körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/ktb2025.art23d
9_013_2025_4/9_013_2025_4.pdf101
2025
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Fachbeitrag: Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie
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2025
Thomas Scheskat
Die Körperpsychotherapie kann einen wertvollen Beitrag dazu leisten, einen konstruktiven Umgang mit Aggression und Gewalt zu finden. Dies kann sie zum einen auf einer theoretischen Ebene und zum anderen mit praktischen Methoden erreichen. In diesem Artikel wird als Beispiel für beides der Ansatz zur Aggression als Ressource herangezogen, wie ihn der Autor zusammen mit Kolleg:innen in langjähriger Zusammenarbeit entwickelt hat. Hierfür wird die Aggressions-Dialog-Arbeit als Übungssystem verwendet. Mit Aufstellungen und Kontaktübungen werden Aggressionsthemen in sicheren Rahmensettings erfahrbar, verstehbar und handhabbar gemacht. Sie werden als Dialogische Konfrontationen beschrieben. Im vorliegenden Text wird aufgezeigt, was der spezifisch körperpsychotherapeutische Beitrag zum Thema sein kann.
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Fachbeitrag 160 körper-- tanz-- bewegung 13. Jg., S. 160-179 (2025) DOI 10.2378/ ktb2025.art23d © Ernst Reinhardt Verlag Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie Thomas Scheskat Die Körperpsychotherapie kann einen wertvollen Beitrag dazu leisten, einen konstruktiven Umgang mit Aggression und Gewalt zu finden. Dies kann sie zum einen auf einer theoretischen Ebene und zum anderen mit praktischen Methoden erreichen. In diesem Artikel wird als Beispiel für beides der Ansatz zur Aggression als Ressource herangezogen, wie ihn der Autor zusammen mit Kolleg: innen in langjähriger Zusammenarbeit entwickelt hat. Hierfür wird die Aggressions-Dialog-Arbeit als Übungssystem verwendet. Mit Aufstellungen und Kontaktübungen werden Aggressionsthemen in sicheren Rahmensettings erfahrbar, verstehbar und handhabbar gemacht. Sie werden als Dialogische Konfrontationen beschrieben. Im vorliegenden Text wird aufgezeigt, was der spezifisch körperpsychotherapeutische Beitrag zum Thema sein kann. Schlüsselbegriffe Aggression, Gewalt, Körperpsychotherapie, Körper-Dialog, Aggression als Ressource Poisoned and Detoxified Aggression in Body Psychotherapy Body psychotherapy can make a valuable contribution to find constructive ways of dealing with aggression and violence. It can achieve this both on a theoretical level and through practical methods. This article uses the approach of understanding aggression as a resource, developed by the author and colleagues over many years of collaboration, as an example of both. For this purpose, Aggression Dialogue Work is presented. Constellations and contact exercises make aggression issues tangible, understandable, and manageable in safe settings. They are described as dialogic confrontations. This text demonstrates the specific contribution body psychotherapy can make to this topic. Key words aggression, violence, body psychotherapy, body dialogue, aggression as a resource Ursprung und Hintergrund der Aggressions-Dialog-Arbeit W enn ich über unseren Übungsansatz der körperbasierten Aggressions-Dialog-Arbeit in der Wir-Form schreibe, sind die Kollegen und Kolleginnen gemeint, die an der Entwicklung und ständigen Weiterentwicklung des Übungsansatzes in verschiedenen Bereichen beteiligt waren oder noch sind. Zusammen mit Matthew Speyer begann die Entwicklung 1990 in freien körperorientier- Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 161 4 | 2025 identifizieren kann. Dazu gehört auf der Schattenseite die Auseinandersetzung mit den destruktiven, unter Umständen furchtbaren Seiten dieses inneren Anteils, die sonst oft verleugnet bleiben bzw. unterschwellig oder offen agiert zerstörerisch wirken. Die Auseinandersetzung mit Kraft und ihren Schattenseiten führte zur Erkenntnis, dass sie letztlich nur in dialogischer Begegnung mit einem Gegenüber fruchtbar werden kann. Deshalb sprechen wir von der Bedeutung des Dialog-Prinzips und nennen unseren Ansatz Aggressions-Dialog-Arbeit. Wie ich später noch ausführe, ist die dialogische Arbeit in konfrontativer Begegnung schlüsselhaft dafür, dass sich destruktiv ausgerichtete Handlungsmuster in konstruktive Konfliktkompetenz wandeln lassen. Der Beitrag auf der theoretischen Ebene Zum Begriff und Verständnis von Aggression und Gewalt Im Kern wollen wir mit unserem Arbeitsansatz Menschen unterstützen, ihre Konfliktbereitschaft in Verbindung mit Dialogfähigkeit zu entwickeln. Dabei entsteht eine Qualität, die wir in Anlehnung an Geuter (2019) Aggressionskompetenz nennen (vertiefend hierzu Scheskat 2020, 21 f ). Wir stützen uns in Bezug auf die körperpsychotherapeutische Einbettung unserer Arbeit auch generell auf die umfassenden theoretischen Arbeiten von Geuter zu den gemeinsamen Grundlagen der verschiedenen körperpsychotherapeutischen Disziplinen (Geuter 2015, 2019), so auch zum (subjektiven) Energie-Begriff in der KPT (Scheskat 2020, 24 f ) oder zum Embodied Mind (Scheskat 2020, 23). Wir folgen dabei dem Gedanken, dass die Körperpsychotherapie eher eine psychologisch-philosophisch als eine biologisch begründbare Disziplin darstellt (Geuter 2015, 5 f ). Geuter formuliert zentrale Aspekte für die körperpsychotherapeutische Arbeit mit Aggresten Seminaren für Männer, mit Heide Gerdts wurde der Aggressionsfokus 1996 in Begegnungsseminare für Männer und Frauen eingeführt. Ab 2007 begann die Anwendung in der Forensisch-Psychiatrischen Klinik Moringen mit Martina Kronenberger, was seit 2018 mit Elke Knoblauch in einem erweiterten Team weitergeführt wird. Dort fungieren die Übungssets als Einstieg in Prozesse der emotionalen Öffnung und zur Unterstützung eines Persönlichkeitsnachreifungsprozesses mit dem Ziel einer verbesserten Selbstverantwortung und generellen Verantwortungsfähigkeit. Die Arbeit findet unter Abstimmung oder auch Beteiligung mit den Stationstherapeut: innen statt. Parallel verwenden wir den Ansatz auch in intervisorischen Einzel- und Gruppensettings mit den Berufsgruppen, die im Patient: innenkontakt stehen. Dort dient dies der Psychohygiene und Stressregulation. In allen Feldern wird sowohl in Einzelals auch in Gruppensettings beratend, coachend oder therapeutisch gearbeitet (vertiefend zu den Arbeitsfeldern siehe Scheskat 2020, 143 ff ). Aktuell arbeiten wir zusammen mit Kolleg: innen aus Schulpädagogik, Coaching und Männerbildung an einem Trainingskonzept zu unserem Ansatz. Aus diesem Kreis hat besonders Volker Nietfeld die Arbeit an diesem Artikel unterstützt. Zu Beginn der Entwicklung trugen wir verschiedene Übungsmethoden für die Körperarbeit mit Aggression zusammen und nutzten sie dazu, einen bestimmten Ärger auszudrücken, eine Vitalisierung zu erreichen oder eine verdrängte Wut aufzudecken. Mit der Zeit erkannten wir, dass sich das angesammelte Repertoire auch für ein eigenständiges Themenkonzept anbot. Nämlich dafür, dass Teilnehmende sich grundsätzlich mit ihrem aggressiven Potenzial beschäftigen, um darin zu einem wesentlichen Teil des eigenen Selbst zu finden. Wir gewannen die Vorstellung, dass es so etwas wie das „Kraft- Ich“ als Anteil in jedem Menschen gibt, das nur dann zur vollen und dabei fruchtbaren Wirksamkeit kommt, wenn man sich auch damit 162 Thomas Scheskat 4 | 2025 sion (2019, 179 ff ). Viele Autoren sähen Aggression als etwas an, das in konstruktiv und destruktiv unterschieden werden solle (Geuter 2019, 185). Nach Geuter stellt in Therapien meist Wut als Emotion den Anlass dar, Aggression als Verhaltensmöglichkeit zu thematisieren. Dabei trage sie „die Absicht, etwas in der Beziehung zu einem Menschen zu verändern“. Geuter zitiert Röhricht, der positive Aggression als ein Verteidigungs- / Problemlösungsverhalten und somit als eine Kompetenz ansieht - was unserer Sicht nahekommt. Aggression, die Beziehung zerstört, statt sie zu stiften, kennzeichnen wir