eJournals körper tanz bewegung13/3

körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/ktb2025.art20d
9_013_2025_3/9_013_2025_3.pdf71
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Forum: Interaktionelle Resonanzerfahrung und innerer Dialog bei Dissoziativer Identitätsstörung in der Tanztherapiegruppe

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Antje Scherholz
Kernsymptom der Dissoziativen Identitätsstörung ist die fehlende Kohärenz und Kontinuität des Selbsterlebens, bezogen auf die handelnde, emotionale, motorische und soziale Erfahrung. Zudem erschwert die brüchige Gegenwartsverankerung die Integration sensorischer Informationen. Die strukturellen Identitätswechsel lösen das Erleben von Hilflosigkeit sowie Kontrollverlust aus und führen zu sozialem Rückzug bzw. sozialer Isolation. Im sozio-emotionalen Kontext der Gruppe eröffnet die Tanztherapie als nonverbales, kreatives, interaktionelles Medium den Raum für relativierende interaktionelle Resonanzerfahrungen. Diese setzen Impulse für eine veränderte Resonanz und Kommunikation im inneren System.
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Forum: Aus der Praxis 137 körper-- tanz-- bewegung 13. Jg., S. 137-151 (2025) DOI 10.2378 / ktb2025.art20d © Ernst Reinhardt Verlag Interaktionelle Resonanzerfahrung und innerer Dialog bei Dissoziativer Identitätsstörung in der Tanztherapiegruppe Antje Scherholz Kernsymptom der Dissoziativen Identitätsstörung ist die fehlende Kohärenz und Kontinuität des Selbsterlebens, bezogen auf die handelnde, emotionale, motorische und soziale Erfahrung. Zudem erschwert die brüchige Gegenwartsverankerung die Integration sensorischer Informationen. Die strukturellen Identitätswechsel lösen das Erleben von Hilflosigkeit sowie Kontrollverlust aus und führen zu sozialem Rückzug bzw. sozialer Isolation. Im sozio-emotionalen Kontext der Gruppe eröffnet die Tanztherapie als nonverbales, kreatives, interaktionelles Medium den Raum für relativierende interaktionelle Resonanzerfahrungen. Diese setzen Impulse für eine veränderte Resonanz und Kommunikation im inneren System. Schlüsselbegriffe Dissoziative Identitätsstörung, Integration der Persönlichkeit, System des sozialen Engagements, soziale Reziprozität, Körperkohärenz, innere Kommunikation, Probehandeln Interactional Resonance Experience and Inner Dialogue in Dissociative Identity Disorder in the Dance Therapy Group The core symptom of the dissociative identity disorder is the lack of coherence and continuity of self-experience, related to the actional, emotional, motor and social events. Furthermore, the tenuous anchoring in the present hinders the integration of sensory information. The structural identity-switches trigger the experience of helplessness and loss of control and lead to social withdrawal or social isolation. In the socio-emotional context of the group, dance therapy, as a creative, non-verbal, interactional medium, opens up a space for relativizing interactional resonance experiences. These set impulses for a transformed resonance and communication in the inner system. Key words dissociative identity disorder, personality integration, social engagement system, social reciprocity, body coherence, inner communication, rehearsal behavior 138 Antje Scherholz 3 | 2025 Die Dissoziative Identitätsstörung und der Bruch im Selbst- und Handlungsgefühl - Implikationen für die tanztherapeutische Gruppe D ie Dissoziative Identitätsstörung (DIS) ist von abrupten Identitätswechseln geprägt, die sich unbewusst und für die Betroffenen nicht beeinflussbar ereignen (Wöller 2020, 58 f ). Diese führen zu einer Unterbrechung des kontinuierlichen Selbst- und Handlungserlebens sowie zu Amnesien oder Teilamnesien (WHO 2019). Übergeordnetes Therapieziel bei der Behandlung von DIS ist die verbesserte Kooperation der Persönlichkeitsanteile untereinander bis hin zu deren Integration in eine ganzheitliche Persönlichkeit (Wöller 2020, 92). Eine Förderung des inneren Dialogs und der inneren Verbundenheit, der Affekt-, Erregungssowie Handlungsregulation (Gast / Wabnitz 2023; Mattheß / Nijenhuis 2013; Wöller 2020) sind in der tanztherapeutischen Gruppe daher Kern- Anliegen. Die strukturellen Brüche der DIS können als ein verselbstständigtes Überlebensprinzip verstanden werden, um sich vor den Auswirkungen existentiell gefährdender, traumatisierender Beziehungserfahrung zu schützen. Die Unterbrechung innerer und äußerer Resonanz, das überhöhte inter- und intrapsychische Kontrollbedürfnis sowie die Entfremdung vom (spürenden) Körper dienen der Existenzabsicherung (Gast/ Wabnitz 2023; Van der Hart et al. 2008; Nijenhuis et al. 2010). Hieraus erschließt sich die Herausforderung, die die Teilnahme an der tanz- und körpertherapeutischen Gruppe für Menschen mit DIS bedeutet. Wichtige therapeutische Aufgabe ist daher, einen sicheren und vertrauensvollen therapeutischen Rahmen zu kreieren. Gelingt dies, entwickelt sich die Gruppe mit entstehender Gruppenkohäsion zu einem Ort des interpersonalen Lernens (Yalom 2021) und zu einer Inspirationsquelle für eine veränderte Kommunikation im inneren System: Die Gruppeninteraktion wird zum möglichen Entwicklungsmodell für einen dialogischen, respektvollen und annehmenden Umgang im inneren System. Ein besonderes Potential in der tanz- und körpertherapeutischen Behandlung von DIS entsteht aus deren sozio-emotional-motorischen Vorgehensweise. Frühe und schwere Traumatisierungen prägen die Entwicklung der cerebralen Strukturen, die sozio-emotionalsensomotorische Inhalte implizit speichern. Um verinnerlichte sozio-emotionale-sensomotorische Muster zu verändern, kann eine ausschließlich explizite, intellektuelle Veränderungseinsicht als unzureichend geschlussfolgert werden: „Das prozedurale Wissen, das im impliziten Gedächtnis enthalten ist, ist nur durch Aktion zugänglich.