eJournals körper tanz bewegung14/3

körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2026
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Kongresse&Tagungen: DGIB-Symposium, DHKIT-Fachtagung

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2026
Hermann Ludwig
Christina Mitropoulos-Bott
Sabine Rippe
Das Symposium der Deutschen Gesellschaft für Integrative Leib- und Bewegungstherapie (DGIB) am 5. und 6. Dezember 2025 an der Universität Heidelberg widmete sich zentralen Themen der Leibphänomenologie in der Therapie.[…] Wie tanzt sich Frieden? Dieser Forschungsfrage war die diesjährige Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Biodynamische Tanztherapie und Tanzpädagogik HKIT (DHKIT) gewidmet.
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Kongresse & Tagungen 147 körper-- tanz-- bewegung 14. Jg., S. 147-148 (2026) © Ernst Reinhardt Verlag DGIB-Symposium D as Symposium der Deutschen Gesellschaft für Integrative Leib- und Bewegungstherapie (DGIB) am 5. und 6. Dezember 2025 an der Universität Heidelberg widmete sich zentralen Themen der Leibphänomenologie in der Therapie. Als Gesprächspartner für die Teilnehmer stand Thomas Fuchs, der Leiter der Sektion „Phänomenologische Psychopathologie und Psychotherapie“ der Klinik für Allgemeine Psychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg zur Verfügung. Grundlage für die Gespräche bildeten Texte zum EnvironMentalism von Malafouris, Fuchs, Gallese & Röhricht (2025) und zur Material Engagement Theory (MET) von Malafouris (2019). Hauptthema des Symposiums war die Frage, wie sich durch Auseinandersetzung mit der Umwelt und den dort verfügbaren Materialien mentale Prozesse, Gesundheit und Krankheit entwickeln und phänomenologisch differenziell beschreibbar werden. Im Fokus stand der peripersonale Raum als dynamische Zone um den Körper, in der Leib und Umwelt miteinander interagieren, wodurch Selbstgrenzen entstehen (oder verwischen). Außerdem ging es um „Thinging“, einem Begriff aus der Material Engagement Theory (MET). Er besagt, dass mentale Prozesse wie Denken, Verstehen, Problemlösen, Kreativität nicht nur „separiert“ im Kopf entstehen, sondern in der Auseinandersetzung mit der Umwelt erworben werden, insbesondere auch mit der Materialumwelt (z. B. dem Ton beim Töpfern). Fuchs beschreibt das Selbst als verkörperte Subjektivität (Leib), als ein Lebewesen, das empfindet, fühlt, strebt, erlebt. Diese Subjektivität ist keine bloße Repräsentation der Außenwelt oder „außerweltliche Innerlichkeit“, sondern ist verkörpert, und „auf die Umwelt bezogen, in ihr anwesend und wirksam“ (Fuchs 2017, 120). Die Bedeutung dieser Einbettung (embeddedness) für die menschliche Entwicklung wird durch Malafouris’ Material Engagement Theory (MET) untermauert. Auf dieser Grundlage entwickelten Malafouris, Fuchs, Gallese und Röhricht schließlich das Rahmenkonzept „EnvironMentalism“ (Malafouris et al. 2025), das die Materialumwelt als entscheidenden Einflussfaktor in der Entstehung von Gesundheit und Krankheit beschreibt. Das Integrative Verfahren hat mit dem Basiskonzept des „informierten Leibes“ (Petzold 2017) eine moderne Position zum „psychophysischen Problem“ entwickelt. Es verbindet neurobiologische und leibphilosophische Perspektiven. Die Ansätze von Fuchs/ Malafouris und Petzold finden hier Parallelen: Beide sehen den Leib als Synergem aus sensomotorischen, emotionalen und kognitiven Sinneseindrücken, das sich über die gesamte Lebensspanne in der Auseinandersetzung mit der Umwelt konstituiert und entwickelt. Petzold, Fuchs und Malafouris betonen dabei die große Bedeutung des Eingebettet-Seins in eine Umwelt für die menschliche Entwicklung. Sie bedienen sich zwar unterschiedlicher