deshalb als vergiftet. Die Qualität dieser Kompetenz misst sich in unserer Sicht daran, wie es gelingt, aggressives Handeln unvergiftet zu halten. Ich gehe noch darauf ein, wie sich dabei unangenehme Zumutung von verletzender Zufügung unterscheiden lässt. Geuter weist auch darauf hin, dass die therapeutische Arbeit mit Ärger und Wut berücksichtigen müsse, wie die Persönlichkeit von Übenden strukturiert ist, d. h. ob oder wie diese z. B. mit Traumata oder Entwicklungsdefiziten überhaupt in der Lage sind, Impulse zu steuern. Hier benennt er die „Aggressionskompetenz“, die nicht durch falsches Ermuntern zu hefigem affektivem Ausdruck überfordert werden dürfe (Geuter 2019, 180). Ich führe dies an, weil die noch folgenden Übungsbeschreibungen den Eindruck erwecken könnten, es ginge uns wesentlich um kathartische Abreaktion. Diese spielt in unserem Rahmen tatsächlich so gut wie keine Rolle. Die Einbindung energetischer Köperaktionen in den dazugehörenden Kontext steht für uns immer im Vordergrund. Wir drängen ausdrücklich nicht zu heftigem Ausdruck, sondern laden dazu ein. Dies ggf. zu verweigern und die Gründe dafür zu verstehen, ist für manche Teilnehmende sogar der aufschlussreichere Weg. Dies spielt bei unseren Vorgehensweisen eine durchgehende Rolle, weswegen es uns gelingt, die von Geuter beschriebene Problematik zu vermeiden, was insbesondere bei der Anwendung im psychiatrischen Kontext wichtig ist. Ich werde versuchen zu zeigen, wie nicht Katharsis im Sinne von Spannungsabbau, sondern die Wendung von Antrieb und Ziel aggressiver Dynamik unsere Absicht kennzeichnet. Für uns bezeichnet die von Geuter genannte Aggressionskompetenz nicht nur die Mindestvoraussetzung für affektmobilisierende Übungen, sondern der Begriff steht auch für das Ziel der Übungsarbeit: die gereifte und zur Dialogfähigkeit beitragende Fertigkeit, aggressive Impulse in sich wahrzunehmen und zu kontrollieren. Dies bedeutet, sie entweder zu hemmen oder bahnend-kontrolliert benutzen zu können. Am Anfang steht die minimale, am idealen Ende die maximale Aggressionskompetenz. Auch wenn es gute Gründe dafür gibt, mit Aggression ausschließlich destruktives und prinzipiell nicht einvernehmliches Verhalten zu bezeichnen, hat sich speziell für unseren Übungskontext noch ein anderer Weg bewährt. Wir verwenden den Begriff der Aggression im Übungskontext in einer der erweiterten lateinischen Urbedeutungen als Herangehen (aggredi = herangehen, aggressio = das Herangehen) und somit in einer nicht wertenden erweiterten Bedeutung. Tatsächlich hat „aggressio“ im Lateinischen eine ganze Palette an Bedeutungen, so etwa als „Anlauf eines Redners“, aber auch im heute gebräuchlichen Sinne von „feindlichem Angriff“ (Menge 1966, 30). Wir sehen in der Aggression als Herangehen die Antriebskraft zum Erreichen von Zielen, zur Aneignung von Begehrtem oder zur Selbstbehauptung, z. B. der Abwehr von Angriffen oder der Verteidigung von Rechten. Die übliche Bedeutung von Aggression als An- oder Übergriff bzw. Grenzverletzung erhalten wir, indem wir bei destruktiven Handlungen von „vergifteter Aggression“ sprechen (zur eingehenden Begriffsdiskussion siehe Scheskat 2020, 17 ff, 198 ff ). Gewalt ist entsprechend das nicht einvernehmliche Überschreiten von Körpergrenzen mit verletzendem Charakter oder die nicht di- Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 163 4 | 2025 rekt körperliche massive Verletzung von Würde und Persönlichkeitsrechten, z. B. durch strukturelle Gewalt. Dagegen abzugrenzen sind Kategorien wie Zumutung oder Herausforderung, etwa durch Kritik oder unbequeme Entscheidungen, die mitunter harte Konflikte erzeugen, aber prinzipiell in dialogischen Prozessen Lösungen finden können. So ermuntern wir in der Aggressions-Dialog-Arbeit den Mut zur Zumutung auf der einen Seite (bis an die Grenze gehen) und die Sensibilität für die Zufügung von Schmerz oder Verletzung auf der anderen Seite (über die Grenze gehen, Grenzen verletzen). Beides ist für Konfliktlösungen wichtig. Auch wenn es mancher aktuellen Aggressionsforschung nicht mehr entspricht, will ich nicht vergessen zu würdigen, dass nach unserer Kenntnis Wilhelm Reich in den 1930er Jahren als erster Aggression eine prinzipiell auch konstruktive Kraft nannte. Er distanzierte sich damit von Freuds Todestrieb-Postulat und wandte sich auch gegen sonstige Auffassungen, die dem Menschen eine angeborene Destruktivität zuschreiben (Reich 1987, 119 ff ). Es existieren zahlreiche Ansätze zur Körperarbeit mit Aggression und damit auch Anlässe zu Diskussionen. Beispielhaft hierzu ist der Artikel von Höhmann-Kost/ Siegele (2015) zu ihrer Arbeit an Aggressionsnarrativen in der Integrativen Leib- und Bewegungstherapie zu nennen. Sie beschreiben weitgehend ähnliche Vorgehensweisen zu denen, die wir hier darstellen. Konsens besteht für uns in der Zielsetzung, bewusst und leiblich mit aggressiven Impulsen und Verhaltensweisen zu arbeiten, so dass eine prosoziale Konfliktlösungskompetenz entsteht. Die Autor: innen bestehen andererseits auf der ausschließlich negativen Bedeutung des Aggressionsbegriffs und lehnen jede Erweiterung im Sinne von wie auch immer „positiver“ Aggression ab (Höhmann-Kost/ Siegele 2015, 3). Als positive Qualitäten, die es gegebenenfalls zu fördern und zu üben gilt, sehen sie stattdessen „angemessene bzw. regulierte Wut ohne Zerstörungs- und Verletzungswillen, Beherztheit, Selbstbehauptung, Durchsetzungskraft, Standhaftigkeit, Mut etc.“ Hierfür wird in der Fachliteratur gerne auch der Begriff Assertion vorgeschlagen (z. B. Dornes 1997, 251 f; Petzold 2003, 5) Warum wir nun begrifflich anders ansetzen, hat damit zu tun, dass unser Ansatz nicht theoriegeleitet, sondern aus unseren unmittelbaren Erfahrungen - den eigenen, wie bei anderen miterlebten - entstanden ist. Dabei sind wir bis heute auf der Suche nach für uns stimmigen Erklärungen und Beschreibungsweisen, finden diese aber nur teilweise in vorgegebenen Modellen. Vorläufig können wir mit unserem Gedankenmodell von vergifteter und unvergifteter Aggression unser Narrativ von der Aggression als einer Ressource am stimmigsten vertreten. Das lässt offen, wie wir im Weiteren zu neuen Sichtweisen kommen, u. U. andere Einordnungen treffen und dann ggf. auch andere Terminologien verwenden würden. Dazu ein Beipielexkurs, wie wir kontrovers diskutierbare Sichtweisen für uns versuchen fruchtbar zu machen. Woher die Idee der Vergiftung von Aggression stammt Die direkteste Anregung für unsere Terminologie der Vergiftung ist dem Psychoanalytiker und Säuglingsforscher Martin Dornes entlehnt, wobei er diese anders als wir verwendet. Er beschreibt eine generelle, angeborene Impulskraft der Selbstbehauptung, die einerseits spontan aus sich heraus Neugier und Exploration antreibe und mit positiven Affekten verknüpft sei. Er nennt sie (mit Bezug auf J. Lichtenberg) Assertion (lat. assertio = Behauptung). Davon unterschieden sieht er Aggression / Aversion als rein reaktiv gegen Bedrohungen oder Ekelerregendes in Form von Rückzug oder Gegenwehr. Es handle sich dabei um zwei unterschiedliche Motivationssysteme, weswegen für beides übergreifend eine Begrifflichkeit wie „konstruk- 164 Thomas Scheskat 4 | 2025 tive Aggression“ abzulehnen sei. Außerdem solle der Begriff der Assertion für das konstruktiv Selbstbehauptende von der meist negativen Bewertung des Aggressionsbegriffes abgrenzbar bleiben (Dornes 1997, 251 f ). Begrifflich interessant wird es für uns, wenn er von der Kontamination der Selbstbehauptung durch Aggression spricht (Dornes 1997, 254), durch welche erst die eigentlich destruktive Aggression entstehe. Diese sei nicht mit instrumenteller Aggression zu verwechseln, mit welcher ein Kind z.B. ein anderes fortschubst, um an dessen Spielzeug zu kommen, ohne es aber persönlich schädigen zu wollen (Dornes 1997, 264). Von spezieller Bedeutung für uns ist Dornes’ Feststellung, dass die „destruktive Aggression ein Entwicklungsschicksal“ sei und