eJournals körper tanz bewegung14/2

körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
10.2378/ktb2026.art13d
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Medien&Materialien: Hans Gunia, Simone Saurgnani (Hrsg.): Der Körper in der Verhaltenstherapie. Methoden und Interventionen für die Praxis

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Ulfried Geuter
Sich in der Psychotherapie auf den Körper zu beziehen, kommt mehr und mehr auch in der Verhaltenstherapie an. Als Ergebnis einer Tagung zu diesem Thema haben der im Februar 2025 leider verstorbene Hans Gunia und Simone Saurgnani einen Band mit 10 Beiträgen vorgelegt. Nach der Einleitung, dem Kapitel 1, geben Heidenreich, Chmitorz und Michalak im zweiten Kapitel einen Einblick in Forschungsarbeiten zum Konzept des Embodiment und ziehen aus dieser Forschung die klinische Schlussfolgerung, „durch gezielte körperliche Interventionen“ emotionale Zustände zu modulieren.
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Medien & Materialien 99 körper-- tanz-- bewegung 14. Jg., S. 99-102 (2026) © Ernst Reinhardt Verlag Hans Gunia, Simone Saurgnani (Hrsg.): Der Körper in der Verhaltenstherapie. Methoden und Interventionen für die Praxis Ernst Reinhardt Verlag, 2025, München, 174 Seiten, 34,90 € (D) S ich in der Psychotherapie auf den Körper zu beziehen, kommt mehr und mehr auch in der Verhaltenstherapie an. Als Ergebnis einer Tagung zu diesem Thema haben der im Februar 2025 leider verstorbene Hans Gunia und Simone Saurgnani einen Band mit 10-Beiträgen vorgelegt. Nach der Einleitung, dem Kapitel 1, geben Heidenreich, Chmitorz und Michalak im zweiten Kapitel einen Einblick in Forschungsarbeiten zum Konzept des Embodiment und ziehen aus dieser Forschung die klinische Schlussfolgerung, „durch gezielte körperliche Interventionen“ emotionale Zustände zu modulieren. Als nächster folgt ein Beitrag von Kern zur Personzentrierten Körperpsychotherapie, in dem der Autor dafür plädiert, „vom Innen gespürten Körper“ auszugehen, um „Evidenz-Erfahrungen“ zu vermitteln und Patient: innen ein körperliches Gefühl dafür gewinnen zu lassen, „was gerade stimmig und was unstimmig ist“. Kern plädiert für ein langsames und genaues Wahrnehmen des Körpererlebens als Grundlage des psychotherapeutischen Verstehens. Auch im vierten Beitrag von Huppertz und Saurgnani über Körper und Achtsamkeit geht es nicht um Interventionen, mit denen Therapeut: innen von ihnen vorgegebene Ziele verfolgen, sondern um „unkomplizierte Körperexperimente mit offenem Ausgang“, bei denen Patient: innen wahrnehmen sollen, was geschieht. Huppertz und Saurgnani sprechen in ihrem Beitrag von zwei unterschiedlichen Tendenzen in der Arbeit mit dem Körper: mit Interventionen von außen „den Körper gezielt weiterzuentwickeln“ oder „den Körper seinen individuellen Weg finden zu lassen.“ Sie plädieren für den zweiten Weg, der nicht auf Verbesserungen, sondern auf eine achtsame Haltung ziele. In den anderen Beiträgen findet sich aber vor allem die erstgenannte Herangehensweise. Weitgehend wird hier die Arbeit mit dem Körper als ein technisches Additiv zu einer kognitiven Therapie verstanden. Das beginnt in der Einleitung, in der die Herausgeber zwar den Satz des Körperpsychotherapeuten David Boadella „We are not technicians, rather we are explorers“ zitieren, dann aber ein instrumentelles Verhältnis zum Körper skizzieren: ihn als Verstärker „einzusetzen“, bei Bewältigungsstrategien „zu nutzen“ oder ihn „beim Habituieren und Überlernen“ zu „benutzen“. Im fünften Beitrag über die Arbeit mit dem Körper in der Dialektisch-Behavioralen Therapie beschreiben Brokuslaus und Welke ein Training körperlicher Skills, das Patient: innen hilft, konkrete Fähigkeiten zur Selbststeuerung zu lernen. Körperinterventionen werden