Begriffe wie beispielsweise Merleau-Pontys „Zur-Welt-Sein“, dem „Eingebettet-Sein in Kontext und Kontinuum“ (Petzold 2009, 39) oder der „situated person perspective“ (Malafouris et al. 2025), weisen inhaltlich aber starke Angrenzungen auf. Gemeinsam postulieren sie, dass die menschliche Entwicklung wie auch Gesundheit und Krankheit durch eine wechselseitige Interaktion (oder die Abwesenheit derer) zwischen Mensch und Umwelt begründet sind. Beide Ansätze konvergieren in einer relationalen Leibtherapie, die Medien als Brücke zwischen Leibphänomenologie und Praxis nutzt. Daher war der Austausch mit Prof. Fuchs für die DGIB-Mitglieder, nicht nur auf der Theorieebene, sondern auch für die praktische Arbeit, hoch inspirierend. Die DGIB möchte mit solchen Veranstaltun- 148 Kongresse & Tagungen 3 | 2026 gen einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Grundidee der Integrativen Therapie zu unterstützen, aktuelle Theorien und Denkansätze für das Verfahren fruchtbar zu machen. Es war erneut eine äußerst gelungene und anregende Veranstaltung, die Lust auf mehr macht! Hermann Ludwig, Christina Mitropoulos-Bott Literatur Fuchs, T. (2017): Das Gehirn-- ein Beziehungsorgan. Eine phänomenologisch-ökologische Konzeption. Stuttgart, Kohlhammer Malafouris, L. (2019): Mind and material engagement. Phenomenology and the cognitive sciences 18, 1-17. https: / / doi.org/ 10.1007/ s11097- 018-9606-7 Malafouris, L., Fuchs, T., Galese, V., Röhricht, F. (2025): Steps to an EnvironMental health. Phenomenology and the Cognitive Sciences, 1-26, https: / / doi.org/ 10.1007/ s11097-025-10096-1 Petzold, H. G. (2017): Der „informierte Leib“ - „embodied and embedded“. Polyloge 3, 1051- 1092 Petzold, H. G. (2009): Der Informierte Leib. In: Waibel, M. J., Jakob-Krieger, C.: Integrative Bewegungstherapie. Störungsspezifische und ressourcenorientierte Praxis. Schattauer, Stuttgart, 27-44 DHKIT-Fachtagung Wie tanzt sich Frieden? tet, wie auch Stressresilienz durch Tanz (Julia Hagen, Österreich). In einer offenen Diskussionsrunde wurden zum Abschluss der Fachtagung weiterführende Fragen erarbeitet: Wie tanzt sich Frieden im Hinblick auf den Vagus-Nerv und das Nervensystem? Wie kann ein Gefühl des Friedens initiiert werden, wenn das Nervensystem im „Fight“- Modus ist? Was bedeutet das für die pädagogische und therapeutische Arbeit im Hinblick auf die Selbstregulation? Wie hängen innerer und äußerer Frieden miteinander zusammen? Wie lassen sich diese Erkenntnisse gesamtgesellschaftlich fruchtbar machen über den engen Rahmen einer Therapie hinaus? Wo und bei wem beginnt Frieden? Wie können Friedenstänze einen nachhaltigen Einfluss nehmen? Die nächste Fachtagung ist für 2027 geplant und wird sich weiter mit diesen Fragen auseinandersetzen. Sabine Rippe W ie tanzt sich Frieden? Dieser Forschungsfrage war die diesjährige Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Biodynamische Tanztherapie und Tanzpädagogik HKIT (DHKIT) gewidmet. Das Thema wurde aus unterschiedlichen Blickwinkeln in Workshops beleuchtet. Ein Schwerpunkt bildete dabei die pädagogische Arbeit mit Kindern (Karin Mantel, Halle, und Gesche Heidemann, Oldenburg) und die Fortbildung pädagogischer Fachkräfte in Kindertagesstätten (Richarda Klaver-Willrodt, Hamburg). Weitere Forschungsfelder waren die tiefenpsychologisch orientierte Arbeit mit Vorstellungsbildern zum Schwerpunkt Natur und der sichere Ort (Inge Wolter, Basel) und der Rückgriff auf die evolutionäre Dimension des Körpergedächtnisses (Sabine Rippe, Berlin). Auch die körperpsychotherapeutische Ebene des Ansatzes Heilende Kräfte im Tanz (HKIT) im Hinblick auf Selbstanbindung durch Grounding im Becken (Caroline Benhöfer-Buhr, Bode) wurde beleuch-