nicht aus einem Todestrieb entstehe, wie noch von Sigmund Freud postuliert. Vielmehr bilde sie sich stattdessen erst als Ergebnis negativer Zuschreibungen für normal-assertives Neugier- und Explorationsverhalten von Kindern durch Erziehende, welche die Neugier als schlecht oder böse konnotierten (Dornes 1997, 255). Es erfolge dann das aversiv-aggressive Verhalten des Kindes reaktiv gegen den Eingriff der Erziehungsperson und werde von dieser wiederum erneut als negativ-aversiver Widerstand verurteilt und betraft. So spiele sich quasi kontaminierend eine Spirale der Negativität ein (Dornes 1997, 270). Hier gibt es eine Übereinstimmung mit der von mir an anderer Stelle dargestellten gestalttherapeutischen Sicht (Scheskat 2020, 108 ff ). Was wir daraus beziehen, ist der Gedanke, dass der normal-konstruktive Selbstbehauptungsdrang erst durch Vergiftungseinflüsse im Sozialisationsprozess kontaminiert wird. Und da wäre meiner Ansicht nach auch das aversive Impulssystem in die Selbstbehauptung insgesamt einzubeziehen. (Nicht kontaminierte) Selbstbehauptung sowohl als explorative Weltaneignung als auch als aversive Selbstverteidigung wird somit in unserer Terminologie zur unvergifteten Aggression. Selbstbehauptung schützt beides: das natürliche Recht, die Welt zu erkunden, genauso wie das natürliche Recht, etwas Schädigendes aversiv abzuwehren. Und beides kann im Erziehungsprozess zum Ziel von Unterdrückung werden - von: „Fass das nicht an! “ bis hin zu: „Iss deinen Teller leer! “ Auch für Joachim Bauer (2011) wird niemand aggressiv oder böse geboren, sondern jede: r hat ihre / seine „Schmerzgrenze“, ab der sie / er zum Angriff übergeht. Dies hängt von den individuellen, familiär und (sub-)kulturell geprägten Fähigkeiten ab, Bedürfnisse und Emotionen zu regulieren: „Die Fähigkeit, aggressive Gefühle zu regulieren, ist daher ein zentrales Lernziel jeder Psychotherapie. Der Heilprozess besteht jedoch nicht primär darin, jede aggressive Gestimmtheit des Patienten zu einer Entladung zu bringen. Die primäre therapeutische Aufgabe - jedenfalls bei den meisten derzeitigen Patienten - besteht zunächst darin, die verlorengegangene Sehnsucht nach liebevollen Beziehungen wiederzubeleben. Therapeutische Ermutigungen, Aggressivität zu kommunizieren, haben keinen Sinn (sie sind sogar schädlich), solange Patienten vom Erleben ihrer primären, auf Liebe und Zugehörigkeit gerichteten Motivation abgeschnitten sind.“ (Bauer 2011, 221) Diese Voraussetzung erfüllen wir in unserer Arbeit durch den dialogischen Aufbau in kooperativ angelegten Begegnungen. Das heißt, dass bei der Anwendung in Therapien die Rückverbindung zu den primären Motiven umso gründlicher erarbeitet werden muss, je schwerwiegender die psychische Erkrankung ist. Dabei kann in manchen Prozessen gerade der Ausdruck aggressiver Gefühle wie Hass oder Wut den Zugang zu primären Sehnsüchten öffnen. Dies ist dann kein quasi entleerender oder kathartischer Effekt, sondern der Prozess folgt der Spur der Entgiftung. In unserem Verständnis ist Aggression dadurch auch Antrieb, Brücke und Code zugleich für das „Eigentliche“ - nach Bauer: Liebe und Zugehörigkeit. Auch Bauer hält die Erweiterung des Aggressionsbegriffs aus neurobiologischer Sicht für Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 165 4 | 2025 nicht haltbar, weil das Motivationssystem im menschlichen Organismus, quasi das „aggredi“-System, ein ganz anderes sei als dasjenige, das die Aggression im Sinne des Angriffs steuere. Das konstruktive aktive Aufeinander-Zugehen sei vom Motiv der Zuneigung und der Akzeptanz geprägt, die Aggression hingegen entstehe als Abwehr von körperlichen Schmerzen, aber auch über den psychischen Schmerz durch soziale Ausgrenzung. Er lockert seine Argumentation aber wieder, wenn er auf die kommunikative Funktion der menschlichen Aggression eingeht (Bauer 2011, 63). Sie signalisiere, dass ein von Schmerz oder Ausgrenzung betroffener Mensch nicht bereit oder in der Lage sei, eine soziale Zurückweisung zu akzeptieren. Für diese kommunikative Funktion brauche es aber eine angemessene Form. Trete die aggressive Äußerung am falschen Ort, zur falschen Zeit und in der falschen Dosierung auf, verschärfe sie das Problem, das sie eigentlich beseitigen wolle (Bauer 2011, 63). Dies entspricht nun dem, womit wir unser Konzept der Vergiftung der Aggression begründen. Was wir mit der angreifbaren weiten Fassung des Aggressionsbegriffes erreichen wollen, ist, genau diese kommunikative Funktion der Aggression wie mit einem Brennglas herauszustellen. Wir wollen den weiten Begriff des „aggredi“, also des Auf-den-Anderen-Zugehens, neu aufstellen und von Schwammigkeit befreien. Dafür haben wir das Vergiftungskonzept eingeführt. Wir sehen darin den Wert für die Selbsterforschung des offensiven Handlungspotenzials aus der subjektiven Sicht der Übenden. Die Erweiterung schafft die Erlaubnis, aber auch die Aufforderung, sich konstruktiv mit der eigenen destruktiven Aggression zu befassen, d. h. zu entdecken, was darin an Potenzial verborgen ist. Dazu müssen Verleugnungen genauso wie Verharmlosungen überwunden werden. So kommt Bauer letztlich auch zu der Feststellung in unserem Sinne: „Erfolgreich kommunizierte Aggression ist konstruktiv. Aggression, die ihre kommunikative Funktion verloren hat, ist destruktiv.“ (Bauer 2011, 63) Für unsere Übungsphilosophie ist eine neurobiologische Unterscheidung getrennter Motivationssysteme nicht entscheidend. Vielmehr müssen alle Reaktionsweisen gegenüber anderen verantwortet werden, wie immer positiv oder negativ sie motiviert sein mögen. Letztlich wirkt, was beim Gegenüber ankommt. Was von einer Person gut oder mindestens sachlich gemeint sein mag, wird vom Gegenüber eventuell als Angriff empfunden. Wer beurteilt, ob nun Aggression im Spiel war oder nicht? Vielleicht ist der gutmeinenden Person nicht bewusst, dass sie untergründig gestresst, angespannt, sozusagen subaggressiv in die Begegnung gekommen ist, was wiederum eine aversive Reaktion im Gegenüber auslöst. Derlei geschieht z. B. in Paarbeziehungen ständig, oft sind Elternübertragungen im Spiel. Das bedeutet, dass es ggf. von außen nicht zu klären ist, bei wem welches Motivationssystem aktiv ist. So können sich völlig gegensätzliche Motive im Herangehen an jemanden mischen. Die Annäherung transportiert dann, was wir als Vergiftung bezeichnen, weil es die Verständigung über ein gemeinsames Anliegen stören oder gänzlich sabotieren kann. Nicht zuletzt, weil der Begriff der Assertion bei Patient: innen und Teilnehmenden so gut wie unbekannt ist, wird unsere bildhafte Ver- / Entgiftungsterminologie meist in fruchtbar irritierender Weise als originell empfunden, und sie wird, soweit wir sehen, bislang weder missverstanden noch zur Rechtfertigung von verletzend aggressivem Agieren missbraucht. Sie wird auch niemandem aufgedrängt, der dies ablehnt, es ist ein Vorschlag zur Anregung. Außerhalb des Übungsraumes kehren wir gemeinsam ohne Komplikationen wieder zur gängigen Terminologie zurück. Unser begriffliches Spiel mit der Kategorisierung destruktiven Agierens als „vergiftete Aggression“ eröffnet einen Denkraum für das, was wir dann „unvergiftete Aggression“ im Sinne 166 Thomas Scheskat 4 | 2025 von legitimer Selbstbehauptung nennen. Es wird dadurch möglich, eine integrative Brücke zu schlagen zwischen zwei entgegengesetzten Enden eines Kontinuums, quasi wie zwischen Gut und Böse. Diese Brücke hilft gegen die Neigung, die eigenen „fiesen“ Anteile zu verleugnen, Schuld anderen zuzuschieben oder keine Verantwortung für aggressives Agieren zu übernehmen. Wir ermöglichen somit einen Prozess in einem kooperativen Begegnungsrahmen, in dem ein aggressiver Impuls sicher ausgedrückt werden kann. Wie in den noch folgenden Übungsbeschreibungen anschaulich werden soll, wird in der dialogisch-konfrontativen Aufstellung ein Vertrauen schaffender Rahmen gehalten, der es ermöglicht, vermischte aggressive Gefühle in Sprache zu