dabei als Mittel zur Erreichung psychotherapeutisch vorgegebener Ziele beschrieben. Auch in den weiteren Beiträgen widmet sich das Buch durchweg der Frage, wie entsprechende Interventionen innerhalb zielorientierter verhaltenstherapeutischer Behandlungspläne verwendet werden können. In dem folgenden, sechsten Beitrag über den therapeutischen Nutzen körperlicher Aktivität und Bewegung stellen Koutsovitis und Keegan ein Programm zur Aktivierung vor, bei dem es um die Erarbeitung neuen Verhaltens geht. Wie die Menschen ihre Krankheit auch körperlich erleben und was deren Hintergründe sind, kommt dabei nicht vor. Die Autoren sehen die lastende leibliche 100 Medien & Materialien 2 | 2026 Schwere einer Depression nicht als diese Depression selbst, sondern werten sie auf einer behavioralen Ebene als Ausdruck eines Vermeidungsverhaltens, das „negativ bewertete Emotionen“ reduziere. Als Körperpsychotherapeut befremdet mich, wie technisch hier über den leidenden Menschen geschrieben wird. Auch theoretisch befriedigt diese Sichtweise nicht, weil die Körperlichkeit der Depression allein als eine Folge psychischer Prozesse verstanden wird. Wenn Heidenreich, Chmitorz und Michalak den Körper als „Mitgestalter des inneren Erlebens“ bezeichnen, entspricht auch das einer dualistischen Vorstellung, in der es hier mentale Prozesse und da den Körper gibt, der eben „mitgestaltet“. Vom Erleben her gesehen sind aber körperliche Prozesse nur ein Aspekt des ganzheitlichen Erlebens einer Person und eine Depression eine Erkrankung einer Person in einer Situation, die in Gedanken, Verhalten, körperlichem Erleben und körperlichen Veränderungen gleichermaßen erfahren wird. Vom Körpererleben ist aber außer in den Beiträgen von Kern sowie von Huppertz und Saurgnani in diesem Buch nicht die Rede. Das erinnert an eine Zeit in der behavioralen und kognitiven Verhaltenstherapie, in der das Verständnis des Menschen ohne Bezug auf das Erleben auskam, wie bei Margraf und Schneider (2009), während neuere Strömungen wie Acceptance and Commitment Therapy (ACT) psychische Prozesse als Formen des Erlebens verstehen und lehren, in der Therapie emotionale Zustände als körperlich gespürte Prozesse zu beobachten und zu erforschen und nicht nur mit Übungen zu ändern (Hayes et al. 2016). Im siebten Beitrag des Buches von Rosales über den Körper bei chronischen Schmerzen bleibt es hingegen in behavioraler Tradition dabei, über Körperinterventionen von außen gesetzte Therapieziele zu erreichen: Veränderungen in der Interpretation des Schmerzes und von dysfunktionalen Bewältigungsstrategien. Als Körperinterventionen werden hier Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen, Bewegung und PMR vorgeschlagen. Im achten Beitrag zum Körper in der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung der Essstörungen stellt Herzog-Schilling einige Vorgehensweisen zur Arbeit mit dem Körperbild der Betroffenen vor wie Spiegelkonfrontation, Body Scan oder Body Maps. Abgerundet wird das Buch durch zwei Beiträge von Gunia über Tango Argentino und Verhaltenstherapie sowie über Körper und Sexualität. Gunia empfiehlt Tango-Workshops als Teil einer verhaltenstherapeutischen Strategie zum „Aufbau positiver Aktivitäten“ und stellt klassische sexualtherapeutische Übungen dazu vor, wie man Lust auch ohne Orgasmus oder Erektion erleben kann. Methoden wie der Body Scan, Atem- oder Achtsamkeitsübungen werden in dem Buch ohne Verweis auf ihre Herkunft vorgestellt, als seien die von anderen nur übernommenen Methoden in der Verhaltenstherapie neu erfunden worden. Körperpsychotherapeutische Literatur bleibt unerwähnt. So sprechen Huppertz und Saurgnani in ihrem Beitrag davon, dass in den achtsamkeitsbasierten Ansätzen seit Ende der 1970er Jahre „externe und autoritäre Praktiken“ dominiert hätten, obwohl zu dieser Zeit bereits in der körperpsychotherapeutischen Schule des Hakomi ein nicht-autoritärer und erkundender Ansatz vorgelegt wurde. So sehr es zu begrüßen ist, dass auch in der Verhaltenstherapie das Bewusstsein dafür wächst, dass der Mensch körperlich leibt und lebt, so sehr würde ich mir wünschen, dass dies mit einem Respekt demgegenüber einhergeht, was in der Psychotherapie dazu schon entwickelt wurde, statt sich nur dieses Wissens zu bedienen und es als eigene Entwicklung auszugeben. Unter Rückgriff auf bekannte Methoden vermittelt das Buch verschiedene Ansätze des praktischen Arbeitens mit dem Körper in der Psychotherapie, die insbesondere dann sinnvoll sind, wenn eingeschränkte Fähigkeiten zur Medien & Materialien 101 2 | 2026 Regulation psychischer Zustände und emotionaler Reaktionsweisen durch ein übungsorientiertes Vorgehen gefördert werden können. In solchen Fällen ist die Vorgabe von Zielen, die durch die beschriebenen Interventionen erreicht werden sollen, sinnvoll. In den meisten Beiträgen verbleibt der Bezug zum Körper allerdings allein im zweckrationalen Denken eines technischen Therapieverständnisses. Ein Verständnis des Menschen als körperlich erlebendem Subjekt hat hier keinen Platz. Das Buch zeigt insofern eine Verhaltenstherapie, die in all ihren Wenden, auch in der neuesten zum Körper, in einem funktional-mechanistischen Paradigma verharrt. Wenn der Körper nur als Mittel therapeutischer Regulation verstanden wird, wird dieses Paradigma nur verfeinert, aber nicht verändert. Ulfried Geuter DOI 10.2378/ ktb2026.art13d Literatur Hayes, S. C., Strosahl, K. D., Wilson, K. G. (2016): Acceptance and commitment therapy: The process and practice of mindful change. Guilford Press, New York Margraf, J., Schneider, S. (Hrsg.) (2009): Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Band 1: Grundlagen, Diagnostik, Verfahren, Rahmenbedingungen. 3.-Aufl. Springer, Heidelberg Franz Renggli: Unsere frühesten Verletzungen und wie sie in nahen Beziehungen ausheilen können. Meine Arbeit mit Babys, Familien und Paaren Tredition, 2025, Ahrensburg, 228 Seiten, 25,00 € (D) F ranz Renggli, pränatalfundierter Körperpsychotherapeut (ursprünglich Zoologe, dann Psychoanalytiker, Paar-, Familien- und Gruppentherapeut) hat ein neues Buch geschrieben. Seine früheren Werke wurden im Psychosozialverlag neu aufgelegt- - 2018 „Früheste Erfahrungen- - ein Schlüssel zum Leben. Wie unsere Traumata aus Schwangerschaft und Geburt ausheilen können.“ 2020 „Verlassenheit und Angst-- Nähe und Geborgenheit. Eine Natur- und Kulturgeschichte der frühen Mutter- Kind-Beziehung“. Renggli schöpft aus fünfundfünfzig Jahren Therapieerfahrung und dreißig Jahren pränataler Arbeit, gegründet auf seinem Erfahrungsschatz und der Forschung von William Emerson und Ray Castellino. Im neuen Buch spannt er nun den weiten Bogen zwischen Spiritualität und Kritik an den gesellschaftlichen Bedingungen der Industrienationen. Aus der Kenntnis des pränatalen Erfahrungsraumes und dem tiefen Mitgefühl mit dem kleinen ungeborenen Menschen, dem Blickwinkel der pränatalen Psychologie, formuliert er seine Beobachtungen des Umgangs mit Ungeborenen, Babys während und nach der Geburt, ihre Verlassenheit und Gefährdung durch Erwachsene, die aufgrund eigener prä- / perinatal erlebter Verlassenheit und Vorverletzungen nicht ausreichend präsent und mitfühlend sind. Er stellt den Zusammenhang her zu sich daraus ergebenden zerstörerischen Auswirkungen im weiteren Leben: Suchtverhalten als Surrogat für die nicht erfahrene emotionale Versorgung, Dissoziation, Krankheit und eine grenzenlose Wut. Suchtverhalten, das im grenzenlosen Konsumismus unsere Natur und Lebensgrundlage zerstöre. Die Wut sei, bezogen auf das frühe Verlassenheitserleben, völlig