“ (Fonagy et al. 2022, 49) Auch Schore (2020, 11; 2022, 6 f ) legt die förderliche Stimulation des prozeduralen Gedächtnisses durch ein interaktiv eingestimmtes, rechtshemisphärisch geleitetes therapeutisches Beziehungsgeschehen als Voraussetzung dar, um neuroplastische Strukturveränderung in den Regulationssystemen der rechten Hemisphäre anzuregen. Über das Gruppensetting hinaus ist die (inter-)aktionelle, auf affektiv-sensomotorische Selbst- und Beziehungsregulation ausgerichtete tanz- und bewegungstherapeutische Methode geeignet, das prozedurale Gedächtnis anzusprechen und Veränderungen anzuregen (Schore 2020). Vor dem Hintergrund meiner langjährigen Erfahrung auf einer Station für Traumafolgestörungen einer psychosomatischen Klinik widmen sich die folgenden Ausführungen der Behandlung von DIS in der tanz- und bewegungstherapeutischen Gruppe. Dem Rahmen dieses Formats geschuldet konzentriere ich mich in diesem Beitrag ausschließlich auf zwei übergeordnete Symptomatiken: die soziale Isolation sowie die Entfremdung vom (spürenden) Körper. Nachfolgend werden jeweils einige Implikationen und Strategien aufgezeigt, die sich für Interaktionelle Resonanzerfahrung in der Tanztherapiegruppe 139 3 | 2025 eine gruppentherapeutische Vorgehensweise mit dieser Klientel als bedeutsam herauskristallisiert haben. Das klinische Setting der Tanztherapiegruppe für Menschen mit DIS Auf der o. g. Station für Traumafolgestörungen wird die Ressourcenbasierte Psychodynamische Therapie (RPT) nach Wöller (2013, 2014) multimodal umgesetzt. Es werden vorwiegend Patient: innen mit komplexen posttraumatischen Störungen behandelt, u. a. mit DIS. Die Belegung der Station beläuft sich auf 24 bis 27 Patient: innen. Das ressourcenorientierte stationäre Behandlungskonzept legt zunächst den Schwerpunkt auf den Aufbau eines therapeutischen Arbeitsbündnisses. Auf dieser Basis werden aufbauend folgende Inhalte fokussiert (Schnabel 2014, 259 ff ): ● Förderung der affektiven Selbstwahrnehmung ● Aktivierung von Ressourcen ● Verbesserung der Affektregulation und Impulskontrolle ● Verringerung der Häufigkeit und Intensität dissoziativer Symptome ● Erweiterung der interaktionellen Fertigkeiten ● Verbesserung der Selbstannahme und Entlastung von Schuldgefühlen ● Intensivierung der Selbstfürsorge ● Bearbeitung und Integration traumatischer Erfahrungen ● Vorbereitung des Transfers in den Alltag Einen wichtigen Stellenwert innerhalb dieses Konzepts nimmt die Teamarbeit als Ort des Austauschs und der Vernetzung multimodaler Behandlungsperspektiven ein (Pape 2014). Behandlungsdauer Die Behandlungsdauer liegt stationär zwischen vier bis zwölf Wochen. Vier bis sechs Wochen sind dem Schwerpunkt Stabilisierung vorbehalten, während ein achtbis zwölfwöchiger Aufenthalt der „Modifikation maladaptiver Verhaltens- und Beziehungsmuster oder der spezifischen Traumaverarbeitung“ (Schnabel 2014, 260) dient. Manche Patient: innen werden mehrfach, stellenweise krisenintervenierend, in großen Zeitabständen stationär wiederaufgenommen. Andere nutzen den stationären Rahmen einmalig zur traumatherapeutischen Unterstützung. Allgemein gilt als Aufnahmevoraussetzung, dass eine ambulante Folgebehandlung sichergestellt ist. Gruppenkonzept der Station Zu Beginn der Behandlung findet eine feste Gruppenzuteilung statt, die sich aus acht bis neun Patient: innen zusammensetzt. In dieser Konstellation nehmen die Patient: innen verbindlich an zwei 50-minütigen psychologischen Gesprächsgruppen-Terminen sowie an einem 100-minütigen und einem 50-minütigen Tanztherapie-Termin in der Woche teil. Die 50-minütige Tanztherapiegruppe findet jeweils als Kleingruppe mit einer festen Personenkonstellation von vier bis fünf Patient: innen aus der Gesamtgruppe statt. Die wöchentlichen Kleingruppen dienen der Annäherung an herausfordernde Therapieinhalte sowie der Vertiefung individueller Thematiken. Alle Tanztherapiegruppen werden von einer therapeutischen Person geleitet. Die Kontinuität der Personenkonstellation in den Gruppen unterstützt das Entstehen von sozialer Sicherheit und Gruppenkohäsion als Grundlage für persönliche Entwicklung. Die Tanztherapie ist für 16 bis 18 Patient: innen ein elementarer Bestandteil der Behandlung. Eines der Gruppensettings, in das die Tanztherapie integriert ist, ist ausschließlich Frauen vorbehalten, ein weiteres ist gemischtgeschlechtlich zusammengesetzt. Bei einem weiteren gemischtgeschlechtlichen Gruppensetting von acht bis neun Patient: innen liegt der spezialtherapeutische Schwerpunkt auf der Kunsttherapie. 140 Antje Scherholz 3 | 2025 In diesem stationären Behandlungskonzept werden die Patient: innen darin bestärkt, auf Stresssignale zu achten und ggf. die Therapiegruppen zu verlassen, falls ein Stresserleben nicht reduziert werden kann. Die Betroffenen werden ermutigt, nach Stressreduktion wieder in die Gruppe zurückzukehren oder sich bei fortbestehender Belastung beim Pflegeteam zu melden. Ergänzende Einzeltherapie-Termine Neben den Gruppen biete ich während der Behandlungszeit mindestens zweimal eine Einzeltherapie an. Der erste Einzeltherapie-Termin findet in der Anfangszeit der Behandlung statt. Es werden der individuelle Aufnahmeanlass, biographische Hintergrund, der Auslöser für die Behandlung, das Behandlungsanliegen und Fragen / Sorgen bzgl. der Tanz- und Bewegungstherapie betrachtet. Hieraus resultiert zumeist ein Therapieauftrag und die Vereinbarung eines ersten Fokusses für die tanztherapeutische Behandlung. Diese duale Begegnung legt oftmals den Grundstein für die entstehende therapeutische Allianz. Zudem findet zum Ende der Behandlung ein abschließendes tanz- und bewegungstherapeutisches Einzel statt. Hier wird der therapeutische Verlauf reflektiert und resümiert, und die Gestaltung des Abschieds sowie der Transfer in den Alltag erhalten Aufmerksamkeit. Ergänzend hierzu werden von mir in Einzelfällen, in Abstimmung mit dem Behandlungsteam, einzeltherapeutische