fassen, an ein Gegenüber zu adressieren, dafür Resonanz zu bekommen und selbst wiederum auf diese Resonanz zu reagieren. Wir sprechen dann auch von der Mentalisierung von Aggression in Anlehnung an Fonagy und Schultz-Venrath (Schultz-Venrath 2013, 81). Für die vertiefende Begründung dafür, warum wir in dialogischen Aufstellungen arbeiten, stelle ich an anderer Stelle das Dialogprinzip als elementare Säule unseres Ansatzes dar (Scheskat 2020, 91 ff ), dies u. a. mit Bezugnahme auf die Dialogphilosophie von M. Buber, u. a. mit der Unterscheidung, ob sich Menschen als Subjekte begegnen oder andere als Objekte behandeln. Transformation gefesselter und vergifteter Aggression Es gibt Dynamiken, die das Bewältigen eines Konfliktes im Dialog sabotieren können. Wir gehen bei unserem Ansatz von folgender These aus: Destruktive Aggression entsteht aus Fesselungen ihrer Handlungskraft und aus Vergiftungen ihrer Motive. Das macht umgekehrt ihr Entfesseln und Entgiften vorstellbar (Aggression dekontaminieren und transformieren). Der Schlüssel dafür liegt darin, die Energie ihrer inneren Hemmung oder ihres Überschießens in die Hand zu nehmen. Wir verstehen es nicht nur als eine Art Sortiervorgang, sondern vielmehr als eine Transformation, wenn die Differenzierung zwischen den konstruktiven und destruktiven Wirkungen der aggressiven Kräfte gelingt. In unserer Praxis geschieht dies vor allem in den Box- und Schlagdialogen (siehe unten). Hier entsteht nicht nur eine neue Handlungskontrolle bei den Übenden, sondern auch eine Wandlung in der gesamten Einstellung zur Selbstbehauptung in Beziehungen. Dabei wirkt nicht nur die direkte Erfahrung als Übungsakteur: in, sondern (wenn im Gruppensetting) auch das Partizipieren an den Prozessen der anderen, durch deren Vorbild manches Mal überhaupt erst der entscheidende Anstoß für eigene Schritte erfolgt. Zum Konzept der Vergiftung In der Pharmakologie gilt eine Substanz dann als toxisch, wenn sie in der falschen Dosierung zum falschen Zeitpunkt der falschen Person verabreicht wird. Kein Stoff ist aus sich heraus von vornherein giftig oder heilsam. Man kann dies metaphorisch auf die Kraft der Aggression anwenden: Auch sie ist weder von vornherein schädlich noch nützlich, dies entscheidet sich nach Absicht, Dosierung, Zeitpunkt und so weiter zwischen Anwendenden und Betroffenen. Für unseren Übungszweck ist der Vergiftungsbegriff in diesem Sinne nützlich. Den Übenden wird deutlich, dass die eigene aggressive Kraft ein wertneutrales Potenzial darstellen kann, wenn wir den Begriff wie oben beschrieben erweitert benutzen im Sinne von nach vorne zu gehen und etwas in Angriff zu nehmen. Eine moralisch-ethische Auftrennung in erwünschte und unerwünschte Anteile des aggressiven Potenzials ist nicht förderlich, denn moralische Wertungen sollten sich nicht auf den aggressiven Impuls, sondern rein auf das Verhalten beziehen. Wenn wir eine nachhaltig wirksame Verantwortung und Kontrolle über unsere eigene Aggression gewinnen wollen, geht das nur, indem Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 167 4 | 2025 wir uns mit unserem aggressiven Potenzial vertraut machen, unsere aggressiven Impulse also zunächst einmal kennenlernen, um dann entscheiden zu können, wie wir sie einsetzen wollen. Eine prinzipielle moralische Verurteilung des aggressiven Potenzials an sich steht dem im Wege. Überdies haben Teilnehmende häufig die irrige Vorstellung, dass es nur dann möglich ist, aggressive Kraft einzusetzen, wenn ein aggressiver Impuls durch ein Gefühl wie Wut, Hass oder Angst als Folge eines äußeren Reizes ausgelöst wird. Dass ein solches Gefühl nicht nötig ist, sondern ein Zugang zum eigenen aggressiven Potenzial auch durch eine Willensentscheidung möglich ist, ist für viele Teilnehmende überraschend. Über eine solche Willensentscheidung ist es schließlich umgekehrt leichter möglich, einen aggressiven Impuls auch zu bremsen. In der unten beschriebenen Übung mit dem Schlagklotz kann dies eindrücklich und unschädlich für beide Übungspartner: innen exploriert werden. Viele sind erstaunt, wenn sie begreifen, dass sie einfach durch eigenen Entschluss eine enorme Kraftmenge über einen Stock auf einen Schaumstoffblock leiten und dies dem Mitübenden und den Umstehenden damit auch offenlegen können - und dass es sogar möglich ist, sich über das reine Kraftpotenzial zu freuen. Eine Hürde kann darin bestehen, dass es zunächst paradox erscheint, diese Kraft über eine Handlung wie das Schlagen auszudrücken. Zu schlagen ist klassischerweise durch Moraltabus blockiert, denn eine solche Handlung kommt im Zustand des moralischen Gefesseltseins nur infrage, wenn sie entsprechend durch legitime Wut, Angst oder ein Gerechtigkeitsgefühl motiviert ist. Auf der anderen Seite kann das Problem darin bestehen, dass es bei jemandem zu wenig wirksame Hemmung gegen aggressiv-gewaltsame Impulse gibt und die Fertigkeit fehlt, eine aggressive Handlung zu stoppen. Dann läge der Ansatzpunkt z. B. nicht nur bei dessen Wut auf unverdauter Bedrohung, Verletzung, Beschämung, Entwertung oder Ausgrenzung, die dazu geführt haben, dass er oder sie gewalttätig wurde. Es wäre dann auch die Hemmung des Ausagierens zu üben. Es ist in jedem Fall schlüsselhaft für die Teilnehmenden, auch Freude an ihrer Kraft zu finden. Dies, weil nach unserer Überzeugung Menschen eher motiviert sind, sich in nachhaltiger Weise mit ihren Emotionen auseinanderzusetzen, wenn sie diese als einen Reichtum ihres Inneren verstehen. Somit sagt der Vergiftungsbegriff bezüglich der Aggression eines Menschen nichts Allgemeingültiges über die ethisch-moralische Legitimität seines Gefühls oder seiner Handlung aus. Er kann ausschließlich erfassen, ob der Impuls oder die Handlung im Einklang bzw. im Widerspruch mit den Werten und Zielen der Betroffenen stehen. So kann die Idee der Vergiftung im Übungszusammenhang dabei helfen, dass die Übenden durch das Erleben ihrer aggressiven Kraft ihre Werte und Ziele überprüfen. Denn unter Umständen werden sie diese Ziel- und Wertvorstellungen als den eigentlichen Ort der Kontamination, also Vergiftung erkennen. Das führt wiederum auf die Spur vergiftend wirkender Botschaften von außen, die quasi „bitter schmeckenden“ verschluckten Werte und verinnerlichten Ziele Anderer - d. h. in der Regel von Erziehungspersonen und Vorbildern. Vergiftung und Kontamination sind also immer nur in einem dialogischen Beziehungssystem überhaupt bedeutungsvolle Begriffe. Zu den Wurzeln unserer Terminologie ließe sich sagen, dass der Gedanke der (inhaltlichen) Vergiftung (außer von Dornes) eher von Perls und der Gestalttherapie inspiriert ist (zur Vertiefung unseres Bezuges zum Aggressionsbegriff in der Gestalttherapie siehe Scheskat 2020, 108 ff ), während die dazu in unserem Schema kreuzende Ebene mit der Idee der (energetischen) Fesselung mehr auf Wilhelm Reich zurückgeht. Beide waren eng verbunden, Perls hatte eine Lehranalyse bei Reich absol- 168 Thomas Scheskat 4 | 2025 viert (Eberwein 2009, 124) und sich wesentlich mit seinen Ideen auf Reich bezogen (Blankertz/ Doubrawa, 2017). Fesselung und Vergiftung Wir operieren mit dem bildhaften Gedankenmodell von „Gefesseltsein“ und „Entfesselung“, um zwischen gehemmtem und ungehemmtem Ausdruck von Aggression zu unterscheiden. Auf einer zweiten Ebene sprechen wir modellhaft von vergifteter und unbzw. entgifteter Aggression, um zwischen ihrer destruktiven und konstruktiven Ausrichtung zu unterscheiden. In diesem Modell werden zwei Dimensionen der Aggression als Grundkraft deutlich: Fesselung / Entfesselung meint einerseits das energetische Ausmaß und Vergiftung / Entgiftung andererseits den inhaltlichen Charakter ihrer denkbaren Deformierungen. Die Kategorien der Fesselung und der Vergiftung greifen ineinander - aber sie stehen für zwei unterschiedliche und damit unterscheidbare Wahrnehmungsdimensionen (Abb. 1). Mit Fesselung lässt sich das energetische Erleben erfassen, das mehr körperlich-sinnlich