Mensch fühlen konnten. Baumgart et al. (2020) berichten über eine kontrollierte Studie an Patientinnen mit psychosomatischem Rückenschmerz, in der sie eine über 50 %ige Abnahme der Depressivität in einer standardisierten Messskala unter der von Baumgart und Blum entwickelten „psychoregulativen Massage“ objektivieren konnten, im Vergleich zu nur ca. 3 % Abnahme unter einer konventionellen Massagebehandlung. Dieser Effekt war zudem auch ohne weitere Behandlung nach vielen Wochen noch präsent. Den beschriebenen Massagetechniken ist gemein, dass insbesondere Effleurage-Techniken mit sanftem Druck und rhythmischer Applikation mit engen Verflechtungen zwischen den einzelnen Griffen angewandt werden. Für eine detaillierte Darstellung und Beschreibung der psychoaktiven Massage verweisen wir auf das Lehrbuch von Gabriele Mariell Kiebgis (2023). 21 1 | 2025 Wirksamkeit von heilsamer Berührung bei depressiven Erkrankungen In aller Regel zeigen Patient: innen eine hohe Akzeptanz gegenüber solchen „händischen“ Therapiemethoden. Die vorstehenden Ergebnisse stellen für die Psychiatrie und klinische Psychologie im Grunde eine Provokation dar, sind eigentlich gar nicht möglich, wenn denn die Anhedonie tatsächlich ein Kernsymptom der Depression darstellt, wie wir es oben dargestellt haben. Können wir denn auf dieser basalen Kommunikationsebene die anhedonische Grundstörung quasi „unterlaufen“? Wirkmechanismen psychoaktiver Massagen Wie können wir diese gut gesicherten empirischen Beobachtungen zur Wirksamkeit der Massagetherapie, deren Evidenz auch durch Meta-Analysen gestützt wird (Moyer et al. 2004; Hou et al. 2010), erklären? Jede weiterführende Reflexion hierzu sollte auf verschiedenen Ebenen erfolgen: Neurobiologisch betrachtet kommt es z. B. unter der hier angewandten sanften rhythmischen Berührung basierend auf dem heute in der modernen Berührungsforschung intensiv untersuchten „affective touch“ zu einer Freisetzung von Oxytocin und der Aktivierung bestimmter nicht-myelinisierter C-Fasern, den sogenannten C-taktilen Afferenzen (Müller-Oerlinghausen et al. 2022). Dieser Hinweis führt uns zurück zur Interozeptionsforschung. Wir vertreten die Hypothese, dass die sogenannten psychoaktiven Massagen (Kiebgis 2023) quasi eine interozeptive Therapie darstellen. Wir wissen heute, dass im Humanexperiment eine sanfte rhythmische Streichung--- z. B. an der Streckseite des Unterarms mit einem mechanischen weichen Pinsel und einer optimalen Geschwindigkeit von 3-10 cm/ sec-- die oben erwähnten CT-Fasern und damit die Inselrinde aktiviert und bei den Proband: innen ein Wohlgefühl auslöst (Björnsdotter et al. 2010; Löken et al. 2009). Wir haben deshalb die Hypothese aufgestellt, dass die von uns und anderen entwickelten psychoaktiven Massagen die Interozeptionsstörung antagonisieren, die Emotionsregulation verbessern und somit antidepressiv wirksam sind (Eggart et al. 2019b). Weitere Erklärungsmodelle rekurrieren auf eine Aktivierung des Vagusnerv (Field et al. 2010), auch spielt vermutlich nicht nur die Berührung der Haut, sondern auch die Manipulation der oberflächlichen Faszien eine bedeutende Rolle für den antidepressiven Effekt (Michalak et al. 2022). Der 2018 verstorbene Psychiater und Philosoph Hinderk Emrich schrieb 2001 in einer persönlichen Mitteilung unter Bezug auf unsere oben erwähnten Befunde und die Fichtesche Transzendentalphilosophie: „Die Grundlage allen Erlebens ist Sensomotorik. Realität wird nicht gewusst, sondern geglaubt, weil man der Wahrnehmung der Berührung glaubt.“ Zeitphilosophisch könnten wir unter Bezug auf Michael Theunissen auch von einer Entmächtigung der (immer negativ getönten) Vergangenheit und einer Entsperrung der Zukunft sprechen (Theunissen 1991). Ein bemerkenswerter Aufruf der Zeitschrift „Psychology Today“ vom 31.1.2022 „Massage Therapy for Mental Health“ plädierte für die (Wieder-)Einführung von Massagetechniken in die psychiatrische Therapie (King 2022). Um diesem klaren Plädoyer für mehr professionelle heilsame Berührung in der Psychiatrie, aber auch in vielen anderen medizinischen Indikationen- - in der Neonatologie, Geburtshilfe, Onkologie, Palliativmedizin etc.- - stärkeres Gehör zu verschaffen und die dazu gehörige notwendige klinische Forschung anzuregen (Müller-Oerlinghausen / Eggart 2020), wurde inzwischen die Deutsche Gesellschaft für Berührungsmedizin e.V. gegründet (www.dgfbm. de). Unter ihrem Dach ist auch ein Projekt entstanden, um Pflegekräften die Möglichkeit zu geben, spezielle professionelle Berührungstechniken im Rahmen ihrer alltäglichen pflegerischen Tätigkeiten einzubringen. Die dies- 22 1 | 2025 Müller-Oerlinghausen, Eggart bezüglichen Erfahrungen in verschiedenen Indikationsfeldern werden wissenschaftlich evaluiert. Literatur Arnold, M. M., Müller-Oerlinghausen, B., Hemrich, N., Bönsch, D. 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