Tanztherapietermine als Krisenintervention und zur Vorbereitung oder Vertiefung einer bestimmten herausfordernden Thematik angeboten. Dies erweist sich insbesondere bei Menschen mit starken dissoziativen Symptomatiken als sinnvoll. Spezifisches Erscheinungsbild DIS-Betroffener in der tanztherapeutischen Gruppe Die hier vorgestellten zwei Symptomatiken prägen im besonderen Maß das tanz- und bewegungstherapeutische Gruppengeschehen bei der Behandlung von DIS: Das sind die rigide Vermeidung oder Abwehr des spürenden Körperbezugs (Van der Hart et al. 2008; Van der Kolk 2024) sowie die zunehmende soziale Isolation, die sich beide als traumaassoziierte Überlebensstrategien etabliert haben (Gast/ Wabnitz 2023; Wöller 2010). Diese Strategien stehen einer Verarbeitung traumatischen Erlebens im Weg und verhindern Heilung, Entwicklung sowie alltägliche Stressregulation und gesunde Selbst- und Beziehungsregulation (Van der Kolk 2024). Betroffene befinden sich im Rückzug vor sich selbst und vor anderen. In meiner klinischen Praxis werden oft quälende Gefühle der Einsamkeit und Verlassenheit, der Unverbundenheit mit sich selbst und der Welt sowie der inneren und äußeren Verlorenheit bzw. Orientierungslosigkeit geäußert. Damit sind traumabedingte Gefühle der Angst, Scham, Schuld und Ohnmacht (Van der Kolk 2024, 5) sowie die Sorge vor Verlust der Impulskontrolle, vor Affektüberflutung und/ oder Grenzüberschreitung verknüpft (Gast/ Wabnitz 2023, 121). Trotz dieser beiden Kompensationsstrategien können nicht vorhersehbare, körperbezogene, traumaassoziierte Symptome auftreten. Hierzu gehören u. a. somatoforme Flashbacks und Dissoziation, muskuläre und neurologische Ausfälle, Wahrnehmungsveränderungen oder -störungen (wie Ausfall der Körperwahrnehmung, Taub- oder Blindheit, Geruch oder Geschmack betreffend etc.), Schmerzen ohne aktuelle Auslöser sowie Episoden der Depersonalisation oder der teildissoziierten Handlung (Gast/ Wabnitz 2023, 46). Das hieraus resultierende Erleben von Kontrollverlust führt wiederum zu einer Verstärkung des aversiven Interaktionelle Resonanzerfahrung in der Tanztherapiegruppe 141 3 | 2025 Körperbezugs, woraus ein eskalierender Teufelskreis entsteht. Personen mit DIS, die die klinische Behandlung aufsuchen, befinden sich oftmals auf dem Höhepunkt dieser eskalierenden Dynamik von Zusammenbruch und nachfolgendem Versuch der Wiederherstellung von Steuerungsfähigkeit. Daher befinden sich die meisten Betroffenen in einem Zustand der Dekompensation und der großen mentalen sowie physischen Erschöpfung (Van der Hart et al. 2008, 254). Sie fühlen sich ohnmächtig, hoffnungslos und schämen sich für den Verlust an Kontrolle (Gast/ Wabnitz 2023, 64). Ängste, „falsch zu sein“, „für andere Belastung oder Zumutung zu sein“, „nicht dazugehören zu dürfen“ sowie Sorgen vor Beschämung und Erniedrigung prägen, vor allem beim Gruppeneinstieg, die Gruppendynamik und Atmosphäre in meinen Tanz- und Bewegungstherapiegruppen. Die emotional gefärbte Interaktion mit anderen Menschen wird vermieden (Gast/ Wabnitz 2023). Folgende Symptomatiken sind bei der Teilnahme von Menschen mit dissoziativer Symptomatik in der Tanztherapiegruppe, insbesondere zu Beginn der stationären Behandlung, zu beobachten: ● Vermeidung jeglicher spürenden und empfindenden Beteiligung ● Körperentfremdung bis hin zur Abspaltung des Körpers: fehlende Körperkohärenz; Körperbild- und Körperschemastörung ● Starke dissoziative Symptomatik, die ggf. auch mit abrupten Brüchen in der Identität einhergeht ● Soziale Entfremdung; Hypervigilanz im sozialen Raum, sozialer und/ oder innerer Rückzug, soziale Isolation ● Radikale Wechsel zwischen überhöhter Kontrolle und Kontrollstreben vs. Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit/ „Aushalten“ statt der Achtung eigener Grenzsignale ● (Abrupte) Bewegungsunterbrechungen, Negieren von Bewegungsimpulsen ● Starre, eher stereotype Bewegungsabläufe ● Überhöhte Spannung, stellenweise Starre; Hyperarousal Die Theorie der strukturellen Dissoziation nach Van der Hart, Nijenhuis und Steele Um die starren Handlungstendenzen, die sich in der Therapie bei DIS re-inszenieren, besser einschätzen zu können, hat sich das neuropsychologisch fundierte Modell der strukturellen Dissoziation (Van der Hart et al. 2008; Nijenhuis et al. 2002, 2010) als hilfreich erwiesen. Es ordnet die strukturellen Brüche der Persönlichkeit in zwei übergeordnete, evolutionär angelegte, psychobiologische Aktionssysteme. Sie dienen dem Überleben, falls ein traumatisierendes Ereignis nicht verarbeitet und integriert werden kann. Das Aktionssystem der sogenannten „anscheinend normalen Persönlichkeit“ (ANP) orientiert sich an attraktiven Stimuli im Alltag. Es ermöglicht die Alltagsbewältigung sowie eine punktuelle Loslösung vom Trauma. Aktionen sind u. a. auf Bindung, Spiel und Exploration, energetische Versorgung und Regulation, Sexualität und Reproduktion ausgerichtet. Das Aktionssystem der sogenannten „emotionalen Persönlichkeit“ (EP) umfasst Subsysteme, die auf aversive Reize reagieren. Das sind zum einem sympathisch geleitete Aktionen wie Kampf und Flucht oder parasympathisch geprägte Reaktionen wie Unterwerfen, Erstarren oder Einfrieren. Sie dienen der Vermeidung oder Abwehr von Gefahr, insbesondere wenn die Integrität des Körpers bedroht ist. Zum anderen ermöglichen sie Erholung in Form von sozialem Rückzug, Wundversorgung oder Ruhe (Van der Hart et al. 2008.; Mattheß/ Nijenhuis 2013). Van der Hart et. al (2008) unterscheiden den Grad der strukturellen Störung in drei Stufen: 142 Antje Scherholz 3 | 2025 die primäre, sekundäre und tertiäre strukturelle Dissoziation. Das Vollbild der DIS entspricht dem Erscheinungsbild der tertiären strukturellen Dissoziation, bei der sowohl eine Fragmentierung der ANP als auch der EP in verschiedene Aktionssubsysteme vorliegt. Laut Van der Hart et al. (2008) sind dissoziierte EPs tendenziell