angelegt ist. Mit dem Vergiftungsbild wiederum wird eine qualitative, eher gedanklich-wertende Ebene berührt. Gefesselt fühle ich mich als Betroffener vor allem, wenn ich mich in Handlungs-, d. h. Bewegungsimpulsen zurückgehalten erlebe. Vergiftet wiederum fühle ich mich, wenn sich die dabei steuernden Signale falsch anfühlen. Ein klassisches Beispiel wäre, wenn etwa eine Frau bemüht ist, ihre Stimme nicht laut zu erheben und diese dafür mit eingeschränkter Atmung fesselt. Als vergiftet würde sie dann ihr Bild vom Frausein erkennen, das ihr vorgibt, dass es unweiblich wäre, laut zu sprechen, obwohl es ihrem eigenen Bedürfnis entspräche und auch zu einer effektiven Selbstbehauptung angebracht wäre. Als Menschen streben wir nach Wachstum und Bindung gleichermaßen. Doch es kann schwierig sein, im Leben Raum zum Wachsen und den dafür nötigen Halt zu finden, ohne dafür mit einer Fesselung der Selbstentfaltung zu bezahlen. Entfesselung bedeutet in unserer Übungspraxis deswegen, eine befreite Haltung Abb. 1: Fesselung und Vergiftung Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 169 4 | 2025 zur eigenen Handlungsenergie zu finden. Dazu werden in spielerisch-explorierender Weise mitunter als „gewaltig“ erlebte Energien in einem sicheren Rahmen spürbar gemacht. Der Unterschied zwischen „gewaltig“ und „gewalttätig“ wird herausgearbeitet, was für einige schwierig sein kann, weil sie es gewohnt sind, beides gleichzusetzen. Durch das Erleben des Gewaltigen in sich, ohne dass es jemanden gewaltsam schädigt oder unüberwindliche Schamhürden davor liegen, werden Ängste vor der eigenen Wirkmächtigkeit abgebaut oder gar aufgelöst. Theunert hat das Schema für Betrachtungen zur Gewaltanfälligkeit von Männern aufgegriffen (2023, 109 ff ). Treffend erkennt er: „Auch ein lauter Streit kann der Verständigung dienen und auch eine leise Beleidigung kann bereits gewalttätig sein. Weder Heftigkeit noch Bedrohlichkeit des Konflikts sind gute Gradmesser, um ihr destruktives Potenzial zu erfassen. Die entscheidende Frage ist die nach der Bezogenheit der Beteiligten: Spüren sie sich und den Gegner? Dient ihre Auseinandersetzung dem Austausch oder der Demütigung? “ Bahnende statt fesselnder Kontrolle Im Kern geht es um die Entscheidung, wie ich meine Handlungsimpulse kontrolliere und lenke: entweder durch Fesseln oder durch Bahnen. Kontrolle durch das Fesseln von Aggression bedeutet deren Unterdrückung bis hin zur Verleugnung und Abspaltung. Die Kraft der Aggression lässt sich aber auch durch Bahnung im Sinne von Lenken kontrollieren. Dies erreichen wir in der Schlag-Übung (siehe unten). Bahnen statt Fesseln bedeutet ein lebendiges und verantwortungsvolles Führen meiner eigenen Kräfte analog zu den Ufern eines Flusses. Das Bild des Flusses enthält auch die Vergeblichkeit des Versuches, ihn durch Stauen nachhaltig fesseln zu wollen. Das Bild enthält aber auch die Möglichkeit, einen Impuls zeitweise zu „stauen“ - also zunächst zurückzuhalten, um ihn dann aber rechtzeitig vor dem „Überlaufen“ oder vor dem „Bruch der Staumauer“ in geeignete Bahnen zu lenken. Da es sich aber um emotionale Energie handelt, die nicht wie Wasser physikalischen Gesetzen unterliegt, sondern informationell bestimmt ist, kann sie in eine Transformation geleitet werden, wozu es wiederum den Dialog braucht. Das Bild des Stauens von Handlungsenergie, das wir in der Körperpsychotherapie oft verwenden, ist assoziativ der Sexualökonomie von Wilhelm Reich entlehnt (1985, 622 ff, vertieft siehe Scheskat 2020, 111 ff ). Zu den Wurzeln unserer Terminologie ließe sich sagen, dass der Gedanke der (inhaltlichen) Vergiftung (außer von Dornes) eher von Perls und der Gestalttherapie inspiriert ist (zur Vertiefung unseres Bezuges zum Aggressionsbegriff in der Gestalttherapie siehe Scheskat 2020, 108 ff ), während die dazu in unserem Schema kreuzende Ebene mit der Idee der (energetischen) Fesselung mehr auf Wilhelm Reich zurückgeht. Beide waren eng verbunden, Perls hatte eine Lehranalyse bei Reich absolviert (Eberwein 2009, 124) und sich wesentlich mit seinen Ideen auf Reich bezogen (Blankertz/ Doubrawa, 2017). Das Fesselungs-Vergiftungs-Diagramm Das folgende Diagramm führt das zuvor eingeführte Koordinatensystem weiter aus. Es veranschaulicht die Kategorien von Fesselung und Vergiftung innerhalb zweier Dimensionen der Aggression in einem Quadrantenschema (Abb.-2). Damit gewinnen wir eine Art Landkarte dafür, wie die Dynamiken der Aggression zwischen destruktiv und konstruktiv wirken. Und es soll uns auch für die körperpsychotherapeutische Einbeziehung der Körperebene Orientierung bieten. Das Schema zeigt in den Diagonalen vier Richtungen, in die sich die Kombinationen aus je gefesselten / vergifteten oder ungefesselten / unvergifteten Zuständen für eine Person auswirken können. Zunächst bildet das zuvor eingeführte zweiachsige Schema (siehe Abb. 1) das Grundgerüst für Fesselung und Vergiftung. 170 Thomas Scheskat 4 | 2025 Im Diagramm werden jeweils auf der senkrechten und waagerechten Achse die Kontinuen zwischen den Polen gefesselt-ungefesselt und zwischen vergiftet-unvergiftet abgebildet. An den Endpunkten der Diagonalen stehen sich je zwei Paare von Lebensausrichtungen diametral gegenüber. Diese Lebensausrichtungen ergeben sich aus den Kombinationen der jeweils benachbarten Dimensionspole. Demnach würde z. B. rechts unten die Kombination aus der Tendenz zu unvergiftet und gefesselt in der Konsequenz zur Selbstverleugnung führen. Die drei Aspekte innerhalb der Quadranten beschreiben das innere Erleben in drei aufeinander aufbauenden Kategorien: (dominierender) Ich-Zustand, Lebensgefühl und Lebensprinzip (Abb. 3). Diese inneren Kategorien wiederum ergeben zusammen eine Dynamik der Lebensausrichtung, die durch den diagonalen Pfeil dargestellt ist. Die Dynamik weist in Richtung eines denkbaren (End-)Ergebnisses im Außen, d. h. für die Beziehungen einer Person. Das Ergebnis wird deshalb außerhalb des Quadranten abgebildet (Abb. 3). Vom Zentrum des Diagramms aus gesehen wird zuerst die Kategorie des Ich-Zustandes benannt, wobei hier nicht ein momentaner Zustand gemeint ist, sondern die Grundmatrix für die immer wieder dominierenden Ich-Zustände, die die Dynamik des Quadranten mitprägen. Als zweite Kategorie wird das Lebensgefühl benannt, das sich durch den Grund-Ich-Zustand immer wieder herstellt. Daraus ergibt sich als dritte Kategorie das Lebensprinzip, das der Dynamik ihre Richtung verleiht. Außerhalb des Gesamtfeldes ist schließlich die Wirkung benannt, die entsprechend für Mitmenschen von außen als Ergebnis der inneren Dynamik wahrnehmbar ist, bzw. wie sie sich in Beziehungen und Interaktionen auswirkt. Und so bildet der obere rechte Quadrant der ungefesselt-unvergifteten Kombination ein Idealziel ab, das hier als (Aggressions-)Balance bezeichnet wird. Hier ist der Ich-Zustand durch gesunde Aggressionsfähigkeit gekennzeichnet, was für Konfliktbereitschaft in Verbindung Abb. 2: Das Fesselungs- Vergiftungs- Diagramm Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 171 4 | 2025 mit Dialogfähigkeit steht. Dies nennen wir wie bereits erwähnt in Anlehnung an Geuter Aggressionskompetenz (vertiefend hierzu Scheskat 2020, 21 f ). Wir nehmen auch immer wieder Bezug auf die umfassenden theoretischen Arbeiten von Geuter zu den gemeinsamen Grundlagen der verschiedenen körperpsychotherapeutischen Schulen und Disziplinen (Geuter 2015, 2019). So u. a. auch zum Energie-Begriff in der KPT (Scheskat 2020, 24 f ) oder zum Embodied Mind (verkörperter Geist, Scheskat 2020, 23). Diese ermöglicht in der zweiten Kategorie ein dominierendes Lebensgefühl, das von Stimmigkeit geprägt ist, weil Konflikte überwiegend und hinreichend geklärt werden können. Dadurch ist in der Kategorie des Lebensprinzips Raum für Vitalität und Erotik, womit ein grundsätzlich erotisch-lustvolles und kreativ-gestaltendes Verhältnis zum Leben gemeint ist. Dieses wird dadurch ermöglicht, dass die darin