eJournals körper tanz bewegung14/3

körper tanz bewegung
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2195-4909
Ernst Reinhardt Verlag, GmbH & Co. KG München
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2026
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Medien&Materialien: Sarah Seppendorf, Oliver Schöndube: Musiktherapeutische Interventionen im Coaching. 33 Tools für die Praxis

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Peter Geißler
Die Lektüre des Buchs „Musiktherapeutische Interventionen im Coaching“ offenbart ein Werk, das sich durch methodische Klarheit, praktische Relevanz und eine ästhetisch informierte Grundhaltung auszeichnet. In seiner dreigliedrigen Struktur – begrifflich-theoretischer Einstieg, rechtlicher und wirkfaktorischer Rahmen, dann detaillierte Interventionsvorschläge – etabliert das Werk nicht nur einen systematischen Zugang zu musikalisch gestütztem Coaching, sondern auch eine innere Logik, die tiefere Schichten leiblicher Erfahrung zugänglich macht.
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Medien & Materialien 149 körper-- tanz-- bewegung 14. Jg., S. 149-150 (2026) © Ernst Reinhardt Verlag Sarah Seppendorf, Oliver Schöndube: Musiktherapeutische Interventionen im Coaching. 33-Tools für die Praxis Ernst Reinhardt Verlag, 2025, München, 205 Seiten, 39,90 € (D) D ie Lektüre des Buchs „Musiktherapeutische Interventionen im Coaching“ offenbart ein Werk, das sich durch methodische Klarheit, praktische Relevanz und eine ästhetisch informierte Grundhaltung auszeichnet. In seiner dreigliedrigen Struktur-- begrifflich-theoretischer Einstieg, rechtlicher und wirkfaktorischer Rahmen, dann detaillierte Interventionsvorschläge- - etabliert das Werk nicht nur einen systematischen Zugang zu musikalisch gestütztem Coaching, sondern auch eine innere Logik, die tiefere Schichten leiblicher Erfahrung zugänglich macht. Gerade im Kontext körperpsychotherapeutischer Verfahren eröffnet sich hier ein bedeutsamer Anschlussraum, in dem Musik als intermediäres Medium zwischen somatischer Resonanz, emotionalem Ausdruck und relationalem Raum wirkt. Aus körperpsychotherapeutischer Perspektive-- wie sie etwa in „Körperarbeit in der Psychotherapie“ oder in der „Psychodynamischen Körperpsychotherapie“ formuliert ist- - steht nicht das methodische Inventar im Vordergrund, sondern die Haltung der Nichtwissens-Toleranz, die Fähigkeit, das Subtile und Nicht-Verfügbare in der Beziehung zu beherbergen. Das musikalische Coachingbuch nähert sich dieser Dimension vorsichtig, etwa wenn es Musik als Weg zur Prozessvertiefung beschreibt. Dennoch bleibt es weitgehend lösungsorientiert und zielgerichtet. Doch genau hierin liegt der produktive Reiz für körperpsychotherapeutisch orientierte Leser: innen: Die klare Strukturierung und fokussierte Ausrichtung der Interventionen können als Ergänzung und gelegentliche Rahmung für das prozessuale Arbeiten im Körperraum dienen- - nicht im Sinne eines Manuals, sondern als Impulsgeber für den Raum zwischen Klang, Berührung und Affekt. Denn Musik ist ihrem Wesen nach sowohl konkret als auch diffus, sowohl rhythmisch gebunden als auch offen für emergente Bedeutungen. In ihrer Verwendung im Coaching wird sie zur Brücke, um vorsprachliche Affekte, körpernahe Intuitionen und atmosphärische Verdichtungen erfahrbar zu machen-- ein Raum, den auch die psychodynamische Körperpsychotherapie immer wieder zu betreten versucht. Besonders die Idee der „interventionellen Musikalität“ im Coaching, verstanden als gezielte Eröffnung eines anderen Erfahrungsmodus, könnte körperpsychotherapeutische Verfahren inspirieren, Klang nicht nur als Stimulus, sondern als relationalen Agenten zu begreifen- - etwa in der stimmlichen Resonanzarbeit oder im Atemrhythmus als dialogischem Prinzip. Die Integration musikalischer Verfahren in körperpsychotherapeutische Settings bedeutet dabei keinesfalls eine Hybridisierung oder Auflösung methodischer Grenzen. Vielmehr ließe sich sagen: Musik-- insbesondere in der klug reflektierten Form, wie sie das Coachingbuch anbietet-- kann als regulierende Instanz fungieren, als atmosphärischer Träger impliziten Beziehungswissens. Wo Sprache versagt, der Blick ausweicht, die Körperhaltung erstarrt, vermag ein musikalisches Moment jene Mikroverschiebungen einzuleiten, die ein In-Bewegung-Kommen im Sinne der Lebensbewegung (Adler, Geißler) vorbereiten. Im Sinne des von Peter Geißler so betonten Prinzips der Unmittelbarkeit wirkt Musik nicht als dekoratives Ele- 150 Medien & Materialien 3 | 2026 ment, sondern als Katalysator impliziter, präreflexiver Erfahrung. Besonders hervorzuheben ist in dieser Hinsicht die Haltung, die das Coachingbuch-- vielleicht unbeabsichtigt-- kultiviert: eine Form der ästhetisch fundierten Prozessbegleitung, in der Musik nicht nur als Ausdruck, sondern auch als Zuhören verstanden wird. Genau hier öffnet sich der leise, aber deutliche Dialog mit der Körperpsychotherapie: Beide Felder operieren an der Grenze des Sagbaren, beide vertrauen auf das prozesshafte Entstehen von Sinn im Medium des Zwischen. Die musikalische Intervention kann dort, wo der leibtherapeutische Dialog zu stagnieren droht oder allzu stark an eine symbolische Ordnung gebunden ist, einen sensorisch-affektiven Zwischenraum aufspannen, der sowohl therapeutisch als auch diagnostisch von Relevanz ist. So ließe sich in Weiterführung sagen: Das Buch „Musiktherapeutische Interventionen im Coaching“ bietet für körperpsychotherapeutisch Arbeitende keine fertigen Rezepte, wohl aber ein Repertoire an Zugängen, die- - mit achtsamer Modifikation-- in den somatischen Dialog überführt werden können. Es liefert keine Theorie des Körpers, wohl aber ein spürbares Wissen vom Zwischenraum, von der vibrierenden Präsenz des Klangs als psychodynamischer Träger. Damit ist es ein lohnender Resonanzkörper für all jene, die sich in der Psychotherapie der Herausforderung stellen, das Nicht-Wissen, das Unverfügbare, das vorbewusst Körperliche nicht nur zu tolerieren, sondern einzuladen. Und gerade darin, im gemeinsamen Raum zwischen Coaching, Musik und Leiblichkeit, liegt vielleicht eine der fruchtbarsten Grenzflächen für zukünftige Entwicklungen in der körperpsychotherapeutischen Praxis. Dr. med. Dr. phil. Peter Geißler DOI 10.2378/ ktb2026.art20d