geschlossene Systeme, die auf spezifische, in der traumatischen Situation hervorgerufene Handlungstendenzen festgelegt sind. Dissoziierte ANPs agieren etwas komplexer in ihren alltagsbezogenen Funktionen. Aufgrund ihrer hochgradig rigiden Abwehr jeglicher Emotion, Handlung und Situation, die an das traumatische Erleben erinnert, sind sie dennoch unflexibel (Van der Hart et al. 2008). Allen dissoziativen Persönlichkeitsanteilen ist ihr unflexibles und reflexhaftes Handeln gemein, da sie hoch vermeidend auf aversive bzw. spezifische traumaassoziierte Reize reagieren und ihre gegensätzlichen Überlebensstrategien untereinander phobisch vermeiden. (Van der Hart 2008, 253 f ) Sie spiegeln auf diese Weise das inkohärente Selbsterleben wider. Die Wechsel zwischen eher rigiden, funktional ausgerichteten Handlungstendenzen und unvermittelt intensiv emotionalen, reflexhaften Handlungstendenzen der Patient: innen sind durch das Modell leichter einzuordnen und angemessen zu begleiten. Differenzierter Umgang mit ANP und EPs in der tanztherapeutischen Gruppe Gemäß der Empfehlung von Mattheß und Nijenhuis (2013) wird in der tanztherapeutischen Vorgehensweise zunächst die ANP gestärkt, die an der Therapie aktiv beteiligt ist. Gegebenenfalls wird dies um wichtige EPs erweitert, die die Sicherheit der Klient: innen und/ oder die Therapie gefährden und die ANP bedrängen (Van der Hart et al. 2008, 34). Das bedeutet tanztherapeutisch, die ANP und ggf. bestimmte EPs bei der Erweiterung ihrer Stress- und Affekttoleranz sowie ihre handelnde Kompetenz im selbst- und beziehungsregulierenden Sinne zu stärken. Zudem ist es bedeutsam, die ANP als Ansprechpartner sowie als Mediator für das innere System zu gewinnen ( Van der Hart et al. 2008, 34). Ist es Anteilen nicht möglich, sich direkt an der Therapie zu beteiligen, können sie „ermutigt werden, es indirekt zu tun, z. B. über den Anteil, der gerade vorne ist.“ (Gast/ Wabnitz 2023, 135) Für die Anbahnung dessen hat sich in meiner klinischen Praxis ein Einzeltherapie-Termin in der Anfangszeit der tanztherapeutischen Gruppen-Behandlung bewährt. Sollte erst im Verlauf der Behandlung deutlich werden, dass eine DIS vorliegt, findet ein kurzfristiger Einzeltermin zur Besprechung des Umgangs mit der Symptomatik im tanztherapeutischen Gruppensetting statt. Ich ermutige meine Patient: innen, die Gruppensituation inneren Anteilen zu erläutern und ihnen über erprobende Handlungen die Möglichkeit zu geben, an dieser Realsituation beteiligt zu sein. So kann sich in der Gruppe ergeben, dass ein: e Patient: in mir berichtet, dass ein innerer Anteil ein großes Bedürfnis nach Schutz hat, welches mit hoher Ambivalenz behaftet ist. Es folgt die gemeinsame Überlegung, wie eine Annäherung an dieses Bedürfnis stattfinden kann. Ein häufig erprobter Weg ist, dass der Anteil, der die Mediatorenrolle innehat, stellvertretend und im inneren Dialog mit dem betreffenden Innenanteil eine Umsetzung dessen auf verschiedene Art und Weise exploriert. Mit der Zeit kann sich hieraus in kleinen Schritten das explorierende Aushandeln kontroverser Haltungen im inneren System entwickeln. Therapeutisch wird dies, insbesondere zu Beginn dieses Prozesses, über engmaschiges dialogisches Begleiten unterstützt und bestärkt. Interaktionelle Resonanzerfahrung in der Tanztherapiegruppe 143 3 | 2025 Die tanztherapeutische Gruppe bei DIS - Herausforderung und Chance des körperzentrierten interaktionellen Ansatzes In meiner klinischen Arbeit setze ich ein von mir entwickeltes Konzept (Scherholz 2024) um, das die Methodik und Theorie des Moving Cycles nach Caldwell (2016, 2024) für die Gruppentherapie adaptiert und integriert. Meine traumatherapeutische Haltung und Vorgehensweise ist bindungsorientiert (Scherholz 2015, 2021). Das therapeutische Beziehungsangebot orientiert sich an Attunement und Adjustment nach Kestenberg (Kestenberg / Sossin 1977; Loman 2007; Eberhard-Kaechele 2007) und geht entwicklungsfördernd auf die psychomotorischen Bewegungsorganisationsmuster nach Bartenieff (Kennedy 2014) ein. Die therapeutische Ausrichtung ist stabilisierend und ressourcenorientiert. Behandlungsziel ist der Gewinn an kohärenter Selbstverkörperung, wie es u. a. von Eberhard-Kaechele (2009; 2013; 2020) für traumatherapeutische Ansätze der Tanztherapie benannt wird. Unter Einbeziehung sensorischer Aktivierung möchte ein nicht überfordernder Zugang zum Körperselbst und zu Eigenbewegung gewonnen werden, um Spannungsbzw. Affektmodulation und -regulation, Selbstwirksamkeit und Selbstregulation sowie eine angemessene Beziehungsregulation anzuregen. Leitendes therapeutisches Anliegen ist die ganzheitliche Integration des Selbst. Tanz- und körpertherapeutische Schwerpunkte bei sozialer Isolation und Körperabwehr Für eine Veränderung der Kompensationsstrategien „soziale Isolation“ und „Abwehr des spürenden Körpers“ hat sich in meinen tanz- und bewegungstherapeutischen Gruppen mit DIS-Patient: innen die Integration folgender therapeutischer Schwerpunkte bewährt: ● Das interpersonale Lernen und die Entwicklung von Gruppenkohäsion ● Das System des sozialen Engagements und die Erfahrung von Reziprozität ● Das Gewahrsein seiner selbst und erprobendes Handeln ● Das optimale Erregungsniveau und sensorische Verarbeitung ● Propriozeption, Interozeption und Exterozeption für innere und äußere Orientierung ● Die Aktivierung der Körpergelenke für Spannungsmodulation und Körperkohärenz ● Die Toleranz gegenüber Vielfalt für innere Kommunikation und Kooperation Im Folgenden werden diese Schwerpunkte theoretisch und durch Fallbeispiele erläutert. Das interpersonale Lernen und die Entwicklung von Gruppenkohäsion Die Psychotherapieforschung betont den Wert des interpersonalen Lernens in Gruppen (Yalom 2021). Die Bewegungsgestaltungen der Mitpatient: innen sowie der Austausch über individuelle Erfahrungen und Erkenntnisse erweitern die eigene