pulsierenden Energien nicht entscheidend in ungelösten Konflikten gebunden bleiben. Ein Mensch, der sich überwiegend in diesem Feld verorten kann, wird von seiner Umwelt als grundsätzlich in Balance wahrgenommen, und er kann balancierend auf sie einwirken. Damit ist kein lauer Mittelzustand gemeint, sondern die Fähigkeit, zwischen ggf. extremen Lebensereignissen und durch schwierige Konflikte hindurch in Beziehungen immer wieder in eine ausgleichende Balance innerer und äußerer Interessen finden zu können. Hier lassen sich verschiedene Qualitäten verorten, die mindestens den humanistischen Therapiedisziplinen als ideale Entwicklungsziele innewohnen: die Fähigkeiten zum Dialog, zur Empathie, zur Spannungs- und Ambiguitätstoleranz, zur Konfliktlösung. Weiterhin: Schwingungsfähigkeit, Ressourcen für Resilienz, Selbstbehauptung- - und speziell in den neoreichianischen Richtungen: Pulsation, Vitalität, Erotik, Orgasmusfähigkeit (im weiteren Sinne der in der Biodynamischen Psychotherapie definierten Psychoorgastik) und etliches mehr. Im diagonal gegenüberliegenden Quadranten (links unten) ist vergiftet-gefesselt kombiniert. Dort herrscht eine entsprechend diametral entgegengesetzte Dynamik. Die körperliche Vitalität ist energetisch unterdrückt und von entwertenden Kognitionen durchsetzt. Der vorherrschende Ich-Zustand ist von Rückzug geprägt, das Lebensgefühl von Depression, und das Lebensprinzip ist das der Lähmung. Für die Außenwelt wahrnehmbar läuft es in der Eskalation auf das Endergebnis der Selbsttötung hinaus als extremste Variante des Rückzuges. Im vergiftet-ungefesselten Feld (links oben) entsteht die explosivste Kombination. Dort herrscht im Inneren der Grundzustand der Feindseligkeit, wobei diese vom inneren Lebensgefühl der Angst ohne ausgleichenden Halt und Schutz angetrieben ist. Tatsächlich fehlen hier für eine wirksame Kontrolle zunächst wirksame Hemmungen und Bahnung. Moral und Werte sind nicht verinnerlicht oder versagen durch mangelnde Empathie. Es droht die Entfesselung der Aggression im negativen Sinn. Chronische Zustände von Feindseligkeit und Angstgefühlen zu erleben und dabei keine ausreichende Impulskontrolle zur Verfügung zu haben, kreiert ein Lebensprinzip der Bedrohung und latenter Abwehrbereitschaft. Hier steht die Bedrohung für zweierlei: für das Grundempfin- Abb. 3: Dynamik der Lebensausrichtung 172 Thomas Scheskat 4 | 2025 den, bedroht zu sein, also Bedrohung zu erleiden, und für die Überzeugung, darauf mit Bedrohlichkeit reagieren zu müssen. Diese innere Dynamik läuft auf der äußeren Handlungsebene im Ergebnis auf die Anwendung von Gewalt hinaus (ggf. auch in passiv-aggressiver oder struktureller Form). Das gefesselt-unvergiftete Feld (rechts unten) ist hierzu der diametrale Gegensatz. Hier regiert die Anpassung im Ich-Zustand des Bravseins, das vorherrschende Lebensgefühl ist von Vorsicht geprägt, aus dieser Perspektive werden Gefahren aus allen Richtungen erwartet: Die Gewaltvollen könnten zuschlagen, die Depressiven könnten mit Hilfeforderungen Erpressungen ausführen, und die gesund Aggressiven nehmen sich immer die besten Stücke. Man verfügt über eine (relativ) unvergiftete Empathiefähigkeit und kann sich (eher zu) gut auf Andere einstellen, wohingegen eigene Interessen chronisch zurückgestellt werden. Die Initiative, für sich selbst einzutreten, ist tendenziell blockiert. Aufgrund der Fesselung der eigenen Aggression kann man immer nur mit Rücksicht reagieren. Doch dies ist im alltagssprachlichen Sinn prinzipiell falsche Rücksicht, weil der Antrieb aus Angst besteht statt aus Empathie. Im äußeren Ergebnis wirkt sich diese Dynamik in Beziehungen tendenziell als Selbstverleugnung aus. Fazit In dem geschilderten Schema kann sich jeder Mensch in einem speziellen Moment, aber auch in seiner übergeordneten Lebensausrichtung mehr oder weniger flexibel verorten. Das heißt, dass man im Laufe des Lebens in Graden wahrscheinlich all diese Zustände und Dynamiken durchläuft, aber nicht zwingend dauerhaft in einem engen Bereich steckenbleibt. Je weiter man sich nach links einordnen muss, umso dringlicher ist der Bedarf daran, an seiner Aggressionsbalance zu arbeiten. Der methodische Beitrag zur Arbeit mit Aggression In der körperorientierten Aggressions-Dialog- Arbeit fokussieren wir auf die in destruktiven Handlungsmustern wirkenden Energien. Dies zielt darauf, die Kraft der Aggression zu „entgiften“ und konstruktiv nutzbar zu machen. Die Methode ermutigt Menschen zur Begegnung mit schwierigen Gefühlen, steigert das Empfinden von Selbstwirksamkeit und eröffnet neue Wege der Konfliktlösung. Bei unserem Ansatz geht es auch, aber nicht nur um das Vermeiden schädlicher Aggression. Es geht vielmehr um einen fruchtbaren Umgang mit den eigenen offensiven Kräften, d. h. mit der eigenen Fähigkeit des Anpackens und um den Mut, sich Anderen zuzumuten. Es soll die Fähigkeit gestärkt werden, gemeinsam mit anderen um faire Konfliktlösungen zu ringen. Wie schon ausgeführt gilt allgemein die Definition von Aggression im Sinne von Grenzüberschreitung und feindseligem Angriff. Für unseren Übungszweck erweitern wir also unser Verständnis von Aggression-- dafür ist es nützlich, den Begriff in seiner ursprünglich lateinischen Bandbreite zu verwenden. Darin steht er für das ganze Spektrum zwischen räuberisch angreifen bis hin zu herangehen. Durch die „körperpsychotherapeutische Brille“ verstehen wir Aggression als einen integrierten Handlungsbogen: sich zu erheben, nach vorne aufzubrechen und etwas „in Angriff zu nehmen“ (Abb. 4). Dies hat uns dazu angeregt, die Energie der Aggression als das „dynamische Rückgrat der Seele“ zu bezeichnen (vertieft in Scheskat 2020, 88 ff ). Es bedeutet-- energetisch betrachtet - sich zu erheben, quasi auszuholen und loszulegen. So wird aus dem Aufbruch ein Projekt, das wir in Angriff nehmen. Uns geht es also um das Erkennen des ganzen Spektrums aggressiver Kräfte im eigenen Selbst. Dies kann Motive der Begegnung genauso wie der Abwehr bzw. des Gegenangriffs beinhalten. Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 173 4 | 2025 Um uns diesem Ziel zu nähern, haben wir Settings entwickelt, in denen zwei widerstreitende Polaritäten in den Dialog treten können, auch um sich in die Konfrontation über einen Dissens zu wagen. Das heißt, dass sich eine unter Umständen sogar hohe Konfliktspannung aufbauen kann, die Verständigung darüber aber nicht abbricht. Um diesen Widerspruch und seine Integration begrifflich zu fassen, nennen wir unsere Übungssettings dialogische Konfrontationen. Damit ist auch benannt, dass in dialogischen Aufstellungen gearbeitet wird, also grundsätzlich mit eine: r Begegnungspartner: in als Gegenüber, was auch wie oben ausgeführt Gegnerschaft aufstellbar macht. Man steht sich partnerschaftlich zugewandt und gleichzeitig konfrontativ gegenüber - entweder ganz wörtlich in den Stand-Übungen oder im übertragenen Sinne wie etwa im Ringen. Wie vermeiden wir dabei, dass der Aggressionsbegriff als „Herangehen“ schwammig und damit letztlich bedeutungslos wird? Dies gelingt uns dadurch, dass wir das Destruktive in der Aggression als vergiftete Aggression bezeichnen. Die quasi philosophische Wendung dabei ist, dass wir uns damit auch eine Entgiftung der Aggression vorstellen können. Das bedeutet: Was will ich eigentlich, und wie kann ich es kooperativ mit anderen erreichen - anstatt es mit feindseligem Verhalten zu sabotieren? Abb. 4: Aggression als integrierter Handlungsbogen Wir sehen Aggression in unserer erweiterten Definition als „roten Faden“ zu Kernthemen von Teilnehmer: innen. Der Fokus auf Aggression erfüllt deswegen in den verschiedenen Settings von Selbsterfahrung und Therapie oft eine Art „Portalfunktion“. Das bedeutet, es öffnet sich ein Zugang zu emotionalen Innenwelten, weil Sicherheit und Vertrauen dadurch entstehen, dass die eigenen Abwehrmechanismen als Selbstschutz-Kompetenz erfahren werden können. Dafür steht uns ein Basis-Set an