Perspektive. Selbstwirksamkeitserfahrungen werden geteilt und können bei den anderen Selbstwirksamkeitserwartungen entstehen lassen. Um die Gruppenkohäsion zu fördern, nimmt die therapeutische Person eine haltende Funktion im Hintergrund und indirekte Mittlerrolle für eine gelingende, respektvolle Gruppeninteraktion ein (Yalom 2021, 42). Therapeutisch sollten Spontaneität, aufrichtiger Ausdruck, Offenheit, Interesse sowie Empathie vorgelebt und zwischen den Patient: innen gefördert werden (Yalom 2021, 148 ff ). Die therapeutische Gruppe ist Ort eines vielfältigen Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehens, welches das Alltagserleben der Patient: innen widerspiegelt. Eine gelingende, konstruktiv-kritische interaktionelle Auseinandersetzung mit den Übertragungsdynamiken in der Gruppe kann bewirken, dass DIS-Betroffene ihre phobisch geprägten, unflexiblen Reaktionen überprüfen und hinterfragen. Ambivalenzen durch verschiedene Handlungsimpulse in- 144 Antje Scherholz 3 | 2025 nerhalb des inneren Systems können bewusster wahrgenommen, neu bewertet oder eingeordnet werden. Im Erstkontakt im tanztherapeutischen Einzelsetting benannte Herr G die beständige Sorge vor großer Verletzung und Beschämung in sozialen Gruppen, zudem beschrieb er ein aversives Gefühl gegenüber einer inneren EP („kleiner trauriger Junge“), der sich bedürftig nach Trost und Zugewandtheit zeigt. In der Gruppe fiel es Herr G generell schwer, in Kontakt mit den Mitpatient: innen zu treten. Er blickte kaum auf, wirkte starr in seinen Bewegungen, die durch überhöhte Spannung geprägt waren. In einer Gruppeneinheit entstand ein interaktionelles Spiel, bei dem ein Gegenstand von einer zur anderen Person wanderte: zunächst über ein einfaches Überreichen, später in kreativen, spielerischen Variationen. Zeigte sich Herr G zunächst sehr vorsichtig und starr, wurde er im Verlauf in Haltung und Bewegung ein wenig weicher, er zeigte ab und an ein Lächeln. Nach einiger Zeit löste sich die anfängliche Kreisformation auf, und die Patient: innen bewegten sich individuell durch den Raum, während der Gegenstand weiter die Person wechselte. Ab dem Moment wirkte Herr G verloren, ging in den inneren Rückzug, verblieb mehr am Rand des Raumes, nahm keinen Kontakt auf. Als eine Mitpatient: in dennoch auf ihn zukam und ihm den Gegenstand behutsam wie ein Geschenk überreichte, zeigte er sich berührt und hielt für einen Moment inne. Er trug dann den Gegenstand eine Weile bei sich, fest am Körper, ging anschließend aktiv auf einen Mitpatienten zu, sah ihn an und gab ihm den Gegenstand vorsichtig weiter. Herr G wurde präsenter, und die Starrheit wurde schwächer. Er bewegte sich nicht mehr ausschließlich am Rand und nahm wacher und aktiver am Geschehen teil. In der Reflexionsrunde sagte er, dass er sich erstmals als Teil der Gruppe, sich angenommen und sicher gefühlt habe. Das kenne er eigentlich nicht. Als Mitpatient: innen ihm rückmeldeten, wie angenehm es gewesen sei, ihn so präsent und mit seiner Freude zu erleben, zeigte sich Herr G sehr berührt. Er benannte weinend, dass er immer denke, er sei für alle nur eine Last und Zumutung. In der nächsten Gruppensitzung erzählte er, dass er sich seinem „kleinen Jungen“ erstmals habe tröstend zuwenden können. Sonst habe er ihn ignoriert oder wütend auf ihn reagiert. Trost und liebevolle Zuwendung zu diesem inneren Anteil blieben ab dem Zeitpunkt ein wichtiger Fokus. Am Ende der Behandlung konnte er den sicheren und vertrauten Gruppenraum nutzen, um sich aktiv und für alle sichtbar selbst mit einer Decke tröstenden, umhüllenden Schutz und Geborgenheit zu schenken. Er beschrieb berührt, dass ihm dabei ganz warm im Herz- und Bauchraum geworden sei und er sich mit sich selbst ganz verbunden gefühlt habe. Das System des sozialen Engagements und die Erfahrung von Reziprozität Laut Porges und dessen Polyvagal-Theorie (Porges/ Van der Kolk 2010) ist die Aktivierung des Systems des sozialen Engagements Voraussetzung für das Erleben von Reziprozität, eines empathischen Gesehen- und Angenommen- Werdens durch das soziale Umfeld (Van der Kolk 2024, 97). Dieses System ist die erste von drei Reaktionsweisen auf Unsicherheit oder Gefahr, die durch das autonome Nervensystem als grundlegende, physiologische Zustände initiiert werden. Das Sicherheitsgefühl in einer Situation bestimmt, welche der Reaktionsebenen aktiviert wird. Das System des sozialen Engagements wird als erstes angeregt, um gegenseitige soziale Resonanz zu evozieren, Einvernehmen herzustellen oder ggf. Unterstützung, Schutz, Trost zu erhalten. Misslingt dies, findet als zweiter Schritt eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems statt (Hyperarousal), und die Überlebensstrategien Kampf oder Flucht werden initiiert. Falls diese Reaktionen die Gefahrensituation nicht auflösen Interaktionelle Resonanzerfahrung in der Tanztherapiegruppe 145 3 | 2025 können, schaltet der Organismus, mittels Aktivierung des parasympathischen Nervensystems (Hypoarousal), auf die dritte Reaktionsebene um. Es erfolgen überlebensabsichernde Immobilisation oder Ohnmacht (Ogden et al. 2010, 69 ff; Van der Kolk 2024, 99 ff ). In der Tanztherapiegruppe kann mit entstehender Gruppenkohäsion Reziprozität, das empathische Gesehen- und Angenommen-Werden durch die soziale Gemeinschaft, erfahren werden und ein Sicherheitsgefühl bewirken. Die damit einhergehende Beruhigung des Körpers ist notwendig, um sich aus traumaassoziierten Wahrnehmungs- und Handlungsmustern lösen zu können (Van der Kolk 2024., 97). Die Anregung des Systems des sozialen Engagements sowie von Reziprozität kann in der Tanztherapiegruppe sehr unterschiedlich erfolgen. Eine Möglichkeit der Anregung des Systems des sozialen Engagements kann ein kurzes, interaktives Ballspiel zu Beginn der Therapieeinheit sein, um die Wahrnehmung der Teilnehmenden für die Gruppe zu öffnen: Der Ball rollt zunächst von