dialogisch-konfrontativen Kontaktübungen zur Verfügung. Die Haupt-Übungsfelder für dialogische Konfrontationen Stehen - Boxen - Schlagen - Ringen: Diese vier markanten Begegnungsformen haben sich mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten als besonders geeignet dafür erwiesen, die Kraft der Aggression im Kontakt zu erleben (für die ausführliche Beschreibung der Übungsfelder siehe Scheskat 2020, 29 ff ). In der Vorbereitung wie im Anschluss an die kraftvollen Übungen erfolgen vielfältige Anleitungen zur Selbstwahrnehmung. Die Arbeit mit Aggression ist damit in viele Spürräume eingebettet zur Vor-, Zwischen- und Nachbereitung der Erlebnisse für die Teilnehmenden. Achtsamkeit im Sinne des wachen Gewahrseins spielt in allen Phasen eine elementare Rolle. Um solche herausfordernden Übungen für die Teilnehmenden verträglich zu gestalten, müssen von der Leitung zentrale Haltungen, Rahmen und Grenzen markiert werden: Einladung und Akzeptanz, Freiwilligkeit, Vermeidung von körperlicher und psychischer Überforderung, Abgrenzung gegen Gruppendruck, Kleinschrittigkeit und Transparenz, Vermeidung von Verletzungen. Sich gegenüber stehen und aufeinander zugehen Stehen - das sind Übungen zum Stand und Haltfinden, zur Erforschung von Standfestigkeit und Standschwäche sowie von Ab- und Anleh- 174 Thomas Scheskat 4 | 2025 nung. Zusätzlich gibt es Übungen mit dem Wegschieben, um sich Raum zu verschaffen. In diesem Übungsfeld können metaphorische Begriffe wie Boden finden, Standpunkte bilden, Stellung beziehen, Stand halten, sich vorstellen oder widerstehen wörtlich genommen und körperlich erforscht werden. Wir arbeiten mit Varianten von Körperdialogen, wie sich gegenseitig aus dem Stand zu stoßen (Abb. 5), sich gegenseitig zu stützen (Abb. 6) und sich mit Schieben gegenseitig Terrain abzutrotzen (Abb. 7). Es gilt, den eigenen Stand zu erforschen. Die Übungen dienen zur Vermittlung eines Grundverständnisses für das Üben mit Aggression im direkten Kontakt mit einem Gegenüber. Sie stellen die Einführung des dialogischen Prinzips dar und sind so als niedrigschwelliger Einstieg mit Spielcharakter bestens geeignet. Als aggressive Kraft wird hier angesehen, mit dem Krafteinsatz in der Stoßbewegung auf ein Gegenüber hin bei diesem eine Wirkung zu erzielen. Auch das eigene Gewicht in der Anlehnung scheinbar passiv abzugeben und dem Gegenüber als Halt zur Verfügung zu stellen, gehört in paradoxer Weise dazu. Die Übung zeigt anschaulich, was Menschen mit der Angst meinen, auf jemanden „hereinzufallen“ (Abb. 6). Anstoß geben und Anstoß erregen Boxen bedeutet Stoßkraft in der Bandbreite zwischen Anstoß geben und Anstoß erregen - u. a. mit der Form des „sicheren Boxens“ kann der Mut zur Zumutung geübt werden. Die Bezeichnung „Boxen“ markiert hier eine eher äußerliche Ähnlichkeit mit dem, was wir gewöhnlich als Boxen kennen. Was wir stärken wollen, ist der Mut zur Zumutung, d. h. sich einerseits mit seinen Kräften zuzumuten, andererseits dabei eine klare Abgrenzung zum Zufügen von Verletzungen zu entwickeln. Das führt dahin, dass wir uns eine Sensibilisierung zur Unterscheidung zwischen Aggression und Gewalt erarbeiten. Dazu können - vor allem bei Männern- - vergiftende Muster des „Ein- und Weg- Abb. 5-7: Übungen zur Standfestigkeit Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 175 4 | 2025 steckens“ von verletzenden Angriffen entdeckt werden und ihre Veränderung in Richtung einer bewussten Verarbeitung beginnen. Die Boxform wird ritualisiert mit berechenbaren, d. h. schwachen Stößen wie in Zeitlupe eingeführt (Abb. 8) und schrittweise bis zu einem freien Schlagabtausch mit eingegrenzten Treffflächen gesteigert (keine Schläge gegen Hals und Kopf ). Die Begegnung im klassisch anmutenden Setting des Boxkampfes (Abb. 9) dient zuvorderst der unmittelbaren Erfahrung, auf der Körperebene einen „anregenden Anstoß“ zu erhalten. Anders als im Boxsport wird hierbei nicht um Sieg oder Niederlage gekämpft. Statt eines Gegners gibt es ein Gegenüber. Dieser ist ein Partner, ein „Beschenkender“. Das Geschenk besteht in der Bereitschaft zum Geben und Nehmen, im Zumuten und Sich-zumuten-Lassen von kraftvoller Berührung. Schlagabtausch und durchschlagende Freude Schlagen ermöglicht im Schlagdialog den Ausdruck von Kräften, die in der direkten Einwirkung aufeinander schädigen würden - es ist ein schützendes Ritual zum Erleben der eigenen puren Kraft zunächst im „Rohzustand“. Gelingt eine Wandlung im Sinne von Entgiftung, kann diese Kraft psychisch als Empowerment im Sinne von Ermutigung und Selbstermächtigung erlebt werden. Die Grundform des Schlagens auf ein Polster in seiner monologischen Form stammt von Alexander Lowen (Lowen / Lowen 1988, 112). Bei unserer Übungsform handelt es sich um eine dialogische Weiterentwicklung, bei der man eine: r gegenüberstehenden und mitübenden Partner: in in kraftvollen Schlägen sein Aggressionspotenzial ausdrückt und es für die ganze Gruppe quasi „veröffentlicht“ (Abb. 10). Damit wird für alle spürbar und sichtbar, welche Kraft und Energie von ihnen freigesetzt werden kann und wie diese enormen Körperkräfte gelenkt und gebahnt werden können. Es werden Rundholzstäbe aus Hartholz von einem Abb. 8-9: Sicheres Boxen Abb. 10: Schlagdialog 176 Thomas Scheskat 4 | 2025 Meter Länge verwendet, die noch wuchtigere Schläge als z. B. mit einem Tennisschläger ermöglichen. Die Beschaffenheit der Stöcke hilft auch, den Charakter der Schlagbewegung buchstäblich mehr auf den Punkt zu bringen, denn die Trefffläche des Holzes auf dem Stoff ist praktisch nur eine Linie. Die Begegnung am Schlagklotz wird dabei wieder als Dialog angeleitet, als ein „Gespräch über die Wahrheit der Kraft“, die in jedem der beiden Übenden steckt. Dieses Gespräch wird mit der Sprache des Schlagens und dessen lautem Knallen auf der Oberfläche des Klotzes geführt. Dabei sollen sich die Übenden immer wieder gegenseitig anschauen und die Ausdrucksenergie des anderen an sich heran- und damit deren Wirkung auf sich zulassen. Durch die klaren Regeln kann es den Akteur: innen freigestellt bleiben, wie schnell oder langsam und wie heftig oder sachte sie auf den Klotz schlagen. Sie können also auch beliebig wild werden, solange sie dabei nicht blindwütig agieren. Durch die klaren Regeln und die Fokussierung auf den Auftreffpunkt vor sich wird es möglich zu erkennen, dass man seine Kräfte bahnend kontrollieren kann, statt sie fesseln zu müssen. Ein zentrales Ziel der Schlag-Übung ist es, die Unterscheidbarkeit zwischen dem Schrecklichen und dem Freudvollen in der eigenen Aggression direkt zu erleben. Diese oft überraschende und tiefgreifende Erfahrung ist die Voraussetzung für einen Prozess, den wir als „mentale Entgiftung“ von Aggression bezeichnen. Im Zuge dieser mentalen Entgiftung kann es begleitend auch zu einer körperlich-energetischen Entgiftung kommen, d. h. dem Lösen von fesselnden Verspannungsmustern, die aus der mentalen Tabuisierung entstammen. Diese können sowohl in Verspanntheit (Überladung) als auch in zu schlaffen, kraftlosen Haltungsmustern (Unterladung) verkörpert gewesen sein. Sie entgiften sich dadurch, dass die entsprechenden Körperpartien mehr belebt werden. Ein besonderer Aspekt in der Wirkungsweise der Schlag-Übung besteht im Blickkontakt zwischen den Partner: innen. Blickkontakt heißt, auch die ganze Mimik und den gesamten Körperausdruck des Gegenübers bewusst wahrzunehmen (Abb. 11). Was in Blick und Gesicht der Übenden sichtbar wird, ist so etwas wie „das wahre Kraft- Ich“. Die dialogische Schlag-Übung ermöglicht es den Teilnehmenden, zwei grundlegende Erfahrungen im Umgang mit der eigenen Aggression zu machen. Die erste liegt in der Erkenntnis, dass die eigene Schlagkraft sehr unterschiedliche Auswirkungen haben kann. Ihre potentielle Wirkung liegt real im Spektrum zwischen kräftigem Zupacken und tödlichem Zuschlagen. Dies machen sich viele Menschen, wie wir feststellen, nicht wirklich bewusst. Da sie niemanden schädigen wollen, verleugnen sie tendentiell diesen auch potentiell zerstörerischen Anteil in sich. Hier wird ihnen hingegen bewusst, dass sie Angst vor der eigenen Kraft haben, weil sie nicht sicher sind, ob sie sie beherrschen können, wenn sie sich dort hineinfühlen. Es erscheint maches wie ein im „inneren Dunkel eingesperrtes Monster“, wie es einmal ein Teilnehmer beschrieb. Die zweite wichtige Erfahrung besteht darin, das eigene Aggressionspotenzial als annehmbar, verantwortbar und auch darstellbar zu erleben. In der Übung kann das potenziell Tödliche und das freudvoll Kraftvolle als zunächst unheilvoll ver- Abb. 11: Blickkontakt Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 177 4 | 2025 woben und dann als voneinander unterscheidbar erlebt werden. Es entsteht die Erfahrung, dass auch gewaltige Kräfte im eigenen körperlichen und seelischen Inneren gebahnt und kontrolliert werden können. Man sollte vor seinen Kräften Respekt haben, aber keine Angst vor sich selbst haben müssen. So können Wut und auch Trauer über oft jahrelang vergeudete Energie im „Wegsperren des inneren Monsters“ gefühlt und ausgedrückt werden - und dies in einer mobilisierenden, aufrichtenden und ermutigenden Weise. Fast alle Übenden erleben in der Endphase des Schlagprozesses eine euphorisierende Freude an ihrer Kraft, die sie ganz neu, weil „unvergiftet“ erleben. Es löst Stolz und vitale Freude aus, sie als kontrollierbar zu erfahren und dabei als ungefesselt genießen zu können. Vergiftung - Transformation - Entgiftung Ringen ist die direkteste Form der gegenseitigen Reibung im Kontakt - hier kann man den anderen einmal physisch anpacken, sich ihn oder sie buchstäblich „zur Brust nehmen“, oder in Gestalt des Gegenübers so etwas wie „die eigenen Dämonen niederringen“ (Abb. 12). Alle Teilnehmenden bekommen nach den ersten Einweisungen die Gelegenheit, zur Probe mit einem Gegenüber ein kurzes Balgen zu vollführen, das weder thematisch verknüpft ist, noch auf Entscheidung zielt. Es geht dabei darum, diese spezielle Form des Kontaktes und des körperlichen Kräftespiels einfach für sich zu spüren, d. h. den Körper und die Sinne auf das gegenseitige Anpacken und Zugreifen einzustellen. Die Begegnungsform des Ringkampfes öffnet weitere Zugänge zur Hingabe an die eigene Kraft. Bei der Arbeit mit dem Ringen gilt es, sich von Gleichsetzungen wie einerseits Gewinnen = Siegen und andererseits wie Verlieren = Unterliegen zu lösen. Im Gegensatz zur Schlag-Übung und zum Boxen wird hier-- in einer der Varianten - ausdrücklich bis zur Entscheidung über Sieg und Niederlage gerungen (Abb. 13). Der Forschungsstoff für die Teilnehmenden ist auf der einen Seite die Entschlossenheit zu riskieren, sich durchbzw. zu widersetzen. Auf der anderen Seite gilt es, die Erfahrung von Ohnmacht und Niederlage zu studieren. Immer wieder bestätigen Kämpfende anschließend, dass der größere Gewinn auf eine paradoxe Art in der Niederlage zu finden sei, da nur der/ die Unterlegene sicher sein könne, seine ganze Kraft benutzt zu haben. Die Gleichsetzung von Niederlage mit Verlieren passt dann nicht mehr. Es erfüllt manche auch mit Stolz, sich die Niederlage „ehrlich erkämpft“ zu haben. Das buchstäbliche Ringen mit Schicksalskräften, das Ringen mit sich selbst oder das Sich-Durchringen zu Entscheidungen bekommen hier eine Abb. 12-13: Ringen 178 Thomas Scheskat 4 | 2025 verkörperbare Plattform. Der/ die Ringpartner: in kann zu eine: r Protagonist: in der Verkörperung von ungreifbaren Kräften werden, gegen die man gleich „Dämonen“ im inneren Ringen steht. Von solch eher angstnahen Aspekten des Ringens abgesehen, stellt es andererseits eine sehr intensive, weil ganzkörperliche Begegnung in großer Nähe dar. Natürlich kann auch genau das Angst auslösen, in der Übungspraxis sind es aber eher das Ungewohnte und mit Berührungstabus verbundene Schamgefühle, die manche zögern lassen. Recht schnell werden aber die lustvoll-belebenden Verheißungen im Ringen erkennbar und öffnen die Tür für echte Begeisterung für diese „heiße“ Kontaktform. Es geht dabei nicht um eine erotische Entfesselung um jeden Preis, auch hier werden übergriffige bzw. Intimgrenzen verletzende Handlungen durch Regeln begrenzt oder, wenn nötig, konfrontiert. In langjähriger Erfahrung mit diesem Setting hat sich erwiesen, dass der zuvor etablierte Gesamtrahmen in der Gruppe so gut wie immer einen genügend feinen Sinn für das Wahren der entscheidenden Grenzen bei den Übenden stimuliert. In der zweiten Variante des Ringens, beim reinen Kräftemessen, wird auf die Sieg-Niederlage-Entscheidung bewusst verzichtet. Trotzdem können die Ringpartner: innen mit vollem Krafteinsatz bzw. mit vollem Ernst in den Kampf gehen, wobei der Teil des Ernstes, der durch einen Kampf auf Entscheidung entsteht, ausgeklammert bleibt. In der dritten Grundform des Ringens balgen die Übenden eher miteinander, als dass sie kämpfen. Es wird wie im Kräftemessen kein: e Sieger: in ermittelt, und das Maß des Krafteinsatzes bleibt völlig offen. Die dialogische Begegnungsform des Ringens stellt nämlich in ihrer Bandbreite noch andere Qualitäten bereit als diejenigen, die über das Betonen der Kraft zu erschließen sind. Es ist nicht immer für alle Teilnehmenden aktuell das Wichtigste, zu ihrer Kraft zu finden, um sich durchzusetzen oder wirksam zu widersetzen. Für manche gilt es eher, innere Blockaden zu überwinden, die sie davon abhalten, körperliche Nähe zu riskieren und damit ein wichtiges Erfahrungsfeld neu zu erschließen. Schlussbetrachtung Die Übungssettings der Aggressions-Dialog- Arbeit - als Beispiel körperpsychotherapeutischer Methodik - ermöglichen es, das gesamte Spektrum innerer aggressiv-offensiver Impulse zwischen destruktiv und konstruktiv auszudrücken und dafür Resonanz zu erfahren. Nicht zuletzt beim Einsatz für als aggressiv-gefährlich geltenden Patient: innen in der Forensischen Psychiatrie hat es sich bewährt, auch die finstersten destruktiven Regungen in einen sicheren Körper-Dialog bringen zu können (Scheskat/ Knoblauch 2023). Daraus erwächst die Chance, zu den dahinter verborgenen Primärimpulsen und -bedürfnissen vorzudringen, so dass sie mit der zuvor im Destruktiven gebundenen Energie für neue Ziele verwendbar werden (Kronenberger/ Scheskat 2014). Die Wirkkette in unserem Gesamtvorgehen können wir so beschreiben: Mit Hilfe der Aggressions-Dialog-Arbeit wird Aggression als Ressource erschlossen, woraus Aggressions- Kompetenz entsteht, welche schließlich eine lebendige Aggressions-Balance ermöglicht. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels ist ein Fortbildungskonzept im Entstehen, um die Aggressions-Dialog-Arbeit lehrbar zu machen. Dabei steht die Selbsterfahrung mit dem eigenen „Aggressions-Ich“ in seiner ganzen Bandbreite im Vordergrund. Mit dieser neuen Blickweise auf das Phänomen der Aggression können dann die Haltungen und Einstellungen gewonnen werden, die die Anwendung der Methodik stimmig anwendbar machen. Vergiftete und unvergiftete Aggression in der Körperpsychotherapie 179 4 | 2025 Thomas Scheskat Pädagoge M.A., Körperorientierte Psychotherapie (ECP, HPG), tätig als Gruppenleiter im Psychologischen Dienst der forensischen Landesklinik Moringen, freiberuflich im Göttinger Institut für Männerbildung & Geschlechterbegegnung. ✉ Thomas Scheskat Am Mühlengraben 2 | D-37083 Göttingen t.scheskat@maennerbildung.de www.maennerbildung.de www.aggressions-dialog-arbeit.de Literatur Bauer, J. (2011): Schmerzgrenze - Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt. Blessing, München Blankertz, S., Doubrawa, E. (2017): Perls, Fritz. In: www.gestalttherapie-lexikon.de/ aggression. htm, 8.1.2020 Dornes, M. (1997): Die frühe Kindheit. Entwicklungspsychologie der ersten Lebensjahre. Fischer, Frankfurt/ M. Eberwein, W. (2009): Humanistische Psychotherapie. Quellen, Theorien und Techniken. Thieme, Stuttgart, https: / / doi.org/ 10.1055/ b-002-29644 Geuter, U. 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