einer Person zur anderen, sowohl beim Abgeben als auch beim Annehmen wird kurz Blickkontakt aufgenommen. Des Öfteren entstehen nach einiger Zeit Variationen, die von Patient: innen initiiert und von den anderen aufgegriffen werden. Auf diese Weise bilden sich gruppenspezifische Gestaltungen, die auf beginnende Reziprozität hinweisen. Zum Beispiel entwickelt eine Gruppe verschiedene Regeln, eine andere nimmt andere Materialien zur Interaktion hinzu, eine weitere beginnt, sich vom Platz in den Raum zu bewegen. Eine andere Möglichkeit ist ein gemeinsames Durchbewegen der einzelnen Körperteile, das zunächst von mir als Therapeutin angeleitet wird. Darauf kann eine Phase folgen, in der nacheinander jede teilnehmende Person eine „Lieblingsbewegung“ vorstellt, die von den anderen aufgegriffen und ggf. variiert wird. Auch hier können weitere gruppenspezifische Weiterführungen entstehen. Wenn ein Einstieg mit direkter Bezugnahme aufeinander überfordernd erscheint, kann ein Gehen bzw. Bewegen durch den Raum ein möglicher Einstieg sein. Sinkt währenddessen das überhöhte Erregungsniveau, kann zu einem Pendeln der Aufmerksamkeit zwischen Selbstwahrnehmung und Wahrnehmung der sozialen Umgebung eingeladen werden. Hieraus erwächst z. B. als Weiterführung ein beiläufiges, spielerisches Begrüßen untereinander. Auch hier entstehen häufig gruppenspezifische Weiterentwicklungen dieses interaktionellen Miteinanders. Das Gewahrsein seiner selbst und erprobendes Handeln Die oben genannten Beispiele wecken das nicht wertende Gewahrsein seiner selbst im handelnden, spürend-empfindenden, gegenwärtigen Moment in Resonanz mit der sozialen Umgebung (Geuter 2019, 117 ff ). Aufkommende traumaassoziierte Glaubenssätze (z. B. „für andere eine Last zu sein“ oder „sich nicht abgrenzen zu dürfen, da das andere verletzt“) können unter der Bedingung dieser Präsenz im sicheren Gruppenkontext realisiert, überprüft und hinterfragt werden. Bei sozialer Unsicherheit oder konfliktbesetztem Erleben ermutige ich, dies in der Patient: innenrunde anzusprechen, um den eigenen Eindruck aktiv zu überprüfen. Bewegungsimpulse, die sonst eher unterdrückt werden, können im sicheren Rahmen der Gruppe erstmalig erkundet und erprobend ausgestaltet werden. Erprobendes Handeln setzt sich gelegentlich in einer kreativen Exploration fort - besonders wertvolle Momente, die therapeutisch gefördert werden. Frau J unterdrückt immer ihre kämpferischkraftvollen Impulse aus Sorge, „die Aggression“ nicht kontrollieren zu können und das Gegenüber zu zerstören (Einschätzung der ANP gegenüber einer EP). In einer zunehmend spontanen Gruppenaktion deutet sie mit ihren Händen zaghaft eine wegschiebende Be- 146 Antje Scherholz 3 | 2025 wegung gegenüber einer vertrauten Mitpatientin, Frau-S, an. Diese geht spontan darauf ein, und beide treten mit den Händen, zunächst vorsichtig, dann zunehmend kraftvoll in eine schiebende Interaktion ein. Mal schiebt die eine, mal die andere die Partnerin vor sich her, oder es kommt zu einem kraftvollen statischen Gleichgewicht. Beide zeigen sich zunehmend freudig beteiligt. Das animiert andere Patient: innen, auch in kraftvolle Paar-Interaktionen zu gehen. In der Reflexionsrunde äußert sich Frau- J zunächst unsicher, ob ihre Aktion „für andere zu viel gewesen sei.“ Erstaunt hört sie von Mitpatient: innen, wie anregend ihre Kraftaktion mit Frau S gewesen sei. Auch Frau-S meldet ihr zurück, sich gefreut zu haben, „endlich mal kraftvoll sein zu dürfen“. Frau J reflektiert diese Szene im späteren Behandlungsverlauf als „einschneidendes Erlebnis“. Sowohl die überraschend eingestimmte nonverbale Interaktion mit Frau S als auch die Erfahrung, dass kämpferische Kraft nicht Stress und Vernichtung, sondern Einvernehmen, gemeinsame Freude und Kraftpotenzierung ausgelöst habe, spüre sie nachhaltig und habe sie im „Inneren etwas entspannt und ruhiger werden lassen“. Auf für sie noch nicht fassbare Art sei ein Moment von Sicherheit entstanden. Negierte bzw. dissoziierte Bedürfnisse und Handlungsimpulse von Persönlichkeitsanteilen können auf diese Weise in der Tanz- und Bewegungstherapie-Gruppe sicher erprobt bzw. erkundet werden. Die damit zusammenhängenden Selbst- und Beziehungsregulationsmuster werden im gegenwärtigen sozialen Moment der Reziprozität überprüfbar und können ggf. relativiert werden. Reziprozität und das optimale Erregungsniveau für sensorische Verarbeitung Ein aktiviertes System des sozialen Engagements ermöglicht ruhigere, flexiblere und dadurch adaptivere Allgemeinzustände (Ogden et al. 2010), die das Erregungsniveau in die Zone der optimalen Erregung, des „Toleranzfensters“ nach Siegel (2015), führen. Die damit einhergehende Beruhigung (bei Hyperarousal) oder anregende Aktivierung (bei Hypoarousal) der Erregung geht mit der Erfahrung von Reziprozität einher. Das mittlere Erregungsniveau des Toleranzfensters ist erforderlich, um sensorische Reize differenziert aufzunehmen, eine optimale Lern- oder Leistungserfahrung zu ermöglichen sowie Emotionen und Stress zu verarbeiten (Ogden et al. 2010, 66 f ). Die Atmosphäre der Gruppe war zu Beginn sehr bedrückt und schwer. Die Patient: innen berichteten von Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit bei innerer Anspannung und Dauererregung. Vermehrt befanden sich die Teilnehmenden im inneren Rückzug. Ich holte ein zu einem großen Kreis geknüpftes Tau und legte es in den Sitzkreis. Ich bat um Rückmeldung, ob sie sich vorstellen könnten, mit diesem Material zu arbeiten. Als alle zustimmten, betonte ich, dass jederzeit das Seil losgelassen und auch wieder gegriffen werden könne und ebenso aktiv Pausen gesetzt werden könnten. Zunächst war das Geschehen von Nehmen (Greifen), Halten und Loslassen (erste Spannungsmodulation, Selbstwirksamkeit) geprägt, dann begannen einige Patient: innen, sich nach hinten zu lehnen oder zu ziehen. Es entstand ein kreativer Fluss von kraftvollem Ziehen, sich mit Gewicht ins Seil hängen hin zu wieder spielerischen Momenten des Ziehen- Lassens (Abfluss überhöhter Spannung, beginnende Spannungsregulation). Schließlich endete dieser interaktionelle Bewegungsfluss in einer kraftvollen, eingestimmten Aktion, bei der abwechselnd eine Patient: in von der restlichen Gruppe wie ein: e Wasserskifahrer: in durch den Raum gezogen wurde. Statt innerer Rückzug, Bewegungslosigkeit und depressive Stimmung erfüllten nun Reziprozität, Vitalität und Lachen den Raum, und das Erregungsniveau schwang im Toleranzfenster. Diese Gruppenerfahrung des unaufwändigen Auftauchens Interaktionelle Resonanzerfahrung in der Tanztherapiegruppe 147 3 | 2025 aus der Hoffnungslosigkeit, Überforderung und des Lösens aus Übererregung wurde von den Teilnehmer: innen als überraschend und eindrücklich reflektiert. Einige benannten die Erkenntnis, dass das soziale Miteinander unterstützend und inspirierend gewesen sei. Das widerspreche eigenen Befürchtungen und relativiere Glaubenssätze. Propriozeption - Interozeption - Exterozeption für innere und äußere Orientierung Sensorische Reize bilden die physiologische Grundlage für leibliche Resonanz und Selbstverkörperung (Fogel 2013, 75 ff ). Wir realisieren, wie und wo wir uns befinden (Propriozeption) und können zwischen einem innerem (Interozeption) und äußeren (Exterozeption) Geschehen unterscheiden (Fogel 2013). Wir gewinnen eine grundsätzliche Orientierung über uns selbst und erfahren unseren eigenleiblichen Raum als abgegrenzt von außen (Fuchs 2018). Scaer (2014, 77 f ) beschreibt die Verzerrung propriozeptiver Wahrnehmung als häufiges dissoziatives Phänomen, das u. a. mit einer gestörten Integrität der leiblichen Grenzen einhergeht. Traumatische Verletzungen der Körpergrenzen werden im impliziten propriozeptiven Gedächtnis gespeichert und können bei schweren, frühen Traumata (z. B. das Erleiden von sexueller oder körperlicher Gewalt) den gesamten Körper betreffen (Scaer 2014, 89). Die behutsame, teils beiläufige, therapeutische Anregung von Propriozeption, Interozeption und Exterozeption ist aus diesen Gründen in jeder meiner tanz- und bewegungstherapeutischen Gruppen, meist beim Einstieg in die Bewegungsexploration, enthalten. Ich rege oft zu einem basalen Aufwecken von Propriozeption und Interozeption im Hier und Jetzt über spielerische Gewichtsverlagerung sowie ein Recken und Strecken an. Der darin enthaltene physiologisch-sensorische Schwerpunkt und die beiläufige Körperschema-Aktivierung dämmen die Gefahr vor Affektüberflutung ein. Die Bewegung kann im Gehen, im Stehen, Sitzen oder Liegen beginnen, je nachdem, wofür die Teilnehmenden sich individuell entscheiden und / oder in welcher Position sie sich gerade befinden. Jedes Gruppenmitglied bestimmt die eigene Form der Umsetzung und achtet auf seine Ressourcen. Das kann von einem Zusehen über kleine eher angedeutete Körpergesten bis hin zu großen Bewegungen gehen, von Gewichtsverlagerung über Spielen mit Balance bis zu einem Rollen über den Boden sein. Meine Rolle ist, individuelle (teils unterdrückte) Bewegungsimpulse zu stärken, indem ich diese spiegelnd in meinen Bewegungen aufgreife oder verbal spiegele. Auf diese Weise entsteht z. B. bei einer Patientin ein raumgreifendes Recken in verschiedene Raumrichtungen, während bei einem Patienten nach einem Strecken der Arme ein Lockern und Schütteln erfolgt. Eine weitere Teilnehmerin verdreht ihren Oberkörper zur Seite, geht in vorwölbende und aushöhlende Bewegungen, beginnt ihre Schultergelenke zu kreisen. Ein anderer Patient macht sehr kleine Bewegungen mit der Wirbelsäule und geht in kleine Gewichtsverlagerung vor und rück usw. Wieder eine andere Teilnehmerin spielt sitzend mit Gewichtsverlagerung von rechts nach links, indem sie sich zur einen Seite fallen lässt, mit den Händen auffängt und zur anderen Seite hin abstößt, um das auf dieser Seite zu wiederholen. Bei ihr ist die Exterozeption des Bodens hinzugekommen. Das ressourcenorientierte Aufwecken von Propriozeption, Interozeption und Exterozeption ist oftmals der Grundstein für nicht belastende Körperwahrnehmung oder -zuwendung, wovon die spätere Bewegungsexploration profitiert. Viele Patient: innen mit DIS beschreiben ein eindimensionales Körpergefühl. Nach wiederholender Praxis von Proprio- und Interozeption kann der Körper häufig als dreidimensionaler, umgrenzter und somit resonanzfähiger Raum realisiert werden. Aus dem Erleben eines eigen- 148 Antje Scherholz 3 | 2025 leiblichen, abgegrenzten Raums resultiert wiederum nicht belastende Exterozeption. In meiner Praxis markiert häufig das erste Spüren des dreidimensionalen Körperraums den Moment, ab dem DIS-Patient: innen in einen inneren Dialog eintreten können. Die Aktivierung der Gelenkverbindungen für Spannungsmodulation und Körperkohärenz Oft gehen diese Bewegungen der o. g. Gewichtverlagerung und des Reckens und Streckens mit vermehrter Bewegung in den Gelenken einher, die von mir spiegelnd aufgegriffen und integriert wird. Die Aktivierung der Gelenkverbindungen stimuliert den Vagus-Nerv, welcher eine Schlüsselrolle bei der Regulation des autonomen Nervensystems spielt. Es ermöglicht, gehaltene Spannung oder muskuläre Blockaden zu lösen und Körperkohärenz zu gewinnen. Bei der Aktivierung von Gelenkverbindungen wendet sich die Aufmerksamkeit eher beiläufig auf den Körper und das Spüren der eigenen Bewegung. Das vermindert die Gefahr von Affektüberflutung. Die Atmung der Patient: innen vertieftsich,Spannung beginntsichzu modulieren. Währenddessen entwickelt sich häufig ein Gähnen. Der damit einhergehende erhöhte Fluss von Oxytozin und diversen Neurotransmittern, u. a. Serotonin, evoziert Gefühle der Entspannung und des Wohlbefindens (Fogel 2013, 57). Gähnen aktiviert das interozeptive neuronale Netzwerk und schafft auf diese Weise „die Voraussetzung für das Auftauchen verkörperter Selbstwahrnehmung.“ (Fogel 2013, 57) Der Rückgewinn des sensorischen, motorischen, körperbezogenen Zugangs zu sich selbst sowie die Re-Aktivierung von sozialer Reziprozität, wie es die Trauma-adaptierte tanztherapeutische Gruppe bieten kann, sind bedeutend für die Verarbeitung von Traumata (Van der Kolk 2024). Das verweist auf die große Chance der gruppentherapeutischen Tanz- und Bewegungstherapie bei der Behandlung von DIS. Anregung von Toleranz gegenüber Vielfalt für innere Kommunikation und Kooperation Wichtiges Behandlungsprinzip bei DIS ist die Beachtung des gesamten Persönlichkeitssystems (Gast/ Wabnitz 2023, 132) sowie die aktive Einbeziehung abgespaltener Persönlichkeitsanteile in die Therapie (Gast/ Wabnitz 2023, 64). Für die Entwicklung von Toleranz gegenüber (innerer) Ambivalenzen wird tanztherapeutisch zum Erkunden und Entdecken von Vielfalt eingeladen. In der Gruppentherapiepraxis erweisen sich hierfür die Mitteilnehmenden als wertvolle Inspirationsquelle. Die Förderung innerer und äußerer Kommunikation sowie intra- und interpsychischer Resonanz ist in der tanztherapeutischen Gruppe mit DIS weiterer Bestandteil der Behandlung. Das impliziert für die Tanz- und Bewegungstherapie die Integration getrennter, emotional-motorischer Modi, die während der Tanztherapie sichtbar werden. Interventionen, die gegensätzliche Qualitäten in der Haltung und Bewegung explorieren, fördern die Integration. Die Aufmerksamkeit wird u. a. auf die Übergänge zwischen kontroversen Qualitäten gelenkt, um die gegenseitige Bedingtheit diametraler Pole und deren Verbindung durch ein Kontinuum zu entdecken. Hier steht der Tanztherapie mit der Bewegungsanalyse nach Laban (Laban 2003; Bender 2021) mit seiner Kategorisierung von Bewegungskomponenten, z. B. der ankämpfenden oder erspürenden Nutzung eines Bewegungsantriebs, ein wertvolles diagnostisches und methodisches Instrument zur Verfügung. Beim Erproben gegensätzlicher Bewegungsqualitäten entdecken Patient: innen, was diese kontroversen Komponenten jeweils bergen. Dies regt zur Toleranz gegenüber eigenen Ambivalenzen im inneren System an. Gegenläufiges darf nebeneinander stehen, eine Haltung des „Sowohl-als-auch“ beginnt das vorherige rigide „Entweder-oder“ abzulösen. Interaktionelle Resonanzerfahrung in der Tanztherapiegruppe 149 3 | 2025 Oftmals hat das Miterleben der anderen Teilnehmenden bei deren Bewegungsgestaltungen einen inspirierenden, einladenden Charakter. Neugierde wird geweckt, und es entwickelt sich Interesse, eine bestimmte Qualität selbst, ggf. erstmalig, auszuprobieren. So kann es sein, dass die ANP eine Handlung umsetzt, die ansonsten negiert wird oder dissoziativ von einem EP ausgestaltet wird. Auf diese Weise wird der Dialog im inneren System angeregt, und emotionale sowie handelnde Vielfalt beginnt, im Selbst integriert zu werden. Abschließende Worte Die in den Praxisbeispielen geschilderten Gruppentherapie-Erfahrungen von Gemeinsamkeit bei Individualität hat sich in meiner therapeutischen Praxis als zentrales Element für den Gewinn an innerer Kommunikation, Kooperation und Kohäsion herauskristallisiert. Patient: innen mit DIS reflektieren das Gruppengeschehen, indem sich Verschiedenheit (individuelle Umsetzung) bei Gemeinsamkeit (gleicher Fokus) abbildet, meist als wichtige Erfahrung für beginnende Toleranz gegenüber ambivalenten inneren Bestrebungen. Viele Patient: innen verbinden mit dieser Erfahrung zudem das Gefühl von „Daseinsberechtigung“. Abschließend möchte ich betonen, dass diese Ausführungen nur einen kleinen Teil des komplexen Geflechts an Interventionen abbilden, die an der tanz- und bewegungstherapeutischen Gruppen-Behandlung von DIS beteiligt sind. Überaus wichtig ist bei dem hier vorgestellten tanztherapeutischen Gruppenkonzept eine hohe therapeutische Wachheit für dissoziative Dynamiken. Patient: innen sollten frühzeitig unterstützt werden, diese zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Jegliches „Aushalten“ sowie Übergehen der eigenen Grenzsignale sollte therapeutisch gespiegelt und zugewandt begrenzt werden, da sonst traumaassoziierte Muster verstärkt werden. Das kann bedeuten, dass der Fokus der gesamten Behandlungszeit ausschließlich darauf liegt, selbstbestimmt und die eigene Erregung regulierend in das Gruppensetting oder die aktive Teilnahme ein- und auszutreten. Therapeutische Geduld und das Wertschätzen kleiner Schritte ist daher unabdingbar. Diese Vorgehensweise kann zu Konflikten mit betroffenen Patient: innen führen, da insbesondere alltagsorientierte ANPs die „schnelle Lösung“ und ein „gutes Funktionieren“ präferieren. Hier haben sich u. a. Validierung sowie psychoedukative Erläuterungen als hilfreich und unterstützend erwiesen. Diese hier dargestellte Vorgehensweise fordert, Interventionen zu einem bestimmten Gruppenthema am Strukturniveau und integrativen Fähigkeiten der Beteiligten auszurichten und mehrere Möglichkeiten der Exploration zu einem patient: innenübergreifenden Thema zur Verfügung zu stellen. Es wird ein weiterer Artikel folgen, der sich dieser Herausforderung im Umgang mit der dissoziativen Symptomatik und deren Erscheinungsbild in der tanz- und körperpsychotherapeutischen Gruppe widmet sowie hierzu eine spezifische Vorgehensweise vorstellt. Literatur Bender, S. (2021): Die psychophysische Bedeutung der Bewegung: Ein Lehrbuch der Laban Bewegungsanalyse und des Kestenberg Movement Profiles. 4. überarb. Aufl. Logos, Berlin Caldwell, C. (2024): Conscious moving: An embodied guide for healing, learning, contemplating, and creating. North Atlantic Books, Berkeley Caldwell, C. (2016): The moving cycle: A second generation dance / movement therapy form. American Journal of Dance Therapy 38 (2), 245-258, https: / / doi.org/ 10.1007/ s10465-016-9220-6 Eberhard-Kaechele, M. (2020): Von einer Frau, die auszog, um das